Es sollte eine berauschende Handball-Party unter freiem Himmel werden. Und die Voraussetzungen waren optimal: Strahlender Sonnenschein, über 2 000 begeisterte Sportanhänger und zwei in Bestbesetzung angetretene Bundesligisten. Doch nach elf Minuten und 18 Sekunden und beim Stand von 4:4 fand das Spektakel Open-Air-Handball auf der Herrenbreite ein jähes Ende.
Was sich schon im Vorspiel zwischen dem HC Aschersleben und Wernigerode angedeutet hatte, setzte sich im Duell der beiden deutschen Spitzenmannschaften fort: Der Spielbelag der Firma Novo-Tech aus Aschersleben ist derzeit nicht für den Spitzensport geeignet.
Da die Spieler bei ihren schnellen Antritten und Drehungen regelmäßig ausrutschten, sahen sich die beiden Trainer gezwungen, die Notbremse zu ziehen. „Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass wir keine Verletzungen riskieren können“, wandte sich SCM-Manager Marc Smeets an das Publikum und erntete mitfühlenden Beifall.
Ähnlich argumentierten auch SCM-Trainer Frank Carstens und Füchse-Coach Dagur Sigurdsson: „Es ist wirklich schade, denn bessere Rahmenbedingungen haben wir uns nicht wünschen können. Und wir hatten eine Menge Tricks und Spielzüge abgesprochen, um dem Publikum etwas bieten zu können.“
So reduzierte sich die Auseinandersetzung auf ein munteres Siebenmeterwerfen, an dem die Zuschauer auch ihre Freude hatten, auch wenn das Sportliche auf der Strecke blieb. Tröstend war dagegen die Ankündigung, dass beide Bundesligisten das Versprechen abgaben, im Winter wieder nach Aschersleben zu kommen und das Spiel in der Halle zu wiederholen. Die Karten vom Mittwoch behalten dafür ihre Gültigkeit.
Für Holger Sasse, Unternehmenschef von Novo-Tech, war der Abbruch kein Beinbruch: „Wir können uns nur revanchieren und es nächstes Jahr nur besser machen.“ Sein Ziel war es, zu beweisen, dass die Holzpolymerwerkstoffe, mit denen sich sein Unternehmen zum europäischen Marktführer gemausert hat, auch geeignet sind, als wetterunabhängiger Spielbelag genutzt zu werden. „Für den Breitensport ist das Ergebnis akzeptabel, für den Spitzensport reicht es nicht aus“, lautete ein erstes Fazit des Unternehmers.
Die Firma werde sich sofort damit auseinandersetzen, wie die Probleme in den Griff zu bekommen seien. Auch Ascherslebens Oberbürgermeister Andreas Michelmann hätte lieber einen gemütlichen Handball-Abend erlebt, als vielen Menschen Rede und Antwort stehen zu müssen. „Es ist wie im Motorsport! Für Tourenwagen ist der Untergrund egal, für die Formel I muss es eine intensive Abstimmung zwischen Reifen und Belag geben“, verglich er sportlich die Probleme. Gleichzeitig kündigte er an, dass es trotz dieses Rückschlages im nächsten Jahr wieder eine Handball-Open-Air-Veranstaltung geben wird.
Ob sich darauf Ascherslebens Drittliga-Handballer Benny Böcker freuen wird, bleibt abzuwarten. Der hat sich auf dem Belag eine Leistenzerrung zugezogen und muss jetzt erst einmal pausieren. Davon blieb Füchse-Star Iker Romero verschont. „Schade! Es hätte ein Riesenspaß werden können“, erklärte der Spanier gegenüber der Aschersleber Zeitung.