René Enders freut sich auf die olympischen Spiele in London. (FOTO: DPA)
Nur zu einer kurzen Stippvisite in der Heimat reichte es für die beiden Erfurter Olympia-Starter Kristina Vogel und René Enders am Mittwoch. Am Abend waren sie bereits mit den gepackten Olympia-Koffern Richtung holländisches Apeldoorn unterwegs.
Dort absolviert das deutsche Bahnrad-Sprintteam auf einer dem Londoner Olympia-Velodrom ähnlichen Bahn mit ihren nagelneuen, nur 6,8 Kilogramm schweren FES-Rädern ein zehntägiges Trainingslager. Danach steht als Olympia-warm up am 22. Juli in Köln ein Sprintermeeting mit der kompletten deutschen Spitzenklasse auf dem Programm, ehe die Mannschaft einen Tag später gen London fliegt.
„Seit 26. April waren wir fast pausenlos unterwegs. Die Vorbereitung war extrem hart. Langsam setzt das Kribbeln ein. Es wird Zeit, dass es losgeht“, sagte Enders, der sein Olympia-Bronze von Peking diesmal mit dem deutschen Team vergolden will. Er ist fest überzeugt, dass er das mit Maximilian Levy und Stefan Nimke am 2. August schaffen kann.
„Ich halte mich an die alte Theaterweisheit, dass nach einer verpatzten Generalprobe die Premiere gelingt“, bemerkte der nur 1,65 Meter große, derzeit schnellste Anfahrer der Welt im Teamsprint mit Blick auf die Disqualifikation des Trios bei der diesjährigen WM. In London wird Enders, der das Trio auf den ersten 150 Meter von Tempo Null auf 72 km/h bringen will, nur mit der Mannschaft antreten. Der Geraer Robert Förstemann soll den Startplatz im klassischen Sprint einnehmen, der Cottbuser Levy im Keirin fahren.
Dagegen rechnet sich Kristina Vogel Starts in allen drei Sprint- Entscheidungen der Frauen aus. Allerdings muss sie noch eine Qualifikation mit ihrer Team-Partnerin Miriam Welte um den Startplatz im Sprint bestehen. „Cottbus hat am vergangenen Wochenende gezeigt, dass ich die beste deutsche Sprinterin bin“, betonte die in Kasachstan geborene Vogel. Mit Welte wurde sie in diesem Jahr in Weltrekordzeit auch Weltmeisterin. „Daran wollen wir in London anschließen“, kündigte sie zuversichtlich an.
Nicht denken will sie an einen kleinen Ermüdungsbruch im rechten Knie, den sie sich Ende April beim Volleyballspielen in der Landessportschule Bad Blankenburg zugezogen hatte. „Vier Wochen hat mich das echt behindert, konnte ich überhaupt keine Antritte fahren. Doch die Beschwerden werden Dank der guten Behandlung immer geringer. Ich hoffe, dass sie mich in London nicht beeinflussen“, sagte Vogel.
Mit großem Aufwand hat sie nämlich für ihre Schwester und ihren Lebens- und Trainingspartner Michael Seidenbecher Tickets im Velodrom für die fünf Tage organisiert, an denen sie im Einsatz sein möchte. „Keine ganz preiswerte Angelegenheit. 1500 Euro habe ich für die Karten bezahlt. Ich hoffe, das ist die Sache Wert“, meinte die WM-Dritte im Keirin. Für sie seien die beiden an der Bahn eine große Motivation. „Das ist schon etwas Besonderes, wenn ich weiß, dass zwei, die mir sehr nahestehen, ganz allein für mich die Daumen drücken.“