Laura Hebecker verteidigt gegen Nina Hartwich (v. l.). (FOTO: ANDREAS LÖFFLER)
Alle Mittel zu Anfeuerung hatten versagt und waren nun überflüssig. Die Plaste-Klatschhändchen, die ein Sponsor vorab verteilt hatte, lagen vereinzelt auf den Tribünen der Burghalle. Die hallesche Trommelgruppe hatte ihre Akkordarbeit eingestellt.
Sie hatte ja auch keinen Grund mehr, auf die Pauke zu hauen. 54:61 hatten die Basketballerinnen des SV Halle gegen den BC Wolfenbüttel verloren. Die Hoffnung auf Platz vier war dahin - eine aussichtsreiche Position in den Playoffs der Meisterschaft schien vergeben. Die Halle leerte sich. Derweil tanzten die Wolfenbütteler immer noch auf dem Parkett zum Krawall aus den Boxen und den Schlagwerken ihrer etwa 40 Fans. BC-Trainer Vlastibor Klimes ließ sich im Kreis seiner hüpfenden Spielerinnen zu putzig ungelenken und unrhythmischen Schritten hinreißen und warf dann im durchaus angebrachten Übermut sogar sein Jackett in die Luft. Martin Dornhoff beobachtete die Szene mit einem milden Lächeln. "Sie haben verdient gegen uns gewonnen. Da dürfen sie ruhig feiern", sagte Halles Trainer.
Wer ist der nächste Gegner?
Doch damit war der letzte Spieltag der Hauptrunde noch nicht ganz beendet. Suchende Augen bohrten sich in Laptops und die einschlägigen Internet-Portale. Denn die Schlüsselfragen waren immer noch nicht geklärt: Auf welchem Platz würden die Lions schließlich landen, wer ist der kommende Gegner in den Playoffs? Das erste Indiz kam wieder aus der Wolfenbütteler Ecke. "Spitzenreiter" stand auf dem Plakat, das die Fans in jenem Moment entrollten, als klar war, dass Freiburg verloren hatte. Ist das nun der kommende Gegner? Dornhoffs Assistent Florian Zetzsche und Lions-Geschäftsführer Ralf Gonschorek fingerten fieberhaft auf ihren Smartphones. "Ich brauche so etwas nicht. Wir sind Siebter", wusste Dornhoff nach ein wenig Kopfrechenarbeit. Doch als dann klar war, dass die Rhein-Main Baskets mit dem Sieg über Freiburg sogar noch auf Rang zwei vorgestoßen und nun Halles Viertelfinal-Gegner sind, ließ sich auch Dornhoff zu einem fröhlichen Gefühlsausbruch hinreißen: "Ja, das passt mir perfekt", sagte er und klatschte kurz einmal in die Hände. Die Geste verriet mindestens soviel Glück, wie der ganze Fetenzauber der Wolfenbütteler.
So war die Pleite des Tages vielleicht sogar die beste der ganzen Saison. Denn sie passte letztlich perfekt ins Konzept. Denn das Rhein-Main-Team gilt von den besten Vier als am ehesten bezwingbar. Beim kommenden Gegner in Langen hatten die Lions zwar 66:77 verloren, aber das Hinspiel in eigener Halle 85:69 gewonnen. In der Serie "Best of three" sind zwei Siege nötig.
Nur Tatham ist treffsicher
Doch soll der Halbfinal-Coup gelingen, muss die Last im Team der Lions ausgewogener verteilt werden. Allein Tamara Tatham zeigte sich am Samstag treffsicher. "Wir hätten absolutes Spitzenniveau erreichen müssen. Aber bei uns ist einfach zu viel daneben gegangen", haderte Dornhoff mit der großen Streuung bei den Würfen des restlichen Teams. Das machte den Unterschied aus - wie auch die starke Bank des Gegners. Bei Wolfenbüttel zeigte sich die große Klasse schon allein darin, dass alle zehn Spielerinnen punkteten. "Mein Kollege konnte wechseln, wie er wollte, einen Leistungsabfall gab es nicht", sagte Dornhoff.
So war es denn auch nicht verwunderlich, dass die Lions nach einem großartigen ersten Viertel (17:14) nach und nach den Faden verloren. Doch sie kämpften - selbst beim schier aussichtslosen 40:55-Rückstand sechs Minuten vor dem Ende. Julia Kohlmann verwandelte einen Drei-Punkte-Wurf zum 52:57 - 1:39 Minuten waren noch zu spielen. Doch die leise Hoffnung, die die Trommler antrieben, erfüllt sich nicht.
Tamara Tatham jedoch nahm die Pleite recht gelassen hin. "Wir hatten heute keinen guten Tag", sagte die Kanadierin. Doch das müsse ja nicht immer so bleiben: "Ich weiß: Wir sind in der Lage, jedes Team der Liga zu bezwingen", sagte die 26-Jährige. Sie hält also sogar den Titel für möglich.