Champion: Sendet Tamara Tatham mit ihrem Shirt eine Botschaft? (FOTO: LÖFFLER)
Geht noch mehr? Setzt sich die wundersame Reise der SV Halle Lions Richtung Finale der Basketball-Bundesliga fort? Die Damen probieren es. Flinke Angriffe in eine Zonen-Verteidigung stehen auf den Trainingsplan. Dort soll die Schwachstelle des nächsten Gegners liegen, dort bieten sich Lücken, hat Trainer Martin Dornhoff ausgemacht.
Tamara Tatham spielt dabei nicht nur mit. Sie organisiert ihre Mannschaft mit den roten Leibchen, gibt Spielzüge vor, korrigiert, wenn die nicht klappen. Nach der Einheit sitzt sie mit einem entspannten Gesicht auf der Bank in der Burghalle. "Ich denke, wir sind nicht chancenlos", sagt Tatham, der Star des SV-Teams, vor den Halbfinal-Duellen mit dem TSV Wasserburg.
Eine Saison lang war die Kanadierin vor zwei Jahren für den sechsmaligen Champion aktiv, trumpfte damals allerdings keineswegs so großartig auf, wie vorher und jetzt wieder im halleschen Trikot. Sie war in der Hochburg des deutschen Frauen-Basketballs eben nur eine unter vielen Stars. Trotzdem sagt sie: "Ich hatte eine schöne Zeit dort, schließlich bin ich da Meister geworden", sagt die viertbeste Punktesammlerin der Liga (432) vor dem Start ins Halbfinale am Sonntag. Allerdings: "Ich hätte großes Vergnügen daran, in Wasserburg zu gewinnen", meint sie, doch weil ihr das dann doch zu übermütig und etwas respektlos klingt, schränkt sie ein: "Wie ich solch ein Vergnügen an Siegen gegen jede Mannschaft habe."
Aber auch beim Gegner haben sie Respekt vor den frechen Lions. "Die SV-Mannschaft ist mit uns spielerisch auf Augenhöhe", meint TSV-Coach Hansi Brei. Und in der Punktspielrunde hat der SV 86:80 in Bayern gesiegt.
"Ach, damals haben sie uns einfach unterschätzt, das wird nicht wieder passieren", sagt Martin Dornhoff. Überhaupt sieht er in Wasserburg den großen Favoriten: "Die haben sechs Ausländerinnen, dazu zwei mit deutschem Pass, außerdem drei deutsche Ex-Nationalspielerinnen. Die sind alle groß, robust und vor allem routiniert." Und man solle sich von der durchwachsenen Saison (Sechster der Vorrunde) des Titelverteidigers ja nicht blenden lassen. "Die haben das Vorgeplänkel doch gar nicht ernst genommen. Die Truppe kann sich erst in den Playoffs motivieren, dann wenn es um etwas geht."
Und trotzdem hat er einen Plan, das Unmögliche scheinende, den Finaleinzug, irgendwie zustande zu bringen. "Wir werden mit jugendlichem Elan und einer guten Portion Aggressivität dagegenhalten", sagt Dornhoff. Dann wendet er sich seinen Damen zu. "Eine routinierte Mannschaft mag es nicht, viel zu laufen. Also müssen wir sie ins laufen bringen - bis es sie nervt", sagt er und: "Wir werden ihre Moral zerstören."
Und trotzdem: "Unsere Chancen auf ein Weiterkommen liegen bei nur 25 Prozent", so Dornhoff.