Basketball: Lions fühlen sich um Meisterchance betrogen

13.05.2012 13:57 Uhr | Aktualisiert 14.05.2012 23:44 Uhr
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Ashley Ellis Milan und Ieva Kulite

Fünftes Spiel um die Deutsche Meisterschaft: Wolfenbüttel gg SV Halle; Ashley Ellis Milan und Ieva Kulite. (FOTO: ANDREAS LÖFFLER)

Von CHRISTOPH KARPE
Die Halle Lions haben die Deutsche Basketballmeisterschaft verpasst. In letzter Sekunde unterlagen sie den Wolfenbüttel Wildcats mit 69:67.
WOLFENBÜTTEL/MZ. 

Wenn eine Sekunde über das Wohl und Wehe von fünf Basketball-Spielen entscheidet, dann hat der Sport seine grausamste Seite gezeigt. Oder seine freundlichste - je nach Perspektive. Völlig unabhängig vom Blickwinkel aber ist: Was sich am Sonntag in Wolfenbüttel im letzten Finalspiel um die deutsche Basketball-Meisterschaft der Frauen zwischen den Wolfenbüttel Wildcats und den Halle Lions abgespielt hat, war ein unglaubliches Herzschlagfinale mit unwürdigem Ende.

Drei Sekunden vor Schluss: Spielstand 67:67. Alles ist schon auf eine Verlängerung ausgerichtet, als Wolfenbüttels Natasha Harris aus großer Distanz zum Wurf ansetzt. Der Ball prallt vom Brett ab, direkt in die Hände von Tenaya Watson. Die verwandelt zum 69:67 für Wolfenbüttel.

Damit begann das unwürdige Nachspiel, denn die entscheidende Frage aber blieb unbeantwortet: Warf Watson vor oder nach Ablauf der Spielzeit? Halles Trainer Martin Dornhoff tobte: "Jeder hat gesehen, dass die Uhr abgelaufen war. Durch eine solche Entscheidung verlieren wir die Chance, uns für eine großartige Saison zu belohnen." Sein Kontrahent Vlastibor Klimes entgegnete nüchtern: "Das war noch reguläre Spielzeit."

Während Wolfenbüttels Spielerinnen schon feierten, legte der SV Halle Protest ein. Doch eine knappe halbe Stunde nach Spielende war der abgewiesen. Grund: Tatsachenentscheidung.

Ob diese richtig oder falsch war, ließ sich objektiv nicht mehr nachvollziehen. Fakt blieb: Der Korb war der Todesstoß für die Meisterträume der SV Halle Lions. Ein Todesstoß in der allerletzten Sekunde. Und der Endpunkt für eine Finalserie, die einen Sieger brauchte, aber keinen verdient hatte.

In Wolfenbüttel hatte sich 39 Minuten und 59 Sekunden lang das abgespielt, was die vier Partien zuvor bereits bewiesen hatten: Die beiden Teams agierten auf Augenhöhe, permanent wechselte die Führung. Wenn es am Ende Gründe für Halles Niederlage zu finden gab, dann lagen sie auf der Center-Position. US-Girl Ashley Ellis-Milan agierte sichtlich gehandicapt, nachdem sie sich im vierten Finale am Freitag die Schulter ausgekugelt hatte. Besonders heftig aber trafen die Lions die Entscheidungen gegen Superstar Tamara Tatham, die von den beiden Unparteiischen teils hanebüchene Fouls zuerkannt bekam. Knapp dreieinhalb Minuten vor Schluss musste die Kanadierin mit fünf Fouls raus. "Eine richtige Sauerei, wie Tatham rausgepfiffen wurde", so Dornhoff.

So blieb am Ende einer spannenden Finalserie auf Seiten des SV Halle nur Frust. "Es ist beschämend für den deutschen Basketball, dass eine Meisterschaft so entschieden wird", klagte Spielerin Nadja Prötzig. Und Kapitän Michaela Abelova fasste zusammen: "Lieber verliere ich ein Spiel mit 20 Punkten als so."