Basketball: Lions gleichen im Finale aus

01.05.2012 19:43 Uhr | Aktualisiert 02.05.2012 18:47 Uhr
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Die Lions Fans

Die Lions Fans gerieten in Begeisterung. (FOTO: ANDREAS LÖFFLER)

Von Christoph Karpe
Die Basketballerinnen der SV Halle Lions dürfen weiter vom Gewinn der Deutschen Meisterschaft träumen. Im 2. Finalspiel bezwangen sie die Wolfenbüttel Wildcats mit 93 : 84 und glichen in der Best-of-Five-Serie zum 1:1 aus.
Halle (Saale)/MZ. 

Ringsum herrschte fröhlich-überschäumendes Tohuwabohu. Alles stand Kopf. Nur Patrick Bär saß still auf seinem Klappstuhl auf dem Parkett des Tollhauses Burghalle. 500 Fans der Lions zelebrierten in einer Auszeit, die Wolfenbüttels Trainer Vlastibor Klimes aus seiner Sicht zwangsweise nehmen musste, die La-Ola-Welle. 80:64 stand es da für Halles Basketballerinnen im zweiten Finalspiel gegen die teilweise überforderten Wildcats - 6:41 Minuten vor dem Ende. Und Bär grinste breit wie genießerisch. Natürlich durfte er nicht euphorisch mitfeiern, schließlich war er nur als Kiebitz angereist. Aber am liebsten hätte er wohl in den ganzen frühzeitigen Jubel mit eingestimmt. Ab September, dann wenn er seinen Dienst beim SV Halle als Lions-Trainer antritt, dann darf er mehr Emotionen zeigen. Diesmal genoss er seine Ergriffenheit heimlich.

Als das Spiel beendet war, die Lions 93:84 gewonnen und in der „Best-of-five“-Serie um die Meisterschaft ausgeglichen hatten, gestand Patrick Bär vor der Kamera des MDR: „Ich hatte ein richtig mulmiges Gefühl im Bauch, denn ich habe Großartiges gesehen.“ Mulmig? Er meinte wohl freudig, aufgeregt, kribblig. Egal. Sein künftiges Team hatte ihn einfach fasziniert. Er weiß: Er wird eine toll funktionierende, junge Mannschaft übernehmen - vielleicht sogar ein Meisterteam.

Dieses Wissen eint ihn mit dem jetzigen Cheftrainer Martin Dornhoff - und am Dienstagabend teilten beide die Euphorie. Dornhoff sprach von einem Rausch. „Besser können wir es nicht. Es war fantastisch“, sagte er völlig losgelöst zu dem großartigen Beginn, dem besten ersten Viertel, das die Löwinnen je gespielt haben.

Und ausgerechnet der Pechvogel der 54:61-Pleite am vergangenen Sonnabend in Wolfenbüttel, Julia Kohlmann, stiftete den Rausch an. Hatte sie bei der Erstauflage noch jeden Distanz-Wurf versemmelt, traf diesmal gleich ihr erster Dreier. „Da ist mir ein riesiger Stein vom Herzen gefallen“, gestand sie später mit einem fröhlichen Lächeln. Die mentale Aufbauarbeit von Trainer und Teamkolleginnen hatte gewirkt. Am Samstag hatte sie noch bitterlich geweint.

Und so eröffnet wurde die Partie das „komplette Gegenstück“ zur ersten, wie Kapitänin Michaela Abelova fand. Die Dreier rauschten wie von Geisterhand abgefeuert durchs Netz. Acht von 14 Versuchen saßen, drei von 19 waren es im Hinspiel. Auch Nadja Prötzig, obwohl gehandicapt von einem Bänderriss, ließ sich mitreißen. „Meinen Fuß habe ich gar nicht gespürt. Es lief perfekt“, sagte sie. Ihr erster von zwei Drei-Punkte-Treffern führte zum 17:11 (8. Minute). In den zweieinhalb Minuten bis zum Ende des Viertels zogen die Lions auf 29:16 davon. Drei Minuten später, Laura Hebecker hatte getroffen, betrug der Vorsprung 22 Zähler (40:18). Ein Dreier von Abelova vor den Augen ihrer Eltern brachte das 49:32 zur Halbzeit.

Wolfenbüttel wehrte sich wütend. Die Lions konterten. Etwa durch Kohlmann zum 65:42. Mit 75:61 ging es in die letzten zehn Minuten. Hier zeigte dann Tamara Tatham ihre einzigartige Klasse, punktete in Serie und holte einen Rebound nach dem anderen. Dass Wolfenbüttel den Rückstand in der stickigen, sauerstoffarmen Halle verkürzen konnte, war der Tribut der Lions an ihr Tempo.

Und nun? Was ist möglich? „Wenn wir so eine Leistung einmal in Wolfenbüttel wiederholen können - der Titel“, meinte Abelova. Dornhoff freute sich zunächst einmal darüber, dass „wir jetzt ein zweites Heimspiel haben“. Das steigt am Freitag, den 11. Mai, 19 Uhr, in der Burghalle. Vielleicht wird es sogar, wenn am Samstag ein Auswärtserfolg gelingt, die Meisterparty. Der Traum bekam am Dienstag ein wenig reale Kontur.

Das dritte Spiel steht nun am Sonnabend, 17 Uhr, in der Lindenhalle von Wolfenbüttel an.