Mit Sektduschen feiern die Basketballer des Mitteldeutschen BC den Aufstieg in die Bundesliga. (FOTO: BADAL)
Ein Profi ist auf jede Situation vorbereitet. Also hatte Silvano Poropat vorgesorgt und Wechsel-Kleidung eingepackt. Es war ein weiser Entschluss. Eine Riesen-Ladung Sekt hatte sich über dem Trainer des Mitteldeutschen Basketball Clubs (MBC) ergossen. Und weil im Moment des großen Triumphs natürlich nur der große Jubel zählt, hatte sein Spieler Sascha Leutloff gleich einmal die Magnum-Flasche über seinem Coach verschüttet. Der stand reichlich begossen da - und konnte es trotzdem genießen. "Ich war total nass", erzählte Poropat. "Und vor allem habe ich unglaublich gestunken."
Es waren Jubelszenen, wie man sie kennt. Kurz zuvor an diesem Samstagabend hatten die Gäste aus Weißenfels das vierte Playoff-Halbfinale bei den Crailsheim Merlins mit 84:75 gewonnen und damit die Rückkehr in die Basketball-Bundesliga perfekt gemacht. Ein Triumph mit durchaus historischer Note. "Es ist das erste Mal, dass ein Team den direkten Wiederaufstieg in die BBL geschafft hat", jubelte Manager Martin Geissler.
Die Party von Crailsheim ist verbrieft. Dass zeitgleich in Köln in der Zentrale der Basketball-Bundesliga (BBL) ebenfalls die Sektkorken geknallt haben, ist dagegen nicht mehr als ein Gerücht. Dabei ist die ganze Eliteliga am Samstagabend womöglich einem großen Problem entkommen. Denn zeitgleich mit dem Aufstieg des MBC haben sich die Gießen 46ers - pikanterweise mit dem letztjährigen Weißenfelser Trainer Björn Harmsen - als zweiter Absteiger rein sportlich aus der Liga verabschiedet. Und das ist für die BBL auf kuriose Weise ein Glücksfall, denn der Liga drohte ein Szenario, keinen seiner zwei Absteiger kompensieren zu können, nicht einmal durch eine Wildcard, also einen für 150 000 Euro verkauften Platz.
Hintergrund: Von den vier Halbfinalisten der zweiten Liga hatte nur der MBC überhaupt eine Lizenz für die erste Liga erhalten. Wären die Weißenfelser in den Playoffs ausgeschieden, hätte es keinen Aufsteiger gegeben. Umgekehrt gilt es in der Szene als offenes Geheimnis, dass kein Erstliga-Team außer Gießen im Fall eines Abstiegs tatsächlich eine Wildcard beantragt hätte.
Es hat sich also alles gerichtet. Statt zweier vakanter Plätze dürfte es nun wohl beim Alten, bei 18 Erstliga-Vereinen bleiben. In Gießen jedenfalls geht man mit dem Thema Wildcard offensiv um. Geschäftsführer Heiko Schellberg sagte: "Das Thema ist für uns sehr, sehr interessant. Wir werden uns nächste Woche mit den Gesellschaftern zusammensetzen." Trainer Björn Harmsen meinte: "Dass in Gießen die Strukturen und das Umfeld stimmen, ist, denke ich, unstrittig."
Tatsächlich ist Gießen für die Basketball-Bundesliga das, was der Hamburger SV für die Fußballer ist: der Dino, der seit 42 Jahren ununterbrochen erstklassig ist. Das wissen auch die Handelnden der BBL. Liga-Chef Jan Pommer bezeichnete Gießen am Samstag als "sehr geschätzten Verein". Zwar hat die Liga keinen Zwang, weiter mit 18 Mannschaften an den Start zu gehen, doch ließ er durchblicken, dass die Tendenz sehr wohl in diese Richtung geht. "Ob wir eine Wildcard zugestehen, wird sich erst im Folgenden ergeben. Es gibt nicht mehr viel zu erledigen, nur noch den Entschluss, es zu tun", so Pommer und fügte hinzu: "Wir wissen, dass Gießen ein starkes Interesse hat."
Die Verantwortlichen in Weißenfels können solche Gedankenspiele beruhigt verfolgen. Die Not, den Erstliga-Platz zu erkaufen, hat die Mannschaft aus der Welt geschafft. Zum Dank dafür gab Silvano Poropat seinen Spielern bis Mittwoch frei. "Wir schauen aber mal, ob wir uns vielleicht auch schon am Dienstag treffen. Vielleicht gehen wir miteinander essen und feiern noch einmal ein bisschen miteinander. Danach bereiten wir uns auf Kirchheim vor."
Es ist im Aufstiegstrubel tatsächlich eine fast vergessene Randnotiz: Die Saison ist für den MBC nämlich noch nicht vorbei. Das Team bestreitet nun gegen die Kirchheim Knights ein Finale um die Zweitliga-Meisterschaft.