Behindertensport: Auf dem besten Weg zum London-Ticket

13.06.2012 21:51 Uhr | Aktualisiert 13.06.2012 22:11 Uhr
Drucken per Mail
Tino Kolitscher

Der Ruderer Tino Kolitscher. (FOTO: LÖFFLER)

Von GOTTFRIED SCHALOW
Tino Kolitscher hat gute Chancen, bei den Paralympics in London an den Start zu gehen. "Manchmal", sagt er, "kommt mir das alles selbst wie ein Traum vor, was da in so kurzer Zeit passiert ist."
Halle (Saale)/MZ. 

Tino Kolitscher rudert erst seit anderthalb Jahren. 37 ist er inzwischen alt. Alles in allem keine wirklich guten Voraussetzungen, um als Leistungssportler durchzustarten. Doch Kolitscher hat tatsächlich gute Chancen, bei den Paralympics in London an den Start zu gehen. "Manchmal", sagt er, "kommt mir das alles selbst wie ein Traum vor, was da in so kurzer Zeit passiert ist."

Prominente Lehrmeister

Mit Carl Ertel und Ulf Sauerbrey, Halles Weltmeistern aus den 80er Jahren, hatte er hervorragende Lehrmeister. Und dazu Sandra Germain, die er liebevoll seine "Co-Co-Trainerin" nennt. Die ehemalige Speerwerferin und Bob-Anschieberin hat Tino Kolitscher vor allem im konditionellen Bereich fit gemacht. Die Zeiten auf dem Ergometer waren es dann, die den sehbehinderten Ruderer mit stetig steigenden Leistungen in den Bereich der deutschen Nationalmannschaft im Handicap-Rudern brachten.

Qualifiziert für die Paralympics in London ist das deutsche Boot längst. Beim Weltcup am Wochenende in München ist lediglich noch die Besetzung des gesteuerten Vierers zu klären. Und da ist der Quer- und Späteinsteiger aus Halle inzwischen erste Wahl. Mit Kai-Kristian Kruse, Astrid Hengsbach, Anke Molkenthin und Steuerfrau Kathrin Splitt blieb er vor drei Wochen bei einem Testrennen im italienischen Varese nur um drei Sekunden unter der alten Westbestzeit. Da waren nur die favorisierten Briten noch ein Stück schneller. "Eine Winzigkeit nur", wie Tino Kolitscher sagt.

Nominierung im Juli

Besteht das Quartett auch in München, steht der Nominierung für die Paralympics rein theoretisch nichts mehr im Wege. "Allerdings dauert es bis zur endgültigen Bekanntgabe des Kaders noch mal eine Ewigkeit. Die soll erst am 21. Juli folgen", sagt Kolitscher. Danach würde es direkt für gut sechs Wochen ins Trainingslager nach Ratzeburg gehen. Bis zum Beginn der Paralympics Anfang September in London.