Bob: «Das war wie Schluss machen»

06.06.2012 20:57 Uhr | Aktualisiert 06.06.2012 22:26 Uhr
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Andreas Bredau und Manuel Machata

Andreas Bredau (rechts) und Manuel Machata waren ein Herz und eine Seele. (FOTO: DPA)

Von Petra Szag
Anschieber Andreas Bredau erklärt, warum er Pilot Manuel Machata verlassen hat und zu Thomas Florschütz gewechselt ist. Er sieht größere Titelchancen.
Halle (Saale)/MZ. 

Gedankenversunken sitzt Andreas Bredau vor der Werferhalle in den Brandbergen auf einer Bank. Zwei Stunden Krafttraining stecken dem muskelbepackten Hünen in den Gliedern. Ganz allein hat sich der Hallenser gequält. Ohne Trainer, ohne Mitstreiter. Das ist so üblich unter Bobfahrern in den Sommermonaten.

Und doch ist etwas anders als in den letzten Jahren. Andreas Bredau nämlich hat sich neu orientiert. Ab sofort wird der 28-Jährige nicht mehr Ex-Weltmeister Manuel Machata anschieben, sondern Europameister Thomas Florschütz. Denn seine sportlichen Perspektiven schätzt er bei dem Riesaer Bobpiloten ganz einfach besser ein.

Die Trennung von seiner alten Crew ist Bredau sehr schwer gefallen. Schließlich haben sie drei Jahre lang zusammengearbeitet. "Manuel Machata hat an mich geglaubt, obwohl ich zwei Jahre lang wegen einer Rückenverletzung ausgefallen war", erinnert sich der frühere Diskuswerfer an seine Anfangszeit. Die Chance, die ihm sein früherer Pilot gegeben hatte, vermochte Bredau zu nutzen. 2010 / 11 schwangen sie sich sogar zur Nummer eins weltweit auf. So etwas schweißt zusammen. Doch die sportliche Zukunft wiegt schwerer.

Auch wenn Bredau unglaublich stark ist und sehr selbstbewusst: "Es hat mich ungeheure Überwindung gekostet, es Manuel zu sagen", gibt Bredau zu. "Das ist so, wie wenn man mit seiner Freundin Schluss macht." Er habe es sich nicht leicht gemacht, sagt er, mit Freunden darüber geredet und der Familie, vier Wochen lang das Für und Wider abgewogen. Mit dem Ergebnis: "Ich glaube, dass meine Chancen mit Florschütz besser sind." Schon bei der WM im nächsten Winter will er mit seinem neuen Piloten aufs oberste Treppchen rasen. Und das Jahr darauf dann bei Olympia in Sotschi auch.

Im vergangenen Winter war für Bredau, der Machata im Zweier und Vierer anschob, nicht alles optimal gelaufen. Für einen, der schon einmal Weltmeister war, ist WM-Bronze im Vierer zu wenig. Dabei hatte Bredau vorab schon geahnt, dass es eine schwierige Saison werden würde. Denn Machata hatte nach dem totalen Triumph das Jahr zuvor sein Sommertraining aufgrund von PR- und Sponsorenterminen reduziert. Nicht ohne Folgen - wie die Ergebnislisten zeigten.

Zwei Wochen nach der WM in Lake Placid kam per Mail das Angebot von Florschütz. "Er hat wohl meine Entwicklung verfolgt, auch registriert, dass ich verletzungsfrei geblieben bin und immer zu meiner Mannschaft gehalten habe", sagt Andreas Bredau. Florschütz traut er den ganz großen Wurf zu. Und mit Kevin Kuske hat der Ausnahmepilot sowieso schon den weltbesten Anschieber in seinem Team. "Die beiden haben bewiesen, dass sie mit der Weltspitze mithalten können. Wenn ich noch dazukomme, dann muss unser vierter Mann einfach nur noch schnell sein", rechnet Bredau vor. Motivation sei genug da. "Florschütz hat noch keinen WM-Titel und ist wild darauf. Kuske ist sowieso immer ganz heiß", sieht Bredau alle Voraussetzungen für Erfolge gegeben.

Dass ihm nur ein Platz im Vierer bleibt, weil der Zweier durch Kuske als Anschieber schon besetzt ist, nimmt er dafür in Kauf. Ihre erste Bewährungsprobe in der neuen Zusammensetzung wird es im Oktober geben. Bei den zwei Selektionen in Winterberg und Altenberg entscheidet sich, welche drei Schlitten die deutschen Farben beim Weltcup vertreten werden. Vier, fünf Teams haben das Zeug dazu. Das von Florschütz natürlich. Und das von Machata auch.