Beim Weltliga-Duell der besten deutschen Amateure mit den Peking Dragons im Maritim wurde ein Spektakel geboten wie sonst nur bei den Profis. (FOTO: ARCHIV)
Die Zeiten sind noch nicht fern, da passten Amateure und Profis so wenig zueinander wie Feuer und Wasser. Man erinnere sich nur an die vergeblichen Versuche, Teofilo Stevenson und Muhammad Ali, die größten Boxer ihrer Zeit, zu einem Kampf gegeneinander zu bewegen. Die Zeiten haben sich geändert. Inzwischen gibt es Überlegungen, Profis schon 2016 zu den Olympischen Spielen zuzulassen, Amateure kämpfen dann und wann auch schon mal mit freiem Oberkörper. Halles fachkundiges Publikum hat das im Winter beim Gastspiel der Box-Weltliga (WSB) am Ende begeistert miterleben können.
Das war eine klare Absage an das reine Amateurboxen und eine Steilvorlage auch für den hallesche Box-Profi Timo Hoffmann, der in dieser Woche mit der These provoziert hatte, dass das reine Amateurboxen, wie es in den Sporthallen organisiert wird, keinen mehr umhaue.
Wer nun geglaubt hat, die Amateure würden dem 37-jährigen Box-Rentner den Kopf waschen, irrt gewaltig. Sie haben längst ihr Vermarktungsproblem erkannt und suchen nach Wegen, den Sport attraktiver zu gestalten.
Die Welt-Liga ist ein vielversprechender Anfang. Im Maritim-Hotel in Halle kämpften Amateure anders als im Liga-Betrieb ohne Kopfschutz und mit freiem Oberkörper. Hinzu kamen aufpeppende Show-Elemente wie das Einlaufen der Sportler mit Musikbegleitung, Nummerngirls oder Nebelmaschinen. Allesamt Maßnahmen, die den Amateurboxsport optisch an den Profibetrieb angleichen sollten. Zum Schluss war das Hotel ausverkauft.
Timo Hoffmann rechnet für sein Event im September gegen Steffen Kretschmann mit mehr als 2 000 Zuschauern. Das kann er auch, denn "der Mann hat einen Namen, der hat zwölf Runden lang gegen Klitschko durchgehalten", gibt der hallesche Amateurboxer Kevin Künzel zu. Typen wie Hoffmann und Kretschmann, die zu Zuschauermagneten taugen, fehlen.
"Es ist kein Geheimnis, dass es aktuell nicht gut läuft im Amateurboxen in Sachsen-Anhalt, aber wir halten uns über Wasser und saufen nicht ab", sagt der 23 Jahre alte Künzel, der zur Zeit erfolgreichste Amateur in Halle, der knapp die Olympia-Qualifikation für London verpasst hatte und im Winter auch erste Erfahrungen mit der Welt-Liga machte. Er weiß aber nur zu gut: "Wir sind nicht mehr auf dem Stand von vor vielen Jahren, als wir mit Normen Schuster und Steven Küchler noch Olympiateilnehmer hatten." Auch Peter Börner, der Präsident vom LandesAmateur-Boxverband gesteht ein, "dass wir uns in einer schwierigen Situation befinden. Das sieht man an den Ergebnissen bei Welt- und Europameisterschaften und bei den Olympischen Spielen. Es kommt ja nicht von ungefähr, dass nur vier deutsche Boxer nach London fahren", sagt Börner. Eine vernünftige Amateurausbildung ist jedoch Voraussetzung für eine spätere erfolgreiche Profi-Karriere. Deshalb plant der Amateur-Weltverband Aiba auch grundlegende Änderungen.
"Ich denke, dass das Amateurboxen nach Olympia neu ausgerichtet wird und davon auch der Kopfschutz betroffen sein wird", glaubt Börner. Auch Künzel erhofft sich mit den angestrebten Änderungen einen neuen Auftrieb: "Da wird zum Beispiel ein Profiverband unter der Aiba geplant. Das sind alles Sachen, mit denen es noch richtig nach vorne gehen kann in den nächsten Jahren."
Bis dahin können sich Boxbegeisterte in Halle-Neustadt beim Open-Air-Kampf Timo Hoffmann gegen Steffen Kretschmann ansehen, was der Boxprofi unter einem Event versteht. Auch Verbandspräsident Börner ist optimistisch, dass es eine gute Show wird, wenn auch "von nicht mehr allzu hohem sportlichen Wert". Timo Hoffmann könne mit 37 Jahren schließlich keine Höchstleistungen mehr bringen.