Boxen: Der Wunderheilerin sei dank

15.08.2012 23:21 Uhr | Aktualisiert 15.08.2012 23:35 Uhr
Profi-Boxer Robert Woge. (ARCHIVFOTO: ANDREAS LÖFFLER) 
Von Petra Szag
Der hallesche Halbschwergewichtsprofi Robert Woge hat sich wegen einer hartnäckigen Erkrankung auf ungewöhnliche Weise helfen lassen.
Drucken per Mail
Halle (Saale)/MZ. 

Wunder, so sagt man, dauern etwas länger. Bei Robert Woge ging es plötzlich ganz schnell. Eine Wunderheilerin hat Halles Profiboxer bei seiner Genesung geholfen.

"Eigentlich glaube ich ja nicht an den Quatsch", sagt der 28-Jährige. Für ihn war so etwas bisher nur Hokuspokus. Doch er hat seine Meinung revidiert. "Was soll ich sagen, jetzt fühle ich mich wieder richtig gut. Der Zweck heiligt die Mittel."

Seit Woge der besagten alten Dame in ihrer Wohnung in Lübeck vor drei Wochen einen Besuch abgestattet hat, ist seine Gürtelrose weg. Fast acht Monate hatte diese ihm immer wieder zu schaffen gemacht. Die Nervenschmerzen samt Pusteln im Rücken kamen und gingen. Die vom Arzt verordneten Pillen und Salben brachten zwar zwischendurch Linderung, schafften das Problem aber eben nicht für immer aus der Welt.

"Ich hatte drei Kämpfe ziemlich kurz hintereinander, das war eine ganz schöne Belastung für meinen Körper", mutmaßt Woge über den Auslöser der hartnäckigen Krankheit. Dennoch sei der Dauerstress zu dem Zweitpunkt nötig gewesen. Schließlich ging es für ihn auch um einen Vertrag beim Boxstall Sauerland, bei dem er schon längere Zeit trainierte. Woge: "Wenn man ganz nach oben will, muss man solche Belastungen auf sich nehmen." Innerhalb von zehn Wochen hatte er erst den Italiener Roberto Cocco, dann den Engländer Carl Dilks und schließlich auch noch Ferenc Hafner aus Ungarn ausgeknockt.

Nach seinem letzten spektakulären Sieg Anfang Mai in Erfurt stellten sich jedoch die gesundheitlichen Probleme wieder ein, die er hoffte, längst ausgestanden zu haben. Erst schwoll die Schlaghand an. Und nachdem sich die angebrochene Rechte erholt hatte, war auch die Gürtelrose wieder da.

Ulli Wegner stellt Kontakt her

Den entscheidenden Tipp samt Adresse in Lübeck hatte Woge schließlich von seinem Trainer bekommen. "Ulli Wegner kennt die schlimme Krankheit. Und er hatte von dieser Wunderheilerin gehört und dass sie schon vielen geholfen hat. Also wollte ich nichts unversucht lassen", erzählt Woge. In drei Sitzungen sprach er mit ihr über seine Probleme und ließ sie sogar ihre Hand auflegen. "Ein paar Tage später habe ich mich tatsächlich besser gefühlt", sagt Woge.

Ob es nun der ungewöhnliche seelische Beistand war oder aber die Zeit, die Wunden geheilt hat, ist Woge egal. Das Einzige, was zählt, ist wieder obenauf zu sein. Am Montag fuhr der Halbschwergewichtler zu seiner Trainingsgruppe in die Sportschule nach Kienbaum. Dort bereitet Wegner gerade seinen Meisterschüler Arthur Abraham auf den WM-Kampf am 25. August in Berlin gegen den Magdeburger Robert Stieglitz vor. Ursprünglich sollte auch Woge im WM-Vorprogramm zum Einsatz kommen. Doch sein zehnter Profikampf muss nun noch ein wenig warten. Denn der Halbschwergewichtler fängt gerade erst wieder mit dem so genannten Grundlagentraining an. Gestern Vormittag hieß das Krafttraining in der "Folterkammer", und am Nachmittag musste er zwölf Mal drei Minuten den Sandsack malträtieren. Am Abend dann ging es in die Kältekammer: drei, vier Minuten Ausharren bei -114,5 Grad. Woge findet's gut. "Ich mag den Kälteschock. Danach fühlst du dich richtig frisch."

Rückkehr in den Ring im Oktober

Dass sein Trainer Ulli Wegner wie auch Promoter Wilfried Sauerland ihm die Zeit geben zum Auskurieren, hat Woge mit Erleichterung registriert. Zumal er nunmehr auch offiziell auf der Homepage des Sauerlandstalls als dessen Boxer geführt wird. Trainiert hat der frühere vierfache deutsche Amateurmeister ja schon seit mehreren Monaten bei dem alten Haudegen Wegner in Berlin. Über die Vertragsmodalitäten wollte Woge nichts sagen. "Wir sind uns einig geworden. Wie es ist, so funktioniert es ganz gut", sagt der Vater zweier kleiner Töchter. Und: "Solange ich gut boxe, wird sich daran auch nichts ändern."

Gut boxen will er spätestens wieder im Oktober. Der Wunderheilerin sei dank.