Boxen: Hallenser Kretschmann erntet höchstes Lob

03.07.2012 22:27 Uhr | Aktualisiert 03.07.2012 22:50 Uhr
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Sparringspartner

Steffen Kretschmann (links) war Sparringspartner von Champion Wladimir Klitschko. (FOTO: PRIVAT)

Von Petra Szag
Wladimir Klitschko arbeitete in der WM-Vorbereitung mit dem Hallenser Steffen Kretschmann zusammen. Der will sich nun mit Timo Hoffmann duellieren.
Halle (Saale)/MZ. 

Manchmal wiegen Worte schwerer als Medaillen oder Pokale. Und ein anerkennendes Schulterklopfen kann einem das Blut genauso heftig in den Kopf schießen lassen wie eine Siegerehrung. Das weiß Steffen Kretschmann seit seinem jüngsten Arbeitseinsatz im österreichischen Going. Drei Wochen lang hat er dort dem derzeit weltbesten Schwergewichtsboxer bei dessen Vorbereitung auf die Titelverteidigung geholfen. Denn der Hallenser war einer der Sparringspartner von Wladimir Klitschko. "Du machst gute Arbeit", hat der WBA-Super-, IBF- und WBO-Champion zu ihm gesagt. Gute Arbeit, aber Kretschmann weiß nun auch, dass es noch besser geht.

Klitschko, der seine Titel am Samstag in Bern gegen den US-Amerikaner Tony Thompson verteidigen will, boxt in einer anderen Liga. "Er ist zurecht der Champion", sagt Kretschmann und weiß nun aus eigener Erfahrung, warum. "Klitschko ist in der Defensivarbeit unglaublich stark, er lässt sich einfach kaum treffen." Und er schlägt "sehr, sehr hart." Dazu komme eine bemerkenswerte Kondition. An vier Tagen der Woche habe Klitschko Sparring gemacht. "Er ging über zwölf Runden, wir Sparringspartner haben uns alle zwei, drei Runden abgewechselt."

Bisher hat Kretschmann gedacht, er trainiere viel und gut. Jetzt weiß er: Es geht noch mehr. Mit mehreren statt einem Partner z. B. wird die Sparringsphase viel intensiver.

Auch bei den Umfängen ist Klitschko Kretschmann voraus. Früh um 8 Uhr ging es bei ihm im Camp schon los. Das Sparring am Abend war der Abschluss. Kretschmann trainiert ein, manchmal auch zweimal am Tag. Vor großen Kämpfen auch am Wochenende. Um ganz nach oben zu kommen, reicht das aber offenbar nicht aus. Kretschmann selbstkritisch: "Man kann immer noch eine Schippe draufpacken."

Was Klitschko noch auszeichnete, war seine hohe Konzentration. Beim Solotraining war der Weltmeister nicht ansprechbar. Ein Zustand, den sich wohl auch Kretschmann wünscht. Das eingespielte Profiteam, das Klitschko den Rücken freihält, ist aber nunmal nicht für jeden erschwinglich.

Den Boxstar so hautnah zu erleben, war für ihn eine wichtige Erfahrung, "das alles motiviert mich nur noch mehr", so der 32-Jährige.

Zu dem ausgefallenen Job ist er auf Vermittlung seines Trainer Hans-Jürgen Witte gekommen. Dieser hat ihn Klitschko als Sparringspartner angeboten. "Thompson und ich ähneln uns vom Stil, wir sind gleich groß und vor allem sind wir beide Rechtsausleger", nennt Kretschmann drei Gründe, warum er letztlich den Zuschlag bekam. Rechtsausleger, also Boxer, die rechts führen und deren Linke die Schlaghand ist, gibt es nicht sehr viele. Von denen, die da waren, machten nicht alle ihre Sache so gut wie der Deutsche. "Ein Amerikaner, ein Finne und ein Kanadier sind vorzeitig nach Hause geschickt worden", plaudert Kretschmann aus dem Nähkästchen.

Seit Sonntag nun ist er zurück. Der Trainingsalltag hat ihn wieder eingeholt. "Ich fühle mich richtig gut. Schade nur, dass der Kampf gegen Timo Hoffmann erst im September ist", sagt Kretschmann.

Halles zweite Schwergewichtsgröße nämlich ist dabei, das Duell der beiden zu arrangieren. Der Schlagabtausch soll am 14. September unter freiem Himmel am Neustädter Bruchsee erfolgen. "Timo Hoffmann ist kein Unbekannter. Der Kampf könnte für mich zum Sprungbrett werden", sagt Kretschmann, der nach seiner Aufgabe im März 2010 gegen Denis Baktov und einer längeren Wettkampfpause an seinem Comeback arbeitet.

Laut Hoffmann hat Eurosport Interesse, den Kampf zu übertragen. Also eine gute Gelegenheit für Kretschmann, sich wieder für mehr als große Sparringskämpfe ins Gespräch zu bringen.