Boxen: Im nächsten Kampf um alles oder nichts

06.05.2012 21:59 Uhr | Aktualisiert 06.05.2012 22:11 Uhr
Drucken per Mail
Robert Stieglitz (r.) dominiert den Kampf

Robert Stieglitz (rechts) dominiert den Kampf gegen Nader Hamdan. FOTO: DAPD

Von Petra Szag
Der Schlagabtausch des Supermittelgewichtlers Robert Stieglitz mit dem australischen Herausforderer Nader Hamdan am Samstag in der Erfurter Messehallemit endete mit einem klaren Punktsieg für den Deutschen.
Halle (Saale)/MZ. 

Der Morgen danach hat etwas von einer entspannten Urlaubsatmosphäre. Bis 9 Uhr schläft Robert Stieglitz in seinem Zimmer des Erfurter Hotels wie ein Murmeltier. Danach gönnt er sich beim Frühstück ein Ei, Honigbrötchen und Kaffee und setzt sich schließlich ans Steuer seines BMW, um in aller Seelenruhe Freundin Tatjana Richtung Magdeburg nach Hause zu chauffieren. "Ich brauche keinen Fahrer", sagte der Profiboxweltmeister. "Ich habe ja auch keine Blessuren. Weder blaue Flecke noch irgendwelche anderen Wehwehchen. Nur ein paar kleine Schrammen im Gesicht."

Diese sind - ausgenommen vom WM-Gürtel im Kofferraum - das einzige Zeugnis vom Arbeitseinsatz des Supermittelgewichtlers am Samstag in der Erfurter Messehalle. Der Schlagabtausch mit seinem australischen Herausforderer Nader Hamdan endete mit einem klaren Punktsieg für Stieglitz.

Solide war sein Ringauftritt, wenn auch ohne spektakuläre Szenen. Das Manko hat Stieglitz selbst erkannt. "So richtig reingefunden habe ich nicht in den Kampf. Das ewige Hin und Her im Vorfeld mit den Gegnerwechseln ist eben doch nicht spurlos an mir vorüber gegangen", erklärte der Magdeburger selbstkritisch und spielte damit auf die Absagen des Dänen Mikkel Kessler und des Briten George Groves an. Ausreißer nach oben sind also noch drin. Und sicher auch erforderlich, wenn Stieglitz den Titel behalten will. Denn sein nächster Gegner ist ein anderes Kaliber. Arthur Abraham, der Ex-Champion im Mittelgewicht, lechzt förmlich nach einer erneuten WM-Chance. Am 25. August darf der Sauerland-Boxer die Nummer eins aus dem Magdeburger SES-Boxstall herausfordern. Das Recht dafür hatte sich der Berliner mit seinem Punktsieg vor fünf Wochen über den Polen Piotr Wilczewski gesichert.

Am Ring in Erfurt ausfindig machen konnte Stieglitz seinen nächsten Herausforderer allerdings nicht. "Ich weiß nicht, ob Abraham mich nicht ernst nimmt. Ich weiß nur, ich hätte es anders gemacht", sagte der 31-Jährige verwundert. Zumal der Kampfabend von Abrahams Promoter Wilfried Sauerland ausgerichtet wurde und dessen Starboxer Marco Huck in Erfurt bei seinem Remis gegen den Briten Ola Afolabi den Hauptkampf bestritt. Bei seiner nächsten Titelvereidigung, seiner siebten, wird Stieglitz zusammen mit Abraham die ungeteilte Aufmerksamkeit gehören. Sicher in erster Linie, weil der Name Abraham noch immer gewaltig zieht. Doch bei einer Niederlage gegen den Magdeburger würde er wohl endgültig seinen Zauber verlieren und damit auch das Interesse seines bisherigen Haus- und Hofsenders ARD.

Auch Stieglitz pendelt zwischen Himmel und Hölle: Mit einem Sieg könnte er seine Rolle als Zweitbesetzung bei TV-Kämpfen ablegen. Verliert er jedoch, versinkt Stieglitz in der Bedeutungslosigkeit. Damit das Horror-Szenario ihn nicht ereilt, "muss ich richtig fit werden", sagt Stieglitz und hat sich auch Gedanken über seine Strategie gemacht. "Einen wie Abraham muss ich zwölf Runden lang beschäftigen." Deshalb nimmt er sich nur eine Woche frei, um Verwandte in St. Petersburg oder in der Schweiz zu besuchen. Dann stürzt sich Stieglitz wieder in die Vorbereitung seines nächsten Kampfes, in dem es für ihn um alles oder nichts geht.