Boxen: Randnotiz im Klitschko-Universum

04.03.2012 09:15 Uhr | Aktualisiert 21.03.2012 17:38 Uhr
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Boxen

Wladimir Klitschko (r) prügelt den wehrlosen Jean-Marc Mormeck in der vierten Runde zu Boden. (FOTO: DPA)

Von SUSANNE ROHLFING
Wladimir Klitschko bleibt Boxweltmeister der Verbände WBO, IBF und WBA. Der 35 Jahre alte Ukrainer bezwang Samstagnacht in Düsseldorf den Franzosen Jean-Marc Mormeck durch K.o. in der vierten Runde.
DÜSSELDORF/MZ. 

Das Versprechen, das Wladimir Klitschko vor dem Kampf gegen Jean-Marc Mormeck gab und das RTL in seiner Inszenierung genüsslich zelebrierte, war Hinweis genug darauf, dass es am Samstag im Düsseldorfer Fußballstadion nicht um Sport gehen würde. Wladimir Klitschko, der Vorsichtige, der sonst vor jedem Kampf gegen jeden Gegner sagt, im Schwergewicht könne alles passieren, mit jedem Schlag könne alles vorbei sein, auch für ihn selbst, gibt ein solches Versprechen nicht einfach so. Die Harmlosigkeit des französischen Herausforderers musste schon eklatant sein.

Die Massen sahen trotzdem zu. 50 000 Zuschauer im Stadion und 12,71 Millionen an den Fernsehbildschirmen bekamen einen Jean-Marck Mormeck präsentiert, der nicht nur harmlos, sondern geradezu hilflos, ideenlos, völlig überfordert war. Zehn Minuten und zwölf Sekunden dauerte das unwürdige Spektakel, dann löste Klitschko sein Versprechen mit einer trockenen Links-Rechts-Links-Kombination ein. In der vierten Runde seines 60. Profikampfes feierte der 35 Jährige seinen 50. Knockout. In Zehn Minuten und zwölf Sekunden war Jean-Marc Mormeck vom Herausforderer eines Schwergewichts-Weltmeisters auf das zusammengestutzt worden, was er tatsächlich ist: Eine Randnotiz im Klitschko-Universum, ein winziges Rädchen in der gut geölten Vermarktungs-Maschinerie der Box-Brüder.

Diese hielten sich brav ans selbst geschriebene Drehbuch, in dem ein unwürdiger Gegner natürlich nicht vorkommt. Mormeck wurde hartnäckig eine gewisse Klasse angedichtet. "Ich habe Mormecks Plan zerstört", befand Wladimir Klitschko. Und sein Bruder Vitali sagte: "Von außen sieht das vielleicht einfach aus - ist es aber nicht." Gute Miene zum langweiligen Spiel machen - das haben die Klitschkos ebenso perfektioniert wie ihre Boxkunst. Um den schönen Schein des großen Sports zu wahren, wird ein lockerer Knockout zur "Erfüllung eines Traums" erklärt. Der Weltmeister teilte auch mit, dass er lange nicht an den Ruhestand denke. "Ich bin immer noch hungrig und heiß und freue mich auf die nächsten Kämpfe."

Warum auch nicht? Die Massen jubeln, und die Kasse klingelt, ganz egal, gegen wen ein Klitschko boxt. Gegner, die zu hohe Forderungen stellen, werden aussortiert - das Klitschko-Getriebe läuft auch ohne sie rund. Allein der Name der Brüder treibt es an.

Seine nächste Titelverteidigung wird Wladimir Klitschko nun am 7. oder 14. Juli gegen den Amerikaner Tony Thompson bestreiten. Schon 2008 hatte er ihn durch Knockout besiegt. Thompson wurde vom Weltverband IBF als Pflichtherausforderer bestimmt. Vitali Klitschko will vielleicht noch im Juni, auf jeden Fall aber im September wieder kämpfen. Am liebsten gegen den Briten David Haye - der bereits seinem Bruder unterlag. Sportlich interessantere Gegner wären Marco Huck, Alexander Powetkin oder Robert Helenius aus dem Berliner Sauerlandstall. Aber um Sport geht es nicht bei der Klitschko-Show.