Im Trainingslager in Pockau war wenig Begeisterung über die Pokalauslosung und den Gegner MSV Duisburg zu spüren. (FOTO: WORBSER)
Sie hatten sich extra beeilt, um rechtzeitig zurückzukommen von der Regenerationseinheit im Schwimmbad Marienberg. Voller Vorfreude saßen die Fußballer des Drittliga-Aufsteigers Hallescher FC am Sonnabend Punkt 18 Uhr vor dem Fernseher im Hotel Bergschlößchen von Pockau und warteten auf die Auslosung der ersten Hauptrunde des DFB-Pokals. Doch die währte nur eine knappe Minute. Dann bereits sorgte Fußball-Nationalspielerin Viola Odebrecht für blankes Entsetzen bei den Rot-Weißen. Mit dem MSV Duisburg hatte sie alles andere als ein Traumlos gezogen. Wieder einmal Lospech.
Es herrschte betretene Stille in der Runde. Nur als der Ex-Verein von Patrick Mouaya, der FC Oberneuland, den deutschen Meister Borussia Dortmund zugelost bekam und das Duell Chemnitzer FC gegen Dynamo Dresden gezogen wurde, kam noch einmal so etwas wie Stimmung auf.
Als Erster fand Nico Kanitz die Worte wieder: "Hallo, Jungs! Wir hauen die Zebras raus und dann kommen die Bayern oder Dortmund eben in der zweiten Runde", sagte der Kapitän der vergangenen Saison. Und auch Patrick Mouaya ist sich sicher: "Die sind nicht mehr so stark wie beim ersten Duell vor zwei Jahren. Wir haben unsere Chance."
Kanitz und Mouaya sind zwei von zehn Spielern des HFC die bereits in der Zweitrundenpartie am 27. Oktober 2010 beim 0:3 gegen den MSV dabei waren. Wegen des Umbaus im Wabbel-Stadion wurde damals in der Leipziger WM-Arena gespielt. Kanitz erinnert sich: "Stefan Maierhofer hat das Ding damals fast im Alleingang entschieden. Der ist nicht mehr dabei."
Der österreichische Nationalspieler, der heute für Red Bull Salzburg kickt, war damals sowohl durch abfällige Gesten als auch zwei Treffer und eine Vorbereitung aufgefallen. Zudem hatte Schiedsrichter Robert Kempter, der gleich zwei Strafstöße für den Favoriten pfiff und einem regulären Treffer des HFC zum 1:2 die Anerkennung versagte, nicht seinen besten Tag. Selbst der damalige MSV-Schlussmann David Yelldell, der vor dem Tor von Thomas Neubert den Ball hatte fallen lassen, gab zu: "Eine Fehlentscheidung. Es war eine reguläres Tor, das auf meine Kappe geht."
Je mehr Details zu den Begleitumständen an die damalige unglückliche Niederlage in die Erinnerung zurückkehrten, umso deutlicher wurden die Kampfansagen. Selbst Trainer Sven Köhler meinte ungewohnt forsch: "Duisburg ist eine etablierte Mannschaft, die 2010 personell stärker besetzt war. Wir haben im eigenen Stadion eine schwere Aufgabe, aber auch unsere Chance." Und als ob das nicht schon deutlich genug war, legte er nach: "Man könnte auch sagen: Da ist noch eine Rechnung offen."
Das ist der Schwur von Pockau. Denn auch Torwart Darko Horvat sagte: "Den Unterschied von einer Liga haben im Pokal schon viele wettgemacht."
Wenn die Partie zwischen dem 17. und 20. August im Erdgas Sportpark angepfiffen wird, gibt es auch ein Wiedersehen mit Halles ehemaligem Innenverteidiger Adli Lachheb. Der Tunesier, der gerade vom FC Erzgebirge Aue zum MSV Duisburg gewechselt ist und zwischen 2008 und 2010 insgesamt 63 Regionalligaspiele für den HFC absolvierte, hatte die Auslosung verpasst. "Ich dachte, das passiert im Sportstudio am Abend", meinte er gestern am Telefon. "Patrick Mouaya, mit dem ich noch immer mal wieder Kontakt habe, hat mir bereits angekündigt, dass er uns raushauen will", sagte Lachheb. "Egal, ich freue mich. So komme auch ich verspätet noch in den Genuss, im neuen Stadion spielen zu dürfen."