DFB-Pokal: Verletzungspech beim HFC

16.08.2012 21:19 Uhr | Aktualisiert 17.08.2012 11:14 Uhr
Nirgendwo schlägt die Verletztenmisere so durch wie in der Abwehr: Patrick Mouaya (l.) und Nico Kanitz (M.), hier im Spiel in Karlsruhe, könnten dem HFC am Samstag gegen Duisburg als Verteidiger Nummer drei und vier fehlen. (FOTO: WORBSER) 
Von Jan-OLE Prasse
Im DFB-Pokal gegen den MSV Duisburg könnten dem Halleschen FC sechs Spieler fehlen. Die Suche nach Gründen für die Misere ist schwierig.
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Halle (Saale)/MZ. 

Ein panischer Ausdruck machte sich auf dem Gesicht von HFC-Physiotherapeut Hans Gottschalt breit. Innenverteidiger Steven Ruprecht verließ am Donnerstag ohne erkennbaren Grund kurz den Trainingsplatz. Und Gottschalt war alarmiert. "Alles in Ordnung bei dir?", rief er dem Verteidiger besorgt hinterher. Ruprecht nickte, er soll nur Stangen und Hütchen für das Training holen. Gottschalts Gesichtszüge entspannten sich.

Die Sorge des 28-jährigen Physiotherapeuten kommt nicht von ungefähr in diesen Tagen beim Halleschen FC. Personell geht der Drittligist auf dem Zahnfleisch. Vor dem DFB-Pokalspiel am Samstag gegen Duisburg sind nicht weniger als vier Spieler angeschlagen - dazu kommen noch die Langzeitverletzten Pierre Becken und Sören Eismann. Trainer Sven Köhler kann gerade einmal auf 16 wirklich einsatzfähige Spieler setzen - wobei auch Erich Sautner eine leichte Blessur aus dem Unterhaching-Spiel mitgenommen hat. "Wir haben zurzeit einfach ein bisschen Pech mit Verletzungen", sagt Stürmer Andis Shala, der in dieser Saison auch schon zwei Spiele wegen einer Muskelzerrung im Oberschenkel passen musste.

Aber sind die vielen Blessuren, die von Woche zu Woche dazukommen, wirklich nur Verletzungspech? Oder ist es auch die Belastung in der neuen Liga, die einigen Spielern zu schaffen macht?

Trainer Köhler will das nicht ganz von der Hand weisen. "Du musst in allen Spielen bis an deine Grenze gehen", sagt er. "Da kann es sein, dass zum Ende hin nicht mehr alle hundertprozentig konzentriert sind und es dann schneller zu Verletzungen kommt." Und natürlich sei die Belastung in der dritten Liga insgesamt höher als in der Regionalliga.

Englische Wochen sind belastend

Köhler macht noch einen weiteren Grund für die Verletzungsmisere aus - die englische Woche mit den Spielen gegen Erfurt (4. August), die Stuttgarter Kickers (8. August) und Unterhaching (11. August). "Hilfreich ist die ganz sicher nicht gewesen." Mittelfeldspieler Toni Lindenhahn pflichtet seinem Trainer bei, dass der Drei-Tage-Rhythmus schon hart sei. "Die englische Woche hat mir schon ein bisschen zugesetzt", sagt er. Lindenhahn plagt sich seit dem Auswärtsspiel in Stuttgart mit einer Muskelverletzung herum.

Eine insgesamt höhere Belastung will allerdings keiner der Spieler als Grund für die Verletzungen gelten lassen. "Ich glaube nicht, dass das was mit dem höheren Tempo zu tun hat. Wir hatten eine super Vorbereitung, alle sind fit", sagt Kapitän Maik Wagefeld. Der 31-Jährige kann aus eigener Erfahrung den Vergleich zwischen zweiter Bundesliga und Regionalliga ziehen.

Und dennoch bleibt es dabei, dass die Zahl der Ausfälle beim HFC ein bedenkliches Ausmaß angenommen hat. Am Samstag könnte das für erhebliche Rochaden sorgen. Bei Stammtorhüter Darko Horvat sieht es mit einem Einsatz im DFB-Pokal äußerst schlecht aus. Am Donnerstag absolvierte er nur individuelle Trainingseinheiten. "Das wird am Samstagvormittag wieder eine ganz kurzfristige Entscheidung", sagt der 39-Jährige. Zusätzlich sind Toni Lindenhahn, Patrick Mouaya und Nico Kanitz angeschlagen. "Ich hoffe, dass sie morgen im Abschlusstraining grünes Licht geben", sagt Köhler. Aber sicher, dass es bei allen drei funktioniert, ist er sich nicht.

Damit wird Köhler höchstwahrscheinlich im sechsten Pflichtspiel die sechste Aufstellung präsentieren müssen. Ein großer Umbau stünde vor allem bevor, wenn der schlimmste Fall eintritt und Mouaya und Kanitz nicht spielen können. Dann würden parallel vier Verteidiger ausfallen.

Teixeira als Außenverteidiger?

In diesem Fall würde wohl Neuzugang Philipp Zeiger zu seinem ersten Einsatz von Beginn an kommen. Der 1,94 Meter große Dresdner könnte für Mouaya in die Innenverteidigung rücken. Für Kanitz könnte Jan Benes von der rechten auf die linke Seite wechseln. Telmo Teixeira-Rebelo würde dann auf der ungeliebten Rechtsverteidigerposition spielen, für die der HFC ihn eigentlich mal verpflichtet hatte. Einfacher wäre die Situation bei Lindenhahn, für den Michael Preuß und Erich Sautner bereitstünden, und bei Horvat. Ersatztorhüter Jürgen Rittenauer hat gegen Unterhaching bewiesen, dass er ein sehr guter Vertreter ist.

Köhler selbst hielt sich am Donnerstag bei den Planspielen bedeckt: "Es gibt ein, zwei Überlegungen, wie wir das im Zweifel machen können. Aber wenn es eintritt, dann wollen wir den Duisburger Trainer Olli Reck doch überraschen."