Nadine Müller sucht wenige Wochen vor den Olympischen Spielen in London noch ihre Form. In Monaco blieb sie hinter den Erwartungen. (FOTO: DPA)
Ein nacktes Resultat lässt sich mehrfach deuten. 64,64 Meter und Platz zwei standen am Ende von zügigen 50 Minuten Diskuswettbewerb am Freitag für Nadine Müller zu Buche. Danach ging es um die Einordnung. "Das ist grundsätzlich okay", wertete Trainer Rene Sack den Auftritt seines Schützlings beim Diamond-League-Meeting am Freitag in Monaco positiv. Er hatte das Geschehen auf dem Smartphone verfolgt. Mehr ging nicht, da er gerade Halles Nachwuchssportler bei den Leichtathletik-Jugend-Meisterschaften in Mönchengladbach betreut. "Ich kann also nicht sagen, wie die Bedingungen waren", sagte er noch.
Dennoch fiel auf: Die Weite erzielte Nadine Müller im ersten Durchgang, legte im Anschluss noch einmal hoffnungsvolle 64,60 Meter nach. Doch dann war irgendwie die Luft raus. Eine Steigerung gelang der Vize-Europameisterin nicht mehr. Und so verpasste sie auch die EM-Revanche gegen Sandra Perkovic. Die Kroatin triumphierte wie schon bei den kontinentalen Titelkämpfen auch im Fürstentum am Mittelmeer. Diesmal mit 65,29 Metern - ebenfalls aus dem ersten Durchgang - weil Müller nicht kontern konnte.
Doch ein Detail stimmte Sack hoffnungsvoll im Hinblick auf die Sommerspiele in London, bei denen dieses Duell eines im Medaillenkampf sein wird: "Nadine hat den Abstand auf Perkovic verkürzt."
In Helsinki, wo die Rivalin 67,62 Meter geworfen hatte, war Müller auf 65,41 Meter gekommen. Außerdem ließ sie am Freitag die WM-Dritte von 2011, die Kubanerin Yarelis Barrios, die 64,49 Meter erzielte, hinter sich. Dennoch dürften auch Sack leise Zweifel befallen, was die Formkurve seiner Vize-Weltmeisterin betrifft. Eigentlich hatte er nach den letzten so positiven Trainingseindrücken erwartet, dass Nadine Müller "zwei Meter weiter wirft als in Helsinki". Es waren aber 77 Zentimeter weniger. Und dann baute sie noch dazu im Wettkampf ab. "Es kann sein, dass sie aufgrund der letzten harten Einheiten dann doch etwas müde war", sagte Sack. Und er wirkte nicht im Geringsten beunruhigt.
Der Fahrplan bis zu den Olympischen Spielen wird jetzt jedenfalls nicht noch einmal umdisponiert, bloß weil es am Freitag nicht zu den erhofften 67 Metern reichte. "Es ist nach wie vor alles im Soll. Jetzt heißt es einfach locker bleiben und auf die Form warten", sagte er in der festen Überzeugung, dass sie als Team alles richtig gemacht haben. Und die Form-Warteschleife ist in den Schnellkraft-Disziplinen der Leichtathletik bewährt.
Also wird in den kommenden zwei Wochen auf Sparflamme trainiert - bis zur Entscheidung von London, die am 3. August mit der Qualifikation beginnt. Das Finale ist am 4. August . "Jetzt geht es nur noch um Qualität und nicht mehr um Umfänge. Schließlich hat jetzt Vorrang, Frische zu bekommen und zu bewahren", sagt Trainer Rene Sack und war gespannt auf Müllers Infos vom Wettkampf.