Ivan Kolozvary (2.v.r.) scheitert im Play-off-Halbfinale an Bad Tölz' Abwehr um Goalie Andreas Jenike. (FOTO: LÖFFLER)
Es klingt wie eine Nachricht aus ferner Vergangenheit, vor allem aus einer anderen Jahreszeit. Trotzdem ist es gerade einmal zehn Wochen her, da scheiterten Halles Saale Bulls in der Aufstiegsrunde zur zweiten Bundesliga an Bad Tölz. ln drei Spielen des Halbfinales hatte Tölz drei Mal gewonnen und setzte sich dann später auch im Finale gegen die Füchse aus Duisburg durch. Sportlich fair gratulierte Halle, nicht ahnend, dass zehn Wochen später noch ein ganz bitterer Nachgeschmack über dieser Aufstiegsrunde hängt.
Tölz hat nämlich noch keine Zusage gegeben, ab 21. September tatsächlich in der zweiten Bundesliga antreten zu wollen.
Das hat im bayerischen Traditionsverein, der 1928 gegründet wurde und 1962 und 1966 zwei mal deutscher Meister war, vor allem wirtschaftliche Gründe. Der Verein hat zwar die Unterlagen sowohl für die zweite Liga als auch für die Oberliga eingereicht und dabei "seinen Gesamtetat von 700 000 Euro offengelegt", wie der Tölzer Geschäftsführer Manfred Gröger auf der Internetseite des Vereins versichert. Tölz sei auch bereit, mit einer Amateurmannschaft in der Profiliga anzutreten. Dennoch bleiben für Gröger Fragen: "Was passiert, wenn wir eine Niederlagenserie erleben müssen. Welche Gefahren darin liegen, ist eine zusätzliche Sorge. Nicht nur, weil der sportliche Abstieg erfolgen kann, sondern insbesondere weil Zuschauer ausbleiben und dann auch die Insolvenzgefahr groß ist."
Dazu müssen die Tölzer eingestehen, dass die Sponsoreneinnahmen vermutlich sogar noch hinter der Oberliga-Saison zurückbleiben, der Dauerkartenverkauf nicht wie gewünscht läuft und auch noch die Beitragszahlungen an die Berufsgenossenschaft um 50 Prozent erhöht werden. Eine Kostensteigerung von rund 25 000 Euro.
Das alles klingt plausibel für eine Kleinstadt wie Bad Tölz mit gerade mal knapp 18 000 Einwohnern. Woher soll das Geld auch kommen in einer Region, die zu wesentlichen Teilen durch Einnahmen aus dem Tourismus lebt?
Das aber wussten die Tölzer auch schon vor Beginn der Aufstiegsspiele. Dennoch haben sie wie alle anderen Vereine, also auch die Saale Bulls, eine Meldegebühr von 500 Euro und dazu eine Kaution in Höhe von 3 000 Euro hinterlegt. Sie wussten auch, dass sie für den Fall, dass sie ihr Aufstiegsrecht nicht wahrnehmen, mit einer Sanktion in Höhe von 15 000 Euro belegt werden. Aber warum das alles? Sie hätten in der Aufstiegsrunde auch jenen Teams den Vortritt lassen können, die ernsthaft den Schritt in die zweite Liga gehen wollen.
"Wir hätten ja vielleicht auch Schwierigkeiten bekommen, den Etat für die zweite Liga zusammenzubekommen. Auch wir hätten nicht gewusst, wie unsere siegverwöhnten Fans reagieren, wenn wir in Liga zwei öfter mal verloren hätten", gibt Daniel Mischner, der Präsident der Saale Bulls zu. Und weiter: "Aber wir haben nach reiflichen Überlegungen unsere Lizenzunterlagen abgegeben und uns zu diesem Schritt bekannt."
Tölz zögert und bringt damit auch die gesamte Struktur des deutschen Eishockeys ins Wanken. In ihrer ersten Gesellschafterversammlung unter ihrem neuen Geschäftsführer Alexander Jäger wurde noch Einigkeit über eine Aufstockung der Liga bekundet, um ambitionierten Oberligisten die Tür für eine eingleisige zweiten Liga zu öffnen. Zumindest aber sollte nach zwei Jahren mit einem Starterfeld von nur 13 Mannschaften wieder eine gerade Zahl herauskommen. Mit Bad Tölz als Aufsteiger und mit Bremerhaven, das eigentlich abgestiegen war.
Im Moment ist das alles schon wieder Makulatur. Tölz ziert sich und auch Duisburg, das als Unterlegener in den Finals nach den Gesetzen der Logik als erster Nachrücker infrage kommt, verspürt wenig Interesse am Abenteuer zweiter Liga. Und Halle als nächster in Frage kommender Nachrücker? "Uns hat noch keiner gefragt", sagt Mischner und plant für eine neue Oberliga-Saison.