Eishockey: Couch statt Eis

21.03.2012 22:35 Uhr | Aktualisiert 21.03.2012 22:43 Uhr
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Wohltuende Abwechslung

Wohltuende Abwechslung: Anne Schimpf ist zum Krankenbesuch bei Damian Martin. (FOTO: ANDREAS LÖFFLER)

Von GOTTFRIED SCHALOW
Damian Martin ist gerade zum Nichstun verurteilt. Ein Kreuzbandriss setzt ihn noch lange außer Gefecht. Die Physiotherapeutin Anne Schimpf betreut ihn.
Halle (Saale)/MZ. 

Es war schon ein furchtbares Gefühl, in seiner kleinen Wohnung in Halle-Neustadt untätig auf der Couch liegen zu müssen, während seine Kollegen 650 Kilometer entfernt in Füssen noch einmal das Letzte aus sich herausholten. Es blieb nur der Live-Ticker und der Video-Text im Fernsehen, um auf dem Laufenden zu sein. Torjubel war kaum möglich. Lautes Fluchen über die am Ende unglückliche 1:2-Niederlage - das ging dann schon viel einfacher.

"Ich kann im Moment gar nichts machen. Ich bin für jede Abwechslung dankbar", sagt Damian Martin, der vor einer Woche am Kreuzband operiert wurde. In Timmendorf ist es passiert. "Dumm gelaufen. Irgendwie bin ich mit der Kufe im Eis hängen geblieben. Am Knie hatte ich noch nichts, ich bin selbst gespannt, wie es jetzt weitergeht, wie lange es bis zu den ersten Schritten auf dem Eis dauert", sagt der 22 Jahre alte Stürmer, der zuvor in allen 32 Oberliga-Spielen dabei war und neun Tore geschossen hatte. Eine Leistung, die honoriert wurde mit einem neuen Vertragsangebot für die kommende Saison. "Das alles ist im Moment in weiter Ferne. Erst muss ich wieder vernünftig laufen können, und dann werde ich den ganzen Sommer über mit der Reha zu tun haben."

Für die dringend nötige Abwechslung im Nichtstun sorgt unter anderem Anne Schimpf, die Physiotherapeutin, die täglich bei Damian Martin vorbeischaut. "Eishockeyspieler sind wirklich harte Jungs. Auch Damian nimmt seine Verletzung wie ein richtiger Mann", sagt sie aufmunternd, während ihre Hände über das frisch operierte Knie tasten. Und Anne Schimpf weiß, wovon sie redet. "Seit vier Jahren gehöre ich praktisch zur Mannschaft. Ich glaube, es gibt keinen Spieler, den ich noch nicht behandelt habe", sagt die Blondine. Ihr schwerster Fall liegt gerade mal elf Tage zurück. Da lag Florian Eichelkraut mit allen Anzeichen einer schweren Knieverletzung auf dem Eis. "In 20 Minuten habe ich ihn in der Kabine wieder zusammengeflickt und dann hat er weiter gespielt", sagt Anne Schimpf fast bewundernd. "Kein Vergleich zu Fußballern. Wenn die mal was am großen Zeh haben, glaubt man fast, die Welt geht unter." Der Name des Fußball-Vereins, den Anne Schimpf regelmäßig betreut, möchte sie in diesem Zusammenhang verschweigen.

Anne Schimpf, stets lächelnd, stets einen flotten Spruch auf den Lippen, macht Damian Martin Mut. Ebenso Vater Jakob, der aus Wolfsburg gekommen ist, um bei den notwendigsten Handgriffen im Haushalt zu helfen. "Kochen kann ich nicht. Aber ich mache es trotzdem, auf Anweisung meines Jungen", sagt er. Vor dem Füssen-Spiel gab es Bratkartoffeln mit Leberkäse. Jakob Martin: "Es gab keine Beschwerden."

Damian Martin ist froh, dass der Vater in der Nähe ist. "Wir gehen jeden Tag hier in Halle-Neustadt in ein Café, damit ich ein paar Minuten an die frische Luft komme." Und Freitag gehen die beiden Martins zusammen zum nächsten Spiel gegen Füssen. Damian natürlich mit seinen Gehhilfen. Keine Frage, er würde sonst was dafür geben, selbst auf dem Eis zu stehen.