Eishockey: Der Ur-Bayer gibt Zunder

29.03.2012 20:37 Uhr | Aktualisiert 29.03.2012 20:49 Uhr
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Nikolaus Meier

Es sieht so aus, als würde Nikolaus Meier Halles Fans auffordern, am Freitag noch einmal alles zu geben. (FOTO: ANDREAS LÖFFLER)

Von GOTTFRIED SCHALOW
Die Saale Bulls suchen am Freitag ihr Glück im zweiten Halbfinale gegen Bad Tölz. Fast zeitgleich spielen 16 Nachwuchs-Mannschaften aus neun Ländern um den Ramada-Cup.
Halle (Saale)/MZ. 

Nikolaus Meier trifft man in diesen Tagen häufig beim Spaziergang durch den Park in Halle-Neustadt. Ganz allein, in Gedanken versunken. Den Akku wieder auftanken, die letzten Kräfte mobilisieren, sich so wenig wie möglich von all den anderen Dingen des Alltags ablenken lassen. Das ist jetzt gefragt. Denn die Eishockeyspieler der Saale Bulls haben schon seit Wochen ein hammerhartes Programm abzuspulen. Alle zwei, drei Tage ein Spiel mit hochklassiger Gegnerschaft, dazu ewig lange Busreisen ins tiefste Bayern mit der Rückkehr im Morgengrauen des nächstes Tages. Das schlaucht.

Dennoch: "Die Playoff-Zeit ist für uns Eishockeyspieler die schönste Zeit des Jahres. Dafür leben wir, dafür haben wir die ganze Saison geschuftet", sagt der 25 Jahre alte Ur-Bayer, der zu Saisonbeginn nach Halle kam, sofort Stammspieler wurde und sich mit seiner direkten, unkomplizierten Art viele Freunde gemacht hat. Und er hat sich mit Halle angefreundet, jener Stadt im Osten, einem für ihn vor sieben Monaten noch so fremden Landstrich. "Ganz Deutschland spricht mittlerweile von uns. Wir sind die Überraschungsmannschaft im Eishockey. Wir sind aber mehr als das, wir sind mit unseren Gegnern auf Augenhöhe", sagt er.

Und deshalb ärgert es ihn, dass man am Dienstag ein bisschen leichtfertig das erste Spiel mit 3:5 verloren hat. "Die Tölzer waren platt, die hatten ein Spiel mehr in den Knochen als wir und überhaupt keine Pause gehabt. Die waren an diesem Tag zu schlagen. Das ist keine Übermannschaft", sagt Meier, der sich ein Urteil über den Gegner erlauben kann. Schließlich hat er von 2004 bis 2006 selbst für die Löwen gespielt.

Aber Meier erwartet am Freitag auch einen ganz anderen Gegner, eine Mannschaft, die sehr körperbetont spielt und keinem Zweikampf aus dem Wege geht. "Das ist etwas für mich. Da bin ich gefordert, da gibt es noch einmal richtig Zunder", verspricht Meier. Meier ist kein Kind von Traurigkeit, einer, der kein Bein zurückzieht, keine Möglichkeit auslässt, Respekt beim Gegner einzufordern. "Natürlich hole ich mir da auch regelmäßig meine kleinen und größeren Wehwehchen ab. Aber darüber redet jetzt keiner. Playoff ohne blaue Flecken, das geht nicht." Dann, so Meiers Berufsauffassung, hätte man sich halt eine andere Sportart aussuchen müssen.

Aber es gibt eben auch den anderen Meier, jenseits der flotten Sprüche. Den jungen Mann, der wohlüberlegt und druckreif spricht. "Ich habe ein tolles halbes Jahr hier in Halle erlebt. Eine tolle Mannschaft, wo wirklich jeder für jeden da ist. Sportbegeisterte, sachkundige Fans. Das macht einfach Spaß", sagt er und er lässt durchblicken, dass er sich vorstellen kann, noch für längere Zeit bei den Saale Bulls zu bleiben. "Das passt schon. Aber vorerst haben wir alle Vertragsgespräche auf Eis gelegt. Dafür ist später immer noch Zeit." Jetzt ist Zeit, noch einmal richtig Zunder zu geben mit dem einen oder anderen blauen Fleck als Zugabe. "Unsere Reise ist noch lange nicht zu Ende", sagt Meier.

Am Freitagabend um 20 Uhr geht es in der Volksbank-Arena weiter. Das dritte Spiel beginnt dann am Sonntag um 18 Uhr wieder in Bad Tölz. Ein mögliches viertes Spiel findet am Dienstag um 19.30 Uhr wieder in Halle statt.