Bulls-Akteur Florian Eichelkraut (rechts) im Zweikampf. (FOTO: LÖFFLER)
Die Meldung schlug am Dienstag rund um die Eissporthalle am Gimritzer Damm ein wie ein schwerer Zündsatz. Dabei lag sie eigentlich schon seit Tagen in der Luft. Am Dienstag wurde nun bestätigt, dass Starstürmer Florian Eichelkraut in der neuen Saison nicht mehr für die Saale Bulls spielen wird. Und die offiziell verbreitete Meldung des Vereins lässt vielfältige Interpretationsmöglichkeiten zu. "Der MEC Halle 04 zog das kurz nach der Saison unterbreitete Angebot zurück." Das klingt nach großem Knall und heftigem Unmut. Und zumindest letzteres ist offenbar auch nicht ganz falsch.
Präsident Daniel Mischner bestätigt, dass unmittelbar nach dem Ende der Playoff-Spiele im April dem 28 Jahre alten Stürmer, der zwei Jahre lang das Trikot mit der Rücken-Nummer 93 bei den Saale Bulls trug, "ein neues Vertragsangebot unterbreitet wurde". Eichelkraut sollte wie viele andere Stammkräfte des Vereins gehalten werden. Tatsache ist aber, dass Eichelkraut sich bis Anfang dieser Woche beim Verein nicht wieder gemeldet und zum vorliegenden Angebot weder Ja noch Nein gesagt hat.
Mischner hatte dafür nun kein Verständnis mehr. "Wer zwei Jahre hier bei uns gespielt hat und sich dann nicht entscheiden kann oder will, ob er seinen Vertrag verlängert oder nicht, dem kann auch so viel nicht an diesem Verein gelegen sein. Irgendwann war mal das Ende der Hutschnur und des ewigen Pokern und Zockens erreicht", so der Präsident. Eichelkraut wurde also vom Verein gefeuert.
Da spielte dann auch keine Rolle mehr, dass es der Stürmer in seinen beiden Jahren bei den Saale Bulls in 85 Pflichtspielen auf 178 Scorerpunkte, also Tore und Vorlagen, gebracht hatte und dass er in diesen beiden Jahren mit dem nach Selb abgewanderten Sebastian Lehmann ein für Oberliga-Verhältnisse überdurchschnittliches Stürmergespann gebildet hatte.
Die Saale Bulls haben sich in den letzten Jahren in der Eishockey-Szene einen überaus seriösen Ruf erarbeitet. Der Verein gilt als zuverlässiger Partner, nicht zuletzt, weil Spielergehälter immer pünktlich gezahlt wurden. Im deutschen Eishockey ist das tatsächlich alles andere als selbstverständlich. Und: Florian Eichelkraut hatte das am eigenen Leib erfahren und vor seiner Zeit in Halle ein Jahr lang praktisch ohne Bezahlung bei den damals insolventen Blue Lions in Leipzig gespielt.
"Ich hätte gedacht, dass er in den letzten beiden Jahren in Halle die Vorzüge unseres Vereins zu schätzen gelernt hat", sagt Daniel Mischner. Es ist eine Mischung aus Bedauern und Unverständnis. Fakt ist: In sechs Wochen ist Trainingsauftakt bei den Saale Bulls und irgendwann muss der Verein Planungssicherheit für seine neue Mannschaft haben.
Festzustellen bleibt aber auch, dass vom einstigen Vorhaben, die Mannschaft nach der erfolgreichen Playoff-Runde im Frühjahr weitgehend zusammenzuhalten, nicht viel übrig geblieben ist. Stammspieler wie Sebastian Lehmann, Kilian Glück, Jiri Polak oder Nikolaus Meier haben den Verein verlassen. Nun also auch noch Florian Eichelkraut mit vorerst unbekanntem Ziel. Die Zeit drängt bis zum Beginn der neuen Saison. Meistertitel und Pokalsieg sollen schließlich verteidigt werden.