Verkehrte Welt im Erdgas-Sportpark: Martin Dornhoff versucht sich als Fußballer, HFC-Trainer Sven Köhler mit dem Basketball. (FOTO: MZ)
Martin Dornhoff (67) und Sven Köhler (46) haben etwas gemeinsam: Die beiden Erfolgstrainer stehen mit ihren Mannschaften ganz kurz vor einem großen Erfolg, den ihnen kaum jemand zugetraut hätte. Dornhoff kann Freitag mit den Basketballerinnen der SV Halle Lions Deutscher Meister werden, wenn auch im vierten Playoff-Finalspiel ein Sieg gelingt. Und Köhler kann mit den Fußballern des Halleschen FC in die dritte Liga aufsteigen und damit den Verein nach 21 Jahren Abstinenz wieder in den Profifußball zurückführen. Mit den beiden Trainern sprachen Christoph Karpe und Karl Ebert.
Herr Dornhoff, wann waren Sie das letzte Mal im Erdgas-Sportpark?
Dornhoff: Ich bin heute zum ersten Mal in dem neuen Stadion. Als ich das letzte Mal hier war, gab es das Gesundbrunnenbad noch. Eine tolle Anlage steht jetzt hier.
Herr Köhler, waren Sie schon einmal in der Sporthalle Burgstraße?
Köhler: Nein. Vor längerer Zeit habe ich die Basketballerinnen einige Male beim Training in der Brandbergehalle gesehen, wenn wir zeitgleich eine Krafteinheit absolviert haben.
Herr Köhler, gegen wen spielen die Lions um die Meisterschaft?
Köhler: Gegen Wolfenbüttel.
Herr Dornhoff, wer ist der nächste Kontrahent der HFC-Fußballer?
Dornhoff: Der ZFC Meuselwitz.
Wie ist Ihre Gefühlslage wenige Tage vor dem entscheidenden Spiel?
Dornhoff: Ich bin ganz ruhig. Warum auch nicht? Natürlich wollen wir so dicht vor dem großen Ziel auch Meister werden. Aber wir sind bereits Vizemeister - allein das ist eine Sensation. Wenn ich die letzten Wochen Revue passieren lasse, dann ist die Situation absurd: Vor zwei Monaten waren wir überglücklich, weil wir den Klassenerhalt geschafft hatten. Vor einem Monat übermannten uns die gleichen Gefühle, als wir in die Playoffs eingezogen sind. Niemand hat uns zugetraut, dass wir das noch toppen können. Jetzt wollen wir mit Spaß die Meisterschaft.
Köhler: Ich gebe es ehrlich zu, ich ich bin nicht so gelassen und angespannter als sonst. Das ist jetzt mein fünftes Jahr als Männer-Trainer und ich stehe erstmals vor dem Einzug in den richtigen Profifußball. Das ist schon etwas Außergewöhnliches.
Sie stehen beide vor einem nicht alltäglichen Spiel. Halten Sie trotzdem die gewohnten Abläufe ein?
Dornhoff: Natürlich. Eine gewissenhafte Vorbereitung ist das A und O. Wenn die Spielerinnen erst auf dem Parkett stehen, müssen sie die Sache selbst richten. Aber wir haben beim Basketball durch die Auszeiten und die vielen Spielerwechsel auch während der Partie mehr Möglichkeiten Einfluss zu nehmen als der Fußball-Trainer.
Köhler: Was die Vorbereitung anbetrifft , stimme ich meinem Kollegen voll und ganz zu. Aber gerade die Partie zuletzt gegen St. Pauli hat gezeigt, dass es unmöglich ist, in einem fast ausverkauften Stadion noch konkrete Anweisungen über 30 Meter an die Spieler zu geben. Da muss ich schon jemanden zur Seitenlinie beordern, der die Information dann weiterträgt.
Wer ist Ihre verlängerte Hand auf dem Spielfeld?
Köhler: Da gibt es mehrere. Maik Wagefeld mit seiner Präsenz ist anerkannt. Anton Müller weiß, wie man die jungen Spieler führen muss. Auch Sören Eismann, so unscheinbar er außerhalb des Platzes manchmal daherkommt, kann kein Spiel verlieren und reißt die anderen daher mit.
Dornhoff: Die Kabinenansprache ist meine Sache. Auf dem Feld ist Daphanie Kennedy zuständig.
Herr Köhler, Sie haben das Stichwort gegeben: junge Spieler. Beide Mannschaften, sowohl die Lions als auch die HFC-Kicker, sind mit vielen jungen Spielern an den Start gegangen. Trotzdem haben sie offensiv das Ziel Aufstieg ausgegeben. War das nicht etwas vermessen?
Köhler: Wenn A-Junioren in ihrer Bundesliga spielen, dann denken sie, das ist das Größte. Da sei es doch das Mindeste, dass es bei den Männern bis in die vierte Liga reicht. Ein Irrglaube ist das. Natürlich haben uns nicht wenige belächelt, als wir gesagt haben, dass wir mit jungen Leuten wie Toni Lindenhahn, Dennis Mast und Dennis Wegner ganz oben mitspielen wollen. Es ist uns gelungen, weil wir an ihnen festgehalten und sie sich toll entwickelt haben. Wenn man auf junge Leute setzt, dann muss man ihnen auch Vertrauen schenken und Verantwortung übertragen. Das hat geklappt.
Haben Sie ähnliche Erfahrungen gemacht, Herr Dornhoff?
Dornhoff: Leistungssport im Nachwuchsbereich und Hochleistungssport in der Bundesliga sind zwei verschiedene Paar Schuhe. Ich kannte die jungen Spielerinnen, weil ich viele Jahre erfolgreich mit ihnen im Nachwuchs gearbeitet hatte. Sie haben dort jahrelang nicht verloren. Dann kamen sie zu den Frauen in die Bundesliga und kriegten ständig auf die Nase. Da mussten schon einige umdenken.
War es ein Risiko, diese junge Truppe der Lions zu übernehmen?
Dornhoff: Sicher, denn wenn das Unternehmen schief gegangen wäre, hätte ich den Schwarzen Peter gehabt. Ich bin ja nur eingesprungen, weil nach Saisonstart kein Trainer zu finden war. Ich habe mich überreden lassen, da sonst alles den Bach runtergegangen wäre. Und ich habe an meine Spielerinnen geglaubt. Als wir als Tabellen-Letzter beim Dritten in Rotenburg eine 17-Punkte-Führung nicht nach Hause bekommen haben, sagte ich in der Pressekonferenz: Keine Angst, wir überholen euch noch. Das positive Signal haben meine Spielerinnen gehört. Und Rotenburg hat längst Saisonpause.
Welche Strahlkraft besäßen ein Meister im Frauen-Basketball und ein Drittliga-Aufstieg im Fußball?
Köhler: Wenn die Frauen aus Halle deutscher Basketball-Meister werden, dann bleibt davon schon etwas hängen. Ihnen gelingt das als erstes Ostteam. Das ist schon etwas Besonderes. Daran wird man sich lange erinnern.
Dornhoff: Es herrscht derzeit eine Riesenbegeisterung. Die Spielerinnen kosten das natürlich aus, fast alle wollen in Halle bleiben. Für das Spiel Freitagabend hatten wir 2 500 Kartenanfragen. Das zeigt, welches Potenzial hier in Halle ist. Wenn wir das Niveau halten, muss unser Anspruch sein, in zwei Jahren international zu spielen. Dafür brauchen wir aber eine neue Ballsporthalle.
Und der Aufstieg in die dritte Liga, Herr Köhler?
Köhler: Der Aufstieg wäre etwas Besonderes. Erst ab dieser Liga kannst du den Fußball richtig professionell betreiben, weil der Fußball-Bund die Regionalliga nur noch als Amateurklasse führt.