Formel 1: Harte Strafe für Vettel

22.07.2012 21:41 Uhr | Aktualisiert 23.07.2012 16:41 Uhr
Sebastian Vettel bekam beim Sieg des Spaniers Fernando Alonso auch noch eine Zeitstrafe aufgebrummt. (FOTO: DPA) 
Von Olaf Bachmann
Der Weltmeister wird wegen eines Überholmanövers auf Platz fünf zurückversetzt. Fernando Alonso gewinnt in Hockenheim souverän.
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Hockenheim/mz. 

Niki Lauda hatte es als Interviewer des Fernsehsenders RTL sogar aufs Podium verschlagen. Und der Österreicher wollte dort offenbar provozieren, als er den Sieger des Großen Preises von Deutschland in Hockenheim, Fernando Alonso, fragte, wie es sich anfühle, als Spanier mit einem italienischen Auto ausgerechnet den deutschen Grand Prix zu gewinnen.

Die Euro-Krise macht ja allen Spaß. Und das Beste an der Frage war die schlagfertige Antwort des Ferrari-Piloten, der zwar einräumte, er verstehe nicht viel von Politik, aber er müsse an dieser Stelle doch anmerken, dass sein Auto von einem griechischen Konstrukteur (Nicolas Tombazis, d. Red.) entworfen worden sei.

So lustig ist es zugegangen um kurz vor vier im Motodrom, nur die finstere Miene des vermeintlich zweitplatzierten und später auf Rang fünf zurückgestuften Weltmeisters Sebastian Vettel mochte dazu nicht passen.

Das Image des schlechten Verlierers abzulegen, das ist dem Titelverteidiger zwar inzwischen leidlich gelungen, aber vielleicht war das doch ein bisschen viel für ihn an diesem Wochenende so nahe der Heimat. Noch nie in seiner glanzvollen Karriere hat der Heppenheimer ein Formel-1-Rennen auf deutschem Boden gewonnen, diese zum Fluch erklärte Serie hat ihre böse Fortsetzung gefunden. Doch selten war Vettel so nahe dran am ersten Heimsieg, zwei Führungsrunden nach Alonsos erstem Boxenstopp durfte man notieren, eine erfolgversprechende Attacke auf den führenden Ferrari hat man während der 67 Runden allerdings nicht gesehen.

"Eine echte Siegchance hatte ich nicht", deshalb sei er mit Platz zwei zufrieden, sagte Vettel mit verkniffenem Gesicht. Da wusste er schon, dass sich die vierköpfige Jury des Automobil-Weltverbandes Fia just in diesem Moment mit dem kniffligen Manöver beschäftigen würde, das ihn in der vorletzten Runde in der Spitzkehre auf der Außenbahn an Jenson Button vorbeigelotst hatte - allerdings erkennbar neben der Strecke.

Den Sachverhalt bestritt Vettel nicht, noch vor der Siegerehrung ließ sich ein kurzer Disput zwischen dem Red-Bull- und dem McLaren-Piloten belauschen. "Ich habe nicht gesehen, wo du auf der Innenseite warst, deshalb bin ich ausgewichen", sagte Vettel zu dem Engländer. Der wiederum verkniff sich - außer über Funk an sein Team - jeden kritischen Kommentar, denn: "Die Fernsehbilder sprechen ja für sich."

Überholen neben der Piste ist jedenfalls nicht erlaubt. Weil die übliche Durchfahrtsstrafe nicht mehr verhängt werden konnte, wurde Vettel mit einer 20-Sekunden-Zeitstrafe belegt, die ihn vom zweiten auf den fünften Platz hinter Alonso, Button sowie Kimi Räikkönen (Lotus) und den Japaner Kamui Kobayashi (Sauber) zurückwarf. "Die Strafe ist dem Vergehen nicht angemessen", sagte Red-Bull-Teamchef Christian Horner. "Aber leider war die 20-Sekunden-Strafe die einzig mögliche, die die Fia in ihrem Reglement vorgesehen hat."

Man hätte es schon am Morgen ahnen können: Es war eben kein Vettel-Tag. Erst 60 Minuten vor dem Start hatte die Fia-Jury nach dreistündigen Diskussionen mit Red-Bull-Verantwortlichen von einer Bestrafung des Weltmeister-Teams wegen angeblicher Unregelmäßigkeiten in der Motoren-Steuerung abgesehen. Der Technische Delegierte der Fia, Jo Bauer, hatte gegen 10 Uhr mit einer Mitteilung schockiert, dass der RB8 seiner Meinung wegen Abweichungen im Drehmomentverlauf gegen das Regelwerk verstoße. Die Fia kam jedoch zu dem Schluss, dass die Formulierung des Technischen Reglements keine Bestrafung zulasse.

Er habe sich von dem Theater nicht beeinflussen lassen, versicherte Vettel, der sich nach einem hitzigen Startscharmützel mit Michael Schumacher auf die Verfolgung von Alonso machte. In machen Kurven trennten die Rivalen zuweilen nur zwei Wagenlängen, ehe plötzlich der nach einem frühen Reifenschaden überrundete McLaren-Fahrer Lewis Hamilton in der Spitzengruppe mitmischte und Vettel in der 35. Runde überholte. "Das war eine ganz dumme Aktion", empörte sich der düpierte Red-Bull-Fahrer. "Wenn Lewis unbedingt beweisen wollte, wie schnell er fahren kann, hätte er sich weiter zurückfallen lassen müssen."

So endete dieser 59. Große Preis von Deutschland mit einem - gemessen an der Ausgangslage - desaströsen Ergebnis für die Gastgeber. Die von den Plätzen zwei, drei und vier gestarteten deutschen Teilnehmer Vettel, Michael Schumacher und Nico Hülkenberg strandeten auf den Rängen fünf, sieben und neun. Rekord-Weltmeister Schumacher, der am Samstag auf regennasser Piste noch an beste Zeiten erinnert hatte, durfte sich allenfalls über die schnellste Rennrunde in der Schlussphase freuen, nachdem er wegen hohen Reifenverschleißes noch einmal frische Pneus abholen musste.

In der Konstrukteurswertung verliert Mercedes dramatisch an Boden und muss gar um Rang fünf fürchten, das Sauber-Team hat nur noch 25 Punkte Rückstand.