Formel 1: Im Doppelpack gegen Vettel

24.07.2011 15:56 Uhr | Aktualisiert 24.07.2011 21:14 Uhr
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Kein Podiumsplatz für Sebastian Vettel - das hatte sich der Weltmeister auf dem Nürburgring anders erhofft. (FOTO: DPA)

Von JÜRGEN AHÄUSER
Lewis Hamilton zeigte Sebastian Vettel ausgerechnet auf dem Nürburgring die Grenzen auf. Der Spanier Fernando Alosno rief zu einer gemeinsamen Attacke auf.
Nürburgring/MZ. 

Lewis Hamilton hat sich am Ende fast kaputt gelacht. In seinem McLaren-Mercedes sitzend kriegte sich der Brite bei der Zieldurchfahrt fast nicht mehr ein. "Phantastisch, phantastisch", gurrte er ins Team-Radio. Der Ex-Weltmeister hatte bei seinem Triumph beim Großen Preis von Deutschland die in dieser Saison als unbezähmbar geltenden Roten Bullen am Nasenring über den Nürburgring geführt. "Das war eines meiner besten Rennen überhaupt", freute sich Hamilton. Sebastian Vettel fuhr ausgerechnet vor dem erwartungsfrohen Heimpublikum nach sechs Siegen und drei zweiten Plätze als glanzloser Vierter sein schlechtestes Ergebnis dieses Jahres ein.

Es war für den amtierenden Champion kein wirklicher Trost, dass der ungeliebte Red-Bull-Teamkollege Mark Webber ebenfalls als Verlierer den Ring verließ. Der Australier war am Sonnabend überraschend und mit eindrucksvoller Courage auf die Pole Position gerast. Den Vorsprung konnte er aber vor dem entfesselt angreifenden Hamilton nicht retten. Im Gegenteil: Webber musste sich als Dritter auch noch Fernando Alonso im Ferrari geschlagen geben.

Für einen einigermaßen ruhigen Pulsschlag bei Vettel hat allein die Erkenntnis gesorgt, dass die letzten vier Rennen vier verschiedene Sieger hatten und so der gewaltige Vorsprung nur unwesentlich geschmolzen ist. Der Heppenheimer reist mit 216 Punkten noch immer als bei weitem aussichtsreichster Titelanwärter zum schon nächste Woche stattfindenden Grand Prix nach Budapest. Weiterhin Zweiter im WM-Rennen und im Bullenstall ist Webber mit 139 Punkten, gefolgt von Hamilton und Alonso, die die Plätze tauschten.

Sebastian Vettel hatte das ganze Rennen über mit Bremsproblemen zu kämpfen und produzierte zudem einen Dreher. "Da ist es schwer, etwas zu riskieren. Es war nicht mehr drin als Rang vier", sagte er. Er habe sich das ganze Wochenende nicht so wohl gefühlt. "Manchmal quält man sich und muss alles aus sich herausquetschen", meinte der etwas gerupfte Jung-Siegfried aus Südhessen. Den vierten Platz sicherte ihm unter dem doch etwas verhaltenen Jubel der knapp 70 000 Zuschauer seine Boxencrew, die in der allerletzten Runde schneller Reifen wechselte als das Ferrari-Team des zeitgleich in die Boxengasse eingefahrenen Felipe Massa.

Immerhin ging mit diesem Ergebnis ein ungewöhnliches Komplott auf, zu dem Alonso aufgerufen hatte. Der Ex-Doppel-Weltmeister hatte Hamilton, seinen Intimfeind aus McLaren-Mercedes-Tagen, zur gemeinsamen Attacke auf Vettel aufgerufen. "Anders ist er nicht mehr einzuholen." Bis zum Einholen ist noch viel Gemeinschaftsarbeit der beiden Streithähne zu leisten, die vor nicht allzu langer Zeit noch nahe dran waren, ihren damaligen Team-Prinzipal Ron Dennis in den Wahnsinn zu treiben.

Milliardär Vijay Mallya hat zwar Probleme mit seiner Zahlungsmoral, weshalb der Bierbrauer und Fluglinienbesitzer am Sonnabend erneut Besuch von der rheinland-pfälzischen Polizei bekam, seinen Vorfahrer Adrian Sutil hat das aber nicht beeindruckt. Der Force-India-Pilot flog in der Eifel auf einen beachtlichen sechsten Rang noch vor den Mercedesfahrern Nico Rosberg und Michael Schumacher, die schon zum Rest des Feldes gehörten und überrundet wurden.

Mark Webber hatte das Rennen bei Kellertemperatur von nur 13 Grad schon beim Erlöschen der roten Ampeln verloren. Er und sein Red Bull kamen nicht recht vom Fleck und Hamilton nutzte seine Chance. Der Brite und sein neuer Weggefährte Alonso sehen die Übermacht der Roten Bullen aber noch lange nicht gebrochen. "Irgendwie sind sie immer noch vorne dabei und sammeln Punkte", meinte der Spanier.