Michael Schumacher will in Barcelona endlich das Pech hinter sich lassen. (FOTO: DPA)
Sechsmal hat Rekordweltmeister Michael Schumacher schon in Barcelona gewonnen. Dass der Circuit de Catalunya daher auch ein guter Platz wäre, um nach seiner Rückkehr in die Formel 1 endlich zum ersten Mal aufs Podium zu klettern, ist dem Mercedes-Piloten aber ziemlich egal. "Ganz egal, ob ich irgendwo gewonnen habe oder nicht: Jedes Podium wäre immer willkommen, keine Frage", sagte Schumacher am Donnerstag in Barcelona bei der Vorstellung eines neuen Teamsponsors.
Mit einem guten Ergebnis am Sonntag (14.00 Uhr/RTL und Sky) beim Europaauftakt der Formel 1 könnte Schumacher mit einem Schlag Zweifeln, Diskussionen und Frust davonfahren. Als Teamkollege Nico Rosberg in Shanghai den ersten Silberpfeil-Sieg der Neuzeit holte, war Schumacher dort an zweiter Stelle liegend wegen einer Panne beim Boxenstopp ausgeschieden. In Bahrain hatten Heckflügel und Getriebe gestreikt, dazu kamen häufig Probleme mit den Pirelli-Reifen, die Schumacher danach offen kritisierte. Daher stehen für den Altmeister erst zwei magere WM-Pünktchen für zwei zehnte Plätze zu Buche - gegenüber 35 Zählern und einem Sieg von Rosberg.
Doch das soll sich am Sonntag ändern, zumal Schumacher ein gutes Gefühl von den Testfahrten in Mugello in der vorigen Woche mit nach Barcelona bringt. "In den ersten Rennen haben wir unsere Stärken und unsere Schwächen kennengelernt. Zu verstehen, wie wir die Schwächen ausmerzen können, dafür war der Test in Mugello wichtig. Beim Fahren unter Rennbedingungen in bestimmten Programmen haben wir viel über das Auto gelernt. Das war sehr hilfreich", sagte Schumacher. Diese Erkenntnisse in Barcelona umzusetzen, ist jetzt das Ziel des 43-Jährigen, der sich seit seiner Rückkehr in die Königsklasse Anfang 2010 schon oft in Geduld üben musste.
"Wir sind mit anderen Zielen in dieses Projekt gestartet, aber man muss sich immer an die Realität halten", sagte Schumacher, der damals bei seiner Rückkehr den WM-Titel als Ziel ins Auge gefasst hatte: "Und die Realität in diesem Jahr ist, dass wir ein Auto haben, mit dem wir aufs Podium fahren und Rennen gewinnen können. Je eher, umso besser." Dass Schumacher ebenso wie Rosberg dazu in der Lage ist, glaubt dreimalige Weltmeister Niki Lauda. "Schumi wird dieses Jahr noch gewinnen. Mercedes ist endlich gut genug, um die Spitze angreifen zu können", sagte Lauda der Bild-Zeitung: "Rosbergs Erfolg stachelt ihn eher an, als dass es ihn frustriert. Er kämpft sich durch".
Schumacher lasse sich "die Lust an der Formel 1 nicht verderben. Er ist so viele Jahre im Geschäft, der weiß, wie der Laden funktioniert", meinte Lauda. In Barcelona muss Schumacher allerdings auf die Unterstützung von Teamchef Ross Brawn verzichten, der ihn zu allen sieben WM-Titeln geführt hatte. Das "Superhirn" fühlte sich in den letzten Tagen nicht wohl und verzichtete auf Anraten eines Arztes auf die Reise zum fünften Saisonrennen in Katalonien. Brawns Aufgaben an der Strecke wird der Technische Direktor Bob Bell übernehmen. Aber auch ohne Brawn ist Schumacher heiß darauf, den Kampf gegen die jüngere Konkurrenz und die ungeliebten Pirelli-Reifen anzunehmen.
"Ich stehe zu dem, was ich gesagt habe", meinte Schumacher über die Gummi-Walzen, mit denen man nicht attackieren könne und sie stattdessen wie rohe Eier behandeln müsse. Silberpfeil-Geschäftsführer Nick Fry stärkte Schumacher dabei den Rücken. "Michael hat seine Meinung dazu, andere Fahrer haben vielleicht eine andere", meinte Fry: "Aber es ist grundsätzlich die Frage, welche Art von Reifen dieser Sport braucht".