Mannschaftskapitän Viktoria Reich (l.) stemmt den Meisterschaftspokal in die Höhe. (FOTO: ENGELBERT PÜLICHER)
Für den Trainer der Frauenmannschaft des TV Askania Bernburg, Ronny Titze, gibt es nur den Titel. Den wollte er schon bei der Hallenkreisunionsmeisterschaft, wo es dann aber nur zu Platz 5 reichte. Auch im Pokal scheiterte man vorzeitig an Thale. Diesmal, im Finale der Kreisunionsmeisterschaft, war es aber im dritten Anlauf endlich soweit. Seine Frauen gewannen in einem dramatischen Endspiel um die Kreismeisterschaft mit 4:2 nach Neunmeterschießen, nach dem es nach der Verlängerung nur 1:1 stand.
"Mir standen die Tränen in den Augen. Während die Mädchen am Mittelkreis feierten, wollte ich erst einmal wie Franz Beckenbauer beim WM-Sieg in Rom 1990 für mich allein sein", freute sich Titze über den ersten Titel 2012 im dritten Anlauf. Im Endspiel vor 125 Zuschauern in Preußlitz standen sich die beiden Staffelsieger TV Askania Bernburg und SV Stahl Thale gegenüber. Nach sehr unterhaltsamen 70 Minuten mit einem 1:1 ging es in die Verlängerung. Und als ob diese zusätzlichen zehn Minuten bei sommerlichen Temperaturen noch nicht genug waren, musste das Neunmeterschießen über den neuen Titelträger entscheiden.
Beide Teams befleißigten sich einer fairen Spielweise und machten es Schiedsrichter Reiner Hallmann leicht. Vom Anpfiff weg wurde die Offensive gesucht. Beide erspielten sich viele gute Möglichkeiten. Dabei hatten beide Torhüterinnen mehrfach die Möglichkeit, sich auszuzeichnen. In der 28. Minute war die Abwehr von Askania einmal unkonzentriert, was die beste Torschützin der Staffel 1, Tina Elsner, mit einem herrlichen Schuss zur 1:0 Führung für Thale nutzte. Doch Askania steckte den Rückstand unbeeindruckt weg und kam kurz vor dem Pausenpfiff mit einem Flachschuss von Elisa Michaelis zum verdienten 1:1-Ausgleich.
In der zweiten Hälfte suchten beide Mannschaften die Entscheidung, doch beste Möglichkeiten wurden vergeben. So blieb es bei den Toren aus Hälfte eins. Auch in der Verlängerung blieb das Tempo weiter hoch, Tore wollten aber auch hier nicht fallen. Dabei hatten die Askania-Damen bei einem Elsner-Hammer Glück, dass dieser nur an den Pfosten krachte. "Mit ihren Qualitäten, vor allem bei Schüssen, müsste Elsner eigentlich höherklassig spielen", war Titze von der Thalenserin beeindruckt.
So ging es wie einen Tag zuvor in der Champions League in das berüchtigte Lotteriespiel, was bei den Frauen auf Kleinfeld Neunmeterschießen heißt. "Es war ein sehr ausgeglichenes Spiel. Kämpferisch sah ich uns im Vorteil. Durch einen Sonntagsschuss sind wir in Rückstand geraten", urteilte Titze über die 80 Minuten inklusive Verlängerung. Dass Askania dann im anschließenden Entscheidungsschießen die besseren Nerven bewies, schuldete Titze den größeren Kraftreserven seiner Mannschaft: "Wir hatten den Vorteil, dass wir bei der Hitze viermal wechseln konnten." Thale hatte nur eine Wechselspielerin.
Für die zeitig am Fuß verletzte Torhüterin Nadine Rosenhagen ging beim Neunmeterschießen Viktoria Reich ins Tor und konnte die Schüsse zwei und drei von Manuela Eichler und Elisabeth Hoffmeister parieren. Nur Elsner gelang mit dem ersten Schuss ein Treffer. Elisa Michaelis, Laura Michaelis und Doreen Haase verwandelten zur 3:1-Führung. Als die vierte Thalenserin Antje Slawig verschoss, war die Titelentscheidung gefallen. Die letzten beiden Askania-Damen brauchten nicht mehr ran.
Nachdem Askania-Trainer Titze seine Worte nach dem Sieg wiedergefunden hatte, kam er aus dem Schwärmen über seine Mannschaftskapitänin nicht mehr raus: "Viktoria war heute überragend. Nicht nur beim Neunmeterschießen."
TV Askania Bernburg - SV Stahl Thale 4:2 nach Neunmeterschießen (1:1, 1:1, 1:1) Schiedsrichter: Reiner Hallmann (Preußlitz); Zuschauer: 125 in Preußlitz; Torfolge: 0:1 Tina Elsner (28.), 1:1 Elisa Michaelis (34.); Entscheidungsschießen: 1:2 Tina Elsner, 2:2 Elisa Michaelis, Manuela Eichler gehalten, 3:2 Laura Michaelis, Elisabeth Hoffmeister gehalten, 4:2 Doreen Haase, Antje Slawig verschossen Bernburg: Nadine Rosenhagen - Elisa Michaelis, Tine-Lise Braekow, Maria Rudzok, Sissy Naumann, Doreen Haase, Viktoria Reich, Laura Michaelis, Sandra Jürgens, Henriette Apel, Maria Lindwedel, Maike Melchior Thale: Antje Slawig - Nicole Kronberg, Nicole Suldt, Tina Elsner, Katja Cierpinsky, Manuela Eichler, Deborah Konitzer, Teresa Kellmann, Elisabeth Hoffmeister