French Open: Haas ist Hoffnungsträger der deutschen Herren

01.06.2012 17:05 Uhr | Aktualisiert 01.06.2012 17:06 Uhr
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Oldie

Tommy Haas erlebt mit 34 Jahren seinen zweiten Frühling. (FOTO: DPA)

Von Cai-Simon Preuten
Tommy Haas steht als einziger Deutscher in Runde drei der French Open und erstaunt die Experten. Sogar Sara Foster erkennt den Vater ihrer Tochter nicht wieder. Haas' Erfolg überstrahlt das schwache Abschneiden der deutschen Herren, deren Zukunft längst vorüber ist.
PARIS/SID. 

Die Hoffnung des deutschen Herrentennis ist 34 Jahre alt und besitzt eine Krankenakte, die für zwei Leben auf der Profitour reicht. Tommy Haas steht als einziger Deutscher in der dritten Runde der French Open. Für ihn ist es „nichts Besonderes, ich war ja schon ein paarmal der letzte Deutsche im Turnier“. Das ist allerdings eine gefühlte Ewigkeit her, und seine Davis-Cup-Kollegen Philipp Kohlschreiber und Florian Mayer hatten damals ihre Zukunft noch vor sich.

Am Bois de Boulogne in Paris offenbarte sich das Dilemma des deutschen Herrentennis. Während die gesetzten Kohlschreiber und Mayer gegen zweitklassige Argentinier chancenlos waren, zeigte Haas sein bestes Tennis, als es darauf ankam. 6:2, 6:3, 6:2 überrollte er den völlig verzweifelten Ukrainer Sergej Stachowski, der sich über Toiletten- und Verletzungspausen in den nächsten Tag retten wollte. Es nutzte alles nichts. Haas gewann das Rennen gegen die Dunkelheit so beeindruckend, wie er nach jeder Zwangspause den Kampf gegen seinen anfälligen Körper gewonnen hatte.

14 Monate hatte Haas pausiert, ehe er im vergangenen Jahr sein Comeback im Stade Roland Garros feierte. 2003/2004 hatte er schon einmal 15 Monate ausgesetzt. Knie, Hüfte, Schulter: Dass Haas überhaupt mit 34 Jahren die Mühlen der Profitour aushält, grenzt an ein medizinisches Wunder. „Ich habe drei oder vier Jahre durch Verletzungen verloren. Mental bin ich erst 29“, sagt Haas, und seine Verlobte Sara Foster twitterte: „Er mag 34 sein, sieht aber aus wie 24.“ Sieht man den gebürtigen Hamburger in diesen Tagen in Paris, fragt man sich unweigerlich, wie viele Grand-Slam-Titel er gewonnen hätte, wäre er nicht stets zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt vom eigenen Körper ausgebremst worden.

2002 schnupperte Haas als Nummer zwei der Welt sogar am Tennis-Thron, sieben Jahre später setzte er zu einem Lauf an, den er nach wie vor als „einen der besten“ in seiner Karriere bezeichnet. Damals brachte er den großen Roger Federer im Achtelfinale der French Open an den Rand einer Niederlage, schlug auf dem Weg zum Turniersieg in Halle/Westfalen Novak Djokovic und zog in Wimbledon ins Halbfinale ein. In diesem Jahr lässt er die Klasse vergangener Tage immer wieder aufblitzen, konstant abrufen konnte Haas sein Können allerdings nur in zwei Spielen.

In München bezwang er den Weltranglistenfünften Jo-Wilfried Tsonga: „Das hat mir Schwung gegeben. Da habe ich Selbstvertrauen getankt.“ Nun der Sieg über Stachowski. „Ich bin im Moment sehr zufrieden mit meinem Spiel“, sagt Haas. Die deutschen und französischen Zuschauer in Paris lieben ihren Tommy, weil er auf dem Platz Emotionen zeigt, sich durch die Qualifikation gequält hat und einfach „schönes Tennis“ spielen kann, wie Julia Görges bemerkt.

In Runde drei wird Haas am Samstag mit einem Spiel auf einem der Showcourts belohnt. Gegen den Franzosen Richard Gasquet werden die Zuschauer ihn allerdings nicht wie gewohnt unterstützen. „Es ist schon länger her, dass ich die Zuschauer gegen mich hatte“, sagt Haas. Dennoch gebe es nichts anderes als den Sieg. Das ist der Unterschied zwischen Haas und Spielern wie Kohlschreiber und Mayer. Der Qualifikant weiß: „Ich rechne mir gegen alle etwas aus, außer gegen vier oder fünf Spieler.“ Kohlschreiber und Mayer dagegen überhöhten die Leistung ihrer Gegner Leonardo Mayer, Nummer 62 der Weltrangliste, und Eduardo Schwank, Nummer 192 im Ranking, als gehörten diese zu den Top Fünf der Welt.

Die deutsche Hoffnung in Roland Garros ist also Haas, die Zukunft des deutschen Herrentennis kann er nicht sein. In jedem Interview taucht unweigerlich das Thema Karriereende auf. Was macht er nach Paris? Haas: „Dann spiele ich Halle.“ Und dann? „Wimbledon!“ Danach? „Stuttgart, Hamburg, die US Open und ein paar Hallenturniere. So lange es geht, und so lange ich Spiele gewinne, mache ich weiter.“ Endlich mal eine gute Nachricht für das deutsche Herrentennis.