Fußball: «Das Finale, das alle wollten»

15.05.2012 22:25 Uhr | Aktualisiert 15.05.2012 22:29 Uhr
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Lutz Schülbe

HFC-Mittelstürmer Lutz Schülbe im Spiel in Chemnitz am 25. Mai 1991. Er erzielte damals den 1:1-Ausgleich. (ARCHIVFOTO: BEYER)

Von Karl Ebert
1991 stand der HFC schon einmal vor einen wegweisenden Spiel. Vor dem Duell mit RB Leipzig erinnert sich der damalige Torjäger Lutz Schülbe.
Halle (Saale)/MZ. 

Wohin geht die Reise? In die dritte Liga, zurück in den Profifußball? Oder bleibt doch alles beim Alten, stirbt der Traum vom Aufstieg? Für den Halleschen FC ist es ein Schicksalsspiel, das am kommenden Samstag wartet. Das Duell mit RB Leipzig, das Spiel am 19. Mai, entscheidet über die nahe Zukunft des Vereins. Fast unweigerlich werden also Erinnerungen wach. Denn ein solches richtungsweisendes Spiel gab es schon einmal. Fast auf den Tag genau vor 21 Jahren.

Der Held von damals saß am Dienstag entspannt an seinem Schreibtisch. Vor ihm stand eine Tasse Kaffee. Lutz Schülbe hatte gerade Mittagspause. Zeit, um über das große Spiel von einst zu philosophieren. Und tatsächlich kann er sich an jenen 25. Mai 1991 erinnern, als wäre es gestern gewesen.

Es war der 26. Spieltag in der DDR-Fußball-Oberliga. Das letzte Spiel der Saison. Es musste darüber entscheiden, ob sich der Hallesche FC Chemie mit seiner Mannschaft für die zweite Bundesliga und obendrein den Uefa-Pokal qualifizieren würde. "Mit Hansa Rostock und Dynamo Dresden standen die künftigen Erstligisten bereits fest, aber um die vier Zweitliga-Plätze waren noch acht Mannschaften im Rennen", erinnert sich Schülbe. "Es hätte alles noch schiefgehen können." Denn der HFC musste zu seinem direkten Verfolger, dem Chemnitzer FC.

"Es musste Feuer in der Hütte sein"

"Der Druck war groß, aber als 30 Jahre alter Fußballer hatte ich damals schon einiges erlebt und konnte damit umgehen", erzählt Schülbe. Immer wenn richtig "Feuer in der Hütte" war, fühlte sich der heutige Präsident des Verbandsligisten BSV Ammendorf wohl. "Ich habe mich auf solche Spiele gefreut. Du kommst ins Stadion, die Kulisse tobt und denkst nur noch: Geil, dafür spiele ich Fußball."

Das Endspiel damals war ein großer Erfolg für die Rot-Weißen. Zwar geriet der HFC kurz vor der Pause in Rückstand, dann aber gelang Lutz Schülbe in der 49. Minute sein 13. Saisontreffer. Das 1:1 reichte - für zweite Liga und für die Qualifikation für den Uefa-Pokal.

Schülbe glaubt für Samstag an einen Erfolg seiner Nachfolger in Rot-Weiß. "Ich wüsste, mit welcher Motivation ich auf den Platz gehen würde", sagt er. "Ein Endspiel gegen RB im eigenen Stadion. Das Duell, auf das ich mich seit Saisonbeginn gefreut habe. Dann noch 15 000 Zuschauer", sagt er. Mehr Motivation ginge nicht: "Dafür bin ich doch Fußballer geworden."

Hilfe von einem Psychologen?

Vor allem aber rät Schülbe, in der Vorbereitung gewohnte Wege zu gehen. Ansonsten würde nur die Nervosität gefördert. "Wir sind damals prinzipiell einen Tag vor einem Auswärtsspiel ins Camp gefahren. In der Nähe von Dessau oder in Gräfenhainichen haben wir uns etwas abgeschottet, um die Konzentration hochzuhalten. Das fand ich auch gut", erklärt der ehemalige Torjäger.

"Aber der eine Tag reichte aus - sonst wären wir uns gegenseitig auf die Nerven gegangen. Und vor Heimspielen haben wir ganz normal zu Hause geschlafen." Die aktuelle Mannschaft übrigens zog sich von Dienstag bis Mittwoch in ein Geheim-Trainingslager nach Meisdorf zurück.

Nach der Niederlage in Meuselwitz wurden Vorschläge laut, nun einen Psychologen zurate zu ziehen. Schülbe hält nichts davon, denn es wäre ein Abweichen von gewohnten Pfaden. "Wir hatten diese Möglichkeit gar nicht.

Bei uns hat der Mannschaftsarzt den jungen Spielern vor einer wichtigen Partie einmal tief in die Augen geblickt. Das war's", so der 50-Jährige. "Wofür plötzlich einen Psychologen?", fragt Schülbe. "Wir sollten schön auf dem Teppich bleiben, denn wir reden immer noch von der vierten Liga."