Fußball: Böhler macht erst einmal Pause

09.07.2012 21:45 Uhr | Aktualisiert 09.07.2012 21:52 Uhr
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Heiko Böhler

Am Seitenrand als Trainer wird man Heiko Böhler in nächster Zukunft erst einmal nicht sehen. (FOTO: ARCHIV/PÜLICHER)

Nach acht Jahren hat der Trinumer Trainer Heiko Böhler freiwillig seinen Stuhl beim Fußball-Verbandsligisten TV Askania Bernburg geräumt, obwohl der Verein die erfolgreichste Saison in dieser Liga hinlegte. Mit dem scheidenden Coach kamen die MZ-Mitarbeiter Carsten Roloff und Christian Kattner ins Gespräch.
Trinum/MZ. 

Sie gehen, wenn es am schönsten ist. Was waren die Gründe für Ihren bereits seit dem Frühjahr feststehenden Rückzug?

Böhler: Für mich war es vor dem Saisonauftakt schon klar, dass ich eine Pause einlege. 27 Jahre lang habe ich nur für den Fußball gelebt. Ich benötige jetzt ein bisschen Abstand, um mich anderen Dingen zu widmen. Die Familie ist zu kurz gekommen. Da möchte ich erst einmal etwas durchatmen und zurückgeben.

Ihre Elf schnupperte sehr lange Zeit am Aufstieg, führte die Verbandsliga vor dem Spitzenspiel gegen die HFC-Reserve sogar an. Wie kam Bernburg auf den Platz an der Sonne?

Böhler: Wir hatten eine überragende Fitness. Dazu kam das Selbstbewusstsein durch die Erfolgsserie. Wir blieben zehn Spiele hintereinander ungeschlagen und stellten damit einen neuen Vereinsrekord auf. Wir haben vor allem von der taktischen Disziplin gelebt. Wir hatten in dieser Phase fast keinen Ausfall. Unsere starke Leistung hat in Sachsen-Anhalt für Aufsehen gesorgt. Besonders gefreut hat mich das Kompliment von HFC-Präsident Michael Schädlich, dem die positive Entwicklung in Bernburg nicht entgangen ist.

Was kann die Mannschaft in der kommenden Saison erreichen?

Böhler: Ich hoffe, dass der TV Askania wieder oben mitspielt. Unter meiner Regie ging es acht Jahre stetig aufwärts. Es wäre eine Enttäuschung, wenn der Verein diesen Weg nicht fortsetzen könnte. Ein Platz unter den ersten drei sollte möglich sein. Die Mannschaft besitzt dazu das Potenzial, denn aus der Oberliga kommt keine Mannschaft herunter und ein Verein aus der Verbandsliga steigt auf.

Sie waren zwar in Bernburg als Trainer tätig, sind aber in der Köthener Region verwurzelt. Wie beurteilen Sie die Fußballsituation dort?

Böhler: Ich stecke zwar nicht so tief in den Geschehnissen, aber in den vergangenen zehn Jahren ist in der Region einiges schief gelaufen. In der Historie hat Köthen immer eine Mannschaft auf höherer Landesebene gehabt. Es fehlt aber im Moment ein Vorzeigeverein. Natürlich ist auch die Infrastruktur nicht so gut wie bei anderen Vereinen, aber das entwickelt sich mit der Zeit. Mit den Erfolgen wächst auch das Umfeld. Das war auch in Bernburg so gewesen.

Worin sehen Sie das Leistungsgefälle zwischen den Bitterfelder und Köthener Mannschaften im Landkreis begründet?

Böhler: Natürlich spielen dabei die Standorte Wolfen, Bitterfeld und Sandersdorf eine große Rolle. Dort wird seit Jahren hochklassig Fußball gespielt, die Bedingungen passen. Außerdem sind die Führungspositionen in diesen Vereinen sehr gut besetzt. Um Erfolg zu haben, muss das Gesamtkonzept in einem Verein stimmen. Das ist in den Bitterfelder Vereinen gegeben.

Sie haben den Trainerschein gemacht. Wie sehen Ihre Pläne für die Zukunft aus?

Böhler: Ich mache im nächsten Jahr den B-Schein Leistungsfußball, werde mich neben meiner Familie meinem zweiten Hobby widmen und einige Tennisturniere bestreiten. Vielleicht packen wir mit dem TC Trinum auch noch den Aufstieg in die Landesliga. Ich hatte diverse Gespräche mit verschiedenen Mannschaften von der Landes- bis zur Regionalliga. In absehbarer Zukunft werde ich sicherlich auch wieder eine Mannschaft betreuen.

Wäre es für Sie vorstellbar, einen der Köthener Vereine zu übernehmen und ihn wieder etwas weiter nach oben zu führen?

Böhler: Erst einmal ist die Pause für mich wichtig. Es wird auch kein Problem sein, dass ich danach vielleicht nicht mehr im Gespräch bin. Ich kann jetzt aber noch nicht genau sagen, was ich danach machen werde. Die Aufgabe für die Zukunft muss reizvoll und vor allem langfristig sein. Natürlich werde ich sicherlich nicht in der Kreisliga anfangen. Aber ich bin für alle Gespräche offen.