Der Trainer Lutz Schülbe bei der Arbeit auf dem Trainingsplatz (FOTO: SCHULZ)
Es ist 9 Uhr. Der Geschäftsstellenleiter des Verbandsligisten BSV Ammendorf fährt auf das Vereinsgelände und holt als Erstes die Post. Nur Minuten später teilt der verantwortliche Platzwart die beiden Mitarbeiter für den Tag ein. Gegen 10 Uhr koordiniert der Manager die Terminplanung, um neue Sponsoren zu suchen oder Verträge auszuhandeln. Um 16 Uhr beginnt der sportliche Teil des Tages. Der Trainer und der Abteilungsleiter Fußball treffen ein und besprechen kurz den anstehenden Trainingsauftakt. Um 18.30 Uhr kommt die Mannschaft auf den Platz, eineinhalb Stunden lang Laufen, es beginnt schließlich die Vorbereitungsphase. Nach Trainingsschluss grillen die Spieler gemütlich zusammen. Immer mit dabei: Trainer, Manager, Geschäftsstellenleiter, Abteilungsleiter Fußball und natürlich der Präsident.
Es klingt alles so banal, so normal. Und doch ist das Geschilderte in Ammendorf ein bisschen anders als bei anderen Vereinen. Denn alle Posten beim Verbandsligisten besetzt Lutz Schülbe in Personalunion. Der 50-Jährige ist der Felix Magath von Ammendorf. Ein Vergleich, den er mit Schmunzeln nimmt: "Der einzige Unterschied ist, Magath bekommt dafür Geld, ich bringe noch welches mit", sagt Schülbe. Immerhin ist er mit seiner Versicherungsagentur auch noch einer der Hauptsponsoren.
Zu Beginn dieser Saison musste der ehemalige HFC-Erstliga-Stürmer zusätzlich zu seinen vier Aufgaben auch noch den Trainer-Posten übernehmen. Coach Rene Papst war zurückgetreten, weil er sich mehr um seine Familie kümmern wollte. "Ich hatte vier Wochen Zeit, einen Trainer zu finden. Es hat aber nie richtig gepasst, finanziell oder sportlich."
Also macht es Schülbe bis zum Saisonende selber und weiß seine vielen Funktionen mit Humor zu verkaufen. Die Gehaltsverhandlungen für den neuen Trainer, berichtet er, gestalteten sich einfach. In einem längeren (Selbst-)Gespräch zwischen Präsident Schülbe, Manager Schülbe und Trainer Schülbe war schnell entschieden, dass "ich das kostenlos mache", erzählt der Trainer. "Es wäre Schwachsinn gewesen, sich selbst zu bezahlen." Und noch etwas Positives hat seine Ämtervielfalt. Die Gehaltsverhandlungen und die Kaderplanung werden einfacher. Konflikte zwischen Präsident, Manager und Trainer bleiben definitiv intern.
Einen schmerzlichen Abgang aber musste Schülbe doch beklagen. Torjäger Enrico Kricke, der in der vergangenen Saison 18 Mal traf, wechselte in die Landesliga zum FSV Bennstedt. "Wir müssen sehen, dass wir ihn mannschaftlich ersetzen", sagt Schülbe, der auch die ehemaligen HFC-II-Spieler Marvin Peters und Besart Konxheli verliert.
Dennoch blickt Schülbe optimistisch auf die kommende Saison, in der er - nach Platz neun im letzten Jahr - wieder oben mitspielen will. "Wir haben mittlerweile so einen grundsoliden Ruf, dass Spieler bei uns vor der Tür stehen und unbedingt zu uns wollen. Die sind mir am liebsten." Dies gilt für die beiden Landesklasse-Spieler Oliver Opl (ESG) und Christoph Römling (Rot-Weiß Thalheim) sowie Andreas Richter (SV Großgrimma). Zudem will der Trainer verstärkt auf die eigene A-Jugend setzen.
Der Präsident hört es gern, denn finanzielle Risiken kommen für ihn nicht infrage: "Ich trage die Verantwortung für einen Verein, der sieben Abteilungen hat."
Klar ist für Schülbe, dass er zum Saisonende als Trainer wieder abtreten wird. Dann will er das Mannschaftstraining wieder entspannt mit einem Bier von der Tribüne aus verfolgen - als Präsident und Leiter der Geschäftsstelle.