Armstedts Kapitän Marcel Großmann läuft Benjamin Knaack und Torsten Gundlach (von links) davon. (FOTO: DETLEF LIEDMANN)
Die Spieler der zweiten Mannschaft des Halleschen FC sollen vor allem lernen für künftige, größere Aufgaben ihres Fußballer-Lebens. Und wenn die Verbandsliga eine Schulbank ist, dann haben die Rot-Weißen am Sonnabend in Arnstedt tatsächlich eine Unterrichtsstunde erhalten, die wohl noch auf Jahre im Gedächtnis bleiben wird. Da stürzte einiges auf sie ein, was in keinem Lehrbuch steht, was man auch auf keinem Trainingsplatz lernen kann.
"Meine Jungs sind durchs Feuer gegangen. Kompliment", sagte auch einen Tag nach dem Spiel Trainer Carsten Hänsel noch außer sich vor Begeisterung. Dass seine Mannschaft beim 2:2 zwei wichtige Punkte verloren hatte, Punkte, die am Ende möglicherweise zum Aufstieg in die Oberliga fehlen könnten, das war auch mit einigem zeitlichen Abstand ziemlich nebensächlich.
Mit einem 2:2 sind Edelweiß Arnstedt und der HFC II nach 90 Minuten vom Platz gegangen. Hänsel aber war sich nach der Schlussphase, in der sich die Ereignisse förmlich überschlagen hatten, sicher: "Wenn das Spiel noch fünf Minuten länger gedauert hätte, wäre es wäre 4:4 ausgegangen."
Dabei war 65 Minuten lang eigentlich so gut wie nichts passiert, so lange bis Arnstedts Christian Liegmann und Halles Martin Weber bei einem ganz normalen Zweikampf heftig mit den Köpfen zusammenrasselten. Während der Arnstedter relativ schnell wieder stand, lag Weber mehrere Minuten am Boden, konnte dann aber, immer noch stark blutend, aus eigener Kraft in die Kabine gehen. Trainer Hänsel musste wechseln und hatte eine geniale Idee. Er schickte ausgerechnet seinen Ersatztorwart David Tretropp auf den Platz. Und zwar in vorderste Linie als Stürmer. Hänsel: "Natürlich fehlen ihm da ein paar fußballerische Fertigkeiten, die braucht er ja sonst auch nicht. Aber er hat den Arnstedtern Probleme über Probleme gemacht."
Der HFC II war also am Drücker. Doch er fing sich ein dummes Gegentor ein. Nach einem abgefangenen Freistoß köpfte Enrico Mania unhaltbar für Felix Weiß, Halles Torwart Nummer eins, zum 1:0 für Arnstedt ein. Das war in der 78. Minute. Und dabei blieb es - bis drei Minuten vor Schluss.
Dann traf der kurzfristig zum Stürmer umfunktionierte Tretropp nur die Latte, den zurückspringenden Ball schaufelte Marko Trogrlic über die Linie. Wieder nur eine Minute später ging Arnstedt durch einen Kopfball von Stefan Horlbog erneut mit 2:1 in Führung. Doch das konnte die jungen HFCer an diesem Tag nicht mehr schocken. Im Arnstedter Strafraum ging es noch einmal drunter und drüber. Sebastian Dräger erwischte irgendwie den Ball und traf zum 2:2.
Mehr ging dann wirklich nicht mehr, weil Schiedsrichter Bernd Streich unmittelbar darauf dem munteren Treiben auf dem Platz mit dem Schlusspfiff ein Ende setzte und auch die Verletzungsunterbrechung mit Tretropps anschließender Einwechslung nicht mehr nachspielen ließ.
Die HFC-Spieler lagen sich in den Armen. "Nach dem dramatischen Spielverlauf in den letzten Minuten war das Unentschieden wie ein gefühlter Sieg", sagte Carsten Hänsel und keiner widersprach ihm. Nur Arnstedts Mannschaftsleiter Andreas Wendenburg konnte sich mit dem Unentschieden nicht so recht anfreunden: "Hätte die Abwehr kurz vor Schluss den Ball einfach mal in den benachbarten Garten gebolzt, wäre wohl der Dreier sicher gewesen." Sicher hatte Wendenburg recht, aber auf etwas so Einfaches, Alltägliches am Ende eines so aufwühlenden Spiels zu kommen - das war dann wohl doch zu viel verlangt. An einem Tag, an dem viele Lehrbuch-Weisheiten ohnehin außer Kraft gesetzt waren.
Der HFC II hat nun zwei Punkte Rückstand auf Askania Bernburg, das schon am Freitag 1:0 in Sangerhausen gewonnen hatte.