Sven Berthold. (ARCHIVFOTO: HEIKO REBSCH)
Es hätte einer dieser Tage werden können, an dem eine in allen Belangen überlegene Fußballmannschaft nach neunzig Minuten bedient den Platz verlässt und der verpassten Chancen nachtrauert. Der verwendete Konjunktiv lässt erahnen, dass es anders kam. Blau-Weiß Brachstedt, Tabellenführer der Landesklasse Staffel vier, setzte sich 2:0 gegen den VfB Gröbzig durch.
Es musste keine Frage nach dem verdient oder unverdient gestellt werden. Der Sieger musste Brachstedt heißen. Das fanden die Brachstedter und auch die Gröbziger. Vielmehr stellte sich die Frage, warum es so lange gedauert hatte, ehe das erste Tor gefallen war. "Wir sind angelaufen und angelaufen", erzählte Johannes Riemann nach dem Spiel. Der Brachstedter Verteidiger hatte seine Vorderleute aber reihenweise scheitern sehen. Und je länger dann die Belohnung auf sich warten ließ, desto unruhiger wurden die Gastgeber. "Wir sind schon merkbar nervös geworden", sagte Riemann. Vor allem, nachdem Kapitän Mirco Punde in der 61. Minute einen Elfmeter vergab. Ronny Klemens hatte den Strafstoß verursacht, als er Thomas Brandt von den Beinen holte. Eine richtige Entscheidung. Doch Gröbzigs Torwart Frank Herforth ahnte die Ecke und vereitelte den Rückstand.
Es war dann irgendwie bezeichnend, dass den spielstarken Gastgebern eine Standardsituation die Erlösung brachte. Der kurz zuvor eingewechselte Kevin Kluge trat die Ecke präzise auf den kurzen Pfosten, wo Riemann goldrichtig stand und den Ball unhaltbar ins Netz köpfte (66.). "Perfekt" nannte Riemann die geschossene Ecke. Der Sieg war es damit auch. Obwohl es bis zur 85. Minute dauerte, bis auch alle Eventualitäten beiseite geräumt wurden. Punde setzte sich an der rechten Außenbahn durch und flankte auf den kurzen Pfosten. Dort stand Kluge und drückte den Ball mit seinem Körper über die Linie. Der ansonsten starke Herforth sah da nicht glücklich aus, einen Vorwurf konnte man ihm aber nicht machen.
Schon gar nicht an der Niederlage. Überhaupt musste man den Gröbzigern im Nachgang Respekt zollen. Zwölf Spieler hatten die Fahrt von Gröbzig nach Brachstedt angetreten. Und mussten sich dann auf ungewohnten Positionen zurecht finden. Es fehlten schlichtweg die Alternativen. So spielte Ronny Klemens auf der Liberoposition für den arbeitsbedingt nicht anwesenden Frank Nell. Patrick Bädelt probierte sich als Außenverteidiger, Christopher Ahrendt versuchte sich im Mittelfeld. Ganz vorn mühte sich wie gewohnt Simon Nagel. Die weiteren offensiver ausgerichteten Gröbziger waren die Brüder Sven und Lars Berthold. Ersterer war gerade rechtzeitig wieder fit geworden. Ein Muskelfaserriss, den er sich im Spiel gegen den CFC Germania Köthen zugezogen hatte, war geheilt. Berthold zeigte, wie alle Gröbziger Spieler, eine kämpferische Leistung. Enttäuscht war er aufgrund der Niederlage nicht. "In so einem Spiel mit unserem dezimierten Kader kann man nur gewinnen", sagte er. "Wenn wir noch etwas länger das Gegentor vermieden hätten, wäre ein Punkt drin gewesen."
Es wäre einer Sensation gleich gekommen. Vergessen war da schon fast, dass die erste Großchance der VfB Gröbzig hatte. Einen langen Ball von Klemens klärte ein Brachstedter Spieler unplatziert genau in die Beine von Christian Klemme, der direkt auf den gestarteten Bädelt passte. Bädelt schoss den Ball direkt mit links am Keeper, aber eben auch um Haaresbreite am rechten Pfosten vorbei. Da war gerade eine Minute gespielt. Es blieb die einzige nennenswerte Gröbziger Chance.
Gröbzigs Trainer Jens Pabst war nach der Partie froh, dass es relativ knapp ausging. "Hätten die früh getroffen, hätte es für uns bitter werden können", sagte er. Doch das es nicht so kam, sprach er seiner Mannschaft zu. "Alle haben versucht, an einem Strang zu ziehen. Wir haben im Rahmen unserer Möglichkeiten ein gutes Spiel gemacht." Die Punkte, sagte er noch, müsse man eh gegen andere holen. "Vielleicht schon gegen Eisleben", so Pabst. Der kommende Gegner ist Tabellenzweiter.