Aues Testspieler Andreas Weigel schießt auf das HFC-Tor. Der Versuch war ungefährlich, und Jan Benes (l.) wäre zur Stelle gewesen. (FOTO: PICTURE POINT)
HFC-Trainer Sven Köhler hatte angekündigt, dass er hier in Grimma seine Startelf der Saison testen wolle. Und er sorgte für ordentlich Verwirrung. Beim Testspiel gegen den Zweitligisten Erzgebirge Aue überraschte er mit einer offensiven Aufstellung, die man ihm eigentlich gar nicht zugetraut hätte. Schließlich setzte er bislang konsequent auf nur einen Angreifer in der Zentrale. Aber Köhler wurde für den neuen, mutigen Weg mit einem 3:1 (1:1)-Sieg belohnt.
Der Trainer bot neben Neuzugang Nils Pichinot auch noch Andis Shala als zweiten Stürmer auf. Auf der rechten Außenbahn spielte Michael Preuß und links Toni Lindenhahn, statt wie gewohnt rechts. Die Zehner Telmo Teixeira-Rebelo und Anton Müller saßen ebenso auf der Bank wie Dennis Mast. "Ich habe kurz vor der Abfahrt erfahren, dass ich von Beginn an spiele. Es hat ganz gut geklappt. Das Vertrauen des Trainers tut gut", sagte Preuß. Und Köhler selbst, eigentlich ein Defensivfanatiker, freute sich diebisch über die geglückte Variante mit den beiden Stürmern.
Denn schon nach 17 Minuten traf Shala nach Flanke von Pichinot per Kopf. Alles richtig gemacht. "Ich kann heute noch nicht genau sagen, ob das die Aufstellung für das Spiel gegen Offenbach sein wird. Aber wenn wir so eine Variante für die Punktspiele nicht planen würden, hätten wir sie heute nicht geprobt", sagte Köhler. Auch an den schön herausgespielten Treffern von Telmo Teixeira-Rebelo (61.) und Erich Sautner (65.), die später kamen, hatte der Trainer seine Freude.
Köhler hatte vor dem schwersten Testspiel in der Vorbereitung angekündigt, die Spielanteile ab sofort nicht mehr gerecht auf alle zu verteilen. Jene Akteure, die sich in den letzten drei Wochen besonders angeboten hatten, sollten auch die Chance erhalten, sich in den vorläufigen Stamm zu spielen. Die Auswahl fiel nicht leicht, denn die Mannschaft der Vorsaison besaß einen Bonus.
Dass der Drittliga-Aufsteiger allerdings auch keine bloßen Ergänzungsspieler verpflichtet hat, zeigt die Tatsache, dass sich mit Innenverteidiger Pierre Becken und Angreifer Pichinot zwei Neuzugänge in der Anfangsformation wiederfanden. "Zu Beginn der Saison ist das immer ein wenig kompliziert", sagt Köhler. "Aber wenn ich schon im ersten Punktspiel merke, dass doch etwas nicht passt, muss ich auch Alternativen parat haben."
Oder auch bei einem Ausfall. Patrick Mouaya musste am Freitag pausieren, weil ihn ein Hexenschuss plagte. "Genau an meinem 28. Geburtstag. Man wird eben älter", sagte Mouaya lächelnd.
Nicht nur deshalb ist der Kampf um die beiden Plätze in der Innenverteidigung noch nicht entschieden ist, wie Köhler sagt. Diese Aussage freut die Betroffenen, denn jeder will am 21. Juli gegen Offenbach dabei sein. "Auch wenn ich mit ein paar Anlaufproblemen ins Trainingslager gestartet bin, ich habe immer gesagt, dass ich meinen Platz nicht freiwillig räumen werde. Das bleibt mein Anspruch", erklärt Steven Ruprecht.
Nicht anders sieht das Pierre Becken, der in Jena schon dritte Liga gespielt hat und "das Selbstbewusstsein besitzt, sich durchzusetzen", wie Köhler meint. Gegen Aue ließ dieses Duo nur wenig zu. Nur einen Ball musste Torwart Darko Horvat in der zweiten Hälfte halten. Und vorn zeigte der HFC, dass stürmische Zeiten Freude machen.