Ein Ball rauscht ins Netz. (SYMBOLFOTO: DPA)
Nach zwei Tagen harter Arbeit im Kraftraum und auf dem Trainingsplatz ließ es HFC-Trainer Sven Köhler gestern ruhiger angehen. Fußball-Tennis, ein wenig Flanken-Training stand an. Vor allem aber Elfmeterschießen, diese Disziplin, in den sich Torhüter so eindrucksvoll hervortun können. Und einer war dabei bis in die Haarspitzen motiviert: Franco Flückiger.
Seit gestern ist der 21-Jährige ganz offiziell die neue Nummer drei zwischen den Pfosten des HFC. Der Ersatz vom Ersatzmann. Eigentlich kein großer Deal in der Transferpolitik des Vereins. Und doch verspricht sich Köhler von dem neuen Mann einen Impuls. "Er soll sich ein Duell mit Jürgen Rittenauer um die Nummer zwei liefern", sagt der Trainer.
Das muss für Flückiger erst einmal ernüchternd klingen. Denn Köhlers Aussage heißt, dass es auf absehbare Zeit kein Vorbeikommen an der Nummer eins Darko Horvat gibt. Der neue Mann, der einen Ein-Jahres-Vertrag unterschrieben hat, weiß das auch. "Der Trainer wechselt diese Position normalerweise nie", sagt Flückiger.
Sein Blick geht deshalb eine Ebene tiefer. "Mein Ziel ist es, die Nummer zwei zu werden", sagt Flückiger. Und dabei hat er im Hinterkopf, dass dies ganz schnell auch den Weg Richtung Stammplatz bedeuten könnte. Denn die Bundesliga beweist seit Jahren: Nirgendwo ist das Pech des einen so sehr das Glück für einen anderen wie auf der Torwart-Position. Wenn sich die etatmäßige Nummer eins verletzt oder gesperrt ist, dann schlägt die Stunde der jungen Torhüter. Und wer dann überzeugt, hat alle Trümpfe in der Hand. Auch Nationaltorhüter Manuel Neuer hat so seine Karriere begonnen.
Flückiger will so weit noch nicht denken. Und er weiß, warum. "Man braucht sehr viel Glück, um die Nummer eins zu werden", sagt er. Doch wenn sich dieses Glück nicht einstellt, dann droht die Ersatzbank. So ist es dem Stendaler bei seinen beiden Stationen in Magdeburg und Fürth ergangen. Beim 1. FC Magdeburg blieb er die Nummer zwei hinter Matthias Tischer. "Der Verein hat mir klar signalisiert, dass ich keine Chance auf einen Stammplatz habe." Und auch nach seinem Wechsel zum Zweitligisten Greuther Fürth lief es nicht besser. Flückiger machte kein Spiel in der ersten Mannschaft, auch bei der Regionalliga-Reserve stand er nur achtmal im Tor.
Immerhin: Bei der Aufstiegsfeier mit 25 000 Fans war er dabei. Ein versöhnlicher Abschluss. Beim HFC hofft er jetzt auf das Glück des Nachwuchstorhüters. Und so schlecht stehen seine Chancen nicht. Darko Horvat ist schon 39 Jahre alt. Er denkt von Saison zu Saison.
Für den Ernstfall will Flückiger bereit sein. Er gehört zur Generation der jungen, mitspielenden Torhüter. "Ich bin technisch gut ausgebildet, strahle Ruhe aus und kann eine Abwehr dirigieren", so Flückiger. Mit 19 debütierte er unter Trainer Horst Hrubesch in der Junioren-Nationalmannschaft, machte vier Spiele. Überraschend für einen Torwart, der damals bei der zweiten Mannschaft von Magdeburg in der Oberliga spielte.
Seine persönlichen Glücksbringer trägt Flückiger auf beiden Armen: zwei große Tätowierungen, eine für seinen Vater, eine für seinen Großvater. Vielleicht hilft es ihm beim HFC.