Fußball: Ohne Foto keine Party

19.06.2012 18:21 Uhr | Aktualisiert 19.06.2012 19:04 Uhr
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Nicole Florack

Es kann losgehen: Nicole Florack und alle anderen Bad Schmiedeberger Fußballerinnen und Fußballer möchten am Mittwochnachmittag endlich den Anstoß zum großen Geburtstagsfest vollziehen. (FOTO: THOMAS KLITZSCH)

Von andreas richter
Seit mindestens 100 Jahren wird in der Kurstadt Bad Schmiedeberg Fußball gespielt. Das Jubiläum ist Anlass, um von Mittwoch bis Sonntag kräftig zu feiern.
bad schmiedeberg/MZ. 

Dass sie nicht der Fußballnabel des Landkreises Wittenberg sind, wissen die Rot-Weißen aus Bad Schmiedeberg selbst. Dies wollen sie auch gar nicht sein, der örtliche FSV gibt sich in dieser Beziehung bescheiden. Trotzdem gehört die begeisterte Jagd nach dem runden Leder zum festen Bestandteil des sportlichen Lebens in der Kurstadt. Dies nun schon mindestens seit 100 Jahren. Was der Grund ist, dass seit Mittwoch bis Sonntag gefeiert wird.

Ulf Thielebein, Mitglied des Organisationskomitees, freut sich jedenfalls, dass es endlich losgeht. "Ja, es war schon eine Menge Arbeit, die wir uns da auf den Tisch gezogen haben." Man habe sich aber gern dieser Aufgabe gestellt. "Der Fußball und dieser Verein in seinen verschiedenen Facetten gehört einfach zu der Stadt. Da kann man so ein Jubiläum doch nicht ignorieren."

Dabei war es gar nicht so einfach, genaue Anhaltspunkte für das Geburtstagsfest zu finden. Dass jetzt der 100. begangen wird, ist sogar nur einem alten Bild aus dem Jahr 1912 zu verdanken. Darauf zu sehen sind Mitglieder des damaligen FußBallClubs Bad Schmiedeberg. Zwar gehen alle davon aus, dass man auch zuvor schon dieser Sportart frönte. "Aber leider gibt es dazu keine weiteren Anhaltspunkte", erklärt Thielebein. Man habe im Vorfeld des Festes sehr intensiv geforscht.

"Es existieren aber weder schriftliche Hinweise in den Archiven noch Gründungs- oder sonstige Urkunden," so das Organisations-Mitglied. "Darüber haben wir uns schon ein wenig gewundert, aber wir müssen es halt so nehmen, wie es ist", sagt Thielebein. Man habe zumindest jenes Bild, "also können wir nun auch Geburtstag feiern."

Dreh- und Angelpunkt für das Festgeschehens ist der Sportplatz Lindenstraße. Einheimische nennen ihn sogar "Waldstadion". Wohl wissend, dass das Wort Stadion durchaus eine Übertreibung ist. Denn selbst FSV-Mitglieder sagen, dass man den Rasen wachsen hören könnte, so ruhig geht es dort zumeist zu.

Doch dies ist wiederum eine Untertreibung. Denn so groß ist die Ruhe dann doch nicht. Bis auf die Wintermonate läuft die Woche über der Trainingsbetrieb. Und am Freitagabend läuten die Alten Herren das Wettkampfwochenende ein. Es folgen am Sonnabend und Sonntag (jeweils abhängig vom Heimrecht) die Nachwuchsformationen, die beiden Männermannschaften (Kreisoberligaaufsteiger und Kreisklasse) sowie die Mädchen- und Damenteams. Auch akustisch ist dann wieder zu vernehmen, dass Fußball gespielt wird. Mit Trompeten, Pfeifen, Trommeln und anderen Eigenkreationen rücken die Bad Schmiedeberger Fans an, um ihre Teams zu unterstützen.

So wie bei vielen Vereinen in den Region, prägten übrigens in den vergangenen Jahrzehnten die beiden Weltkriege sowie die DDR-Zeit die Entwicklungen. Dabei schaffte es nie eine Mannschaft, höher als auf Kreisebene aktiv zu sein. Im Laufe der Jahre gab es auch einige Namenswechsel. Nach FußBallClub kam Chemie Bad Schmiedeberg, dann Turn- und Sportgemeinschaft. Den heutigen Namen Fußball-Sport-Verein Rot-Weiß Bad Schmiedeberg legte man sich mit der Neugründung 1991 zu.

Ulf Thielebein und seine Mitstreiter hoffen jetzt nicht nur auf schönes Wetter. "Am besten wäre es doch, wenn bis Sonntag ganz viele Besucher den Weg zu uns finden würden."