Fußball: Piesteritz siegt trotz Buspanne

19.08.2012 18:43 Uhr | Aktualisiert 19.08.2012 18:58 Uhr
Die grün-weißen Oberligafußballer des FC Piesteritz waren mit dem klaren Ziel zum Zorbauer Landesligisten gereist, dort als Sieger vom Platz zu gehen. Was sie dann auch hinbekamen. (FOTO: PETER LISKER) 
Von Michael hübner
Es geht doch: Der FC Grün-Weiß Piesteritz hat die erste Pokalhürde mit einem 3:1-Sieg bei Landesligist Blau-Weiß Zorbau souverän gemeistert - und das trotz einer Auto-Panne bei der Anreise.
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zorbau/MZ. 

Es geht doch: Der FC Grün-Weiß Piesteritz hat die erste Pokalhürde mit einem 3:1-Sieg bei Landesligist Blau-Weiß Zorbau souverän gemeistert - und das trotz einer Auto-Panne bei der Anreise! Genau das kann eigentlich gar nicht passieren. Schließlich startet die Tour der Fußball-Oberligisten mit zwei fast nagelneuen Kleinbussen. Doch die Besatzung im Fahrzeug mit dem amtlichen Wittenberger Kennzeichen FC 444 wird plötzlich auf eine harte Geduldsprobe gestellt.

Zunächst fällt bei der tropischen Hitze die Klimaanlage aus. Dann erscheint auf dem Display eine Fehlermeldung. Der Code deutet auf einen Motorschaden hin. Der Bus wird immer langsamer. Mit Ach und Krach erreicht er den Spielort. Dann geht gar nichts mehr. Das Tacho zeigt gerade mal 680 Kilometer an. Ein Weißenfelser Abschlepp-Unternehmen bringt das Fahrzeug in eine Werkstatt. Wahrscheinlich, so eine erste Diagnose, hat an einem Kabel ein Marder geknabbert.

"Eine schöne Story", sagt Manager Ingo Mattheuer voller Sarkasmus und betont, dass er das mit der Buspanne "schon langsam nicht mehr lesen kann". Der Grund für seinen Ärger ist leicht zu erklären: Im Vorjahr sorgt eine Panne vor dem Spiel in Stendal für das Pokal-Aus. "Die Schlagzeile für Montag steht doch schon fest", witzelt Heiko Wiesegart zum Entsetzen von Mattheuer.

Doch für das erhoffte Happy-End in der fast unglaublichen Geschichte muss erst einmal gewonnen werden. Aber Grün-Weiß - erstmals in einem Pflichtspiel steht Philipp Schlüter in der Start-Elf - kommt in der ersten Halbzeit ähnlich wie der Bus nicht auf Touren. Und das trotz einer schnellen Führung. Ein Freistoß von Kevin Gerstmann landet irgendwie im Netz (6. Minute). "Wir sollen Standards auf den langen Pfosten schlagen, in der Hoffnung, dass der Ball per Kopf verlängert wird", erläutert der Kapitän sein eigentliches Vorhaben. Doch kein Volkspark-Kicker erreicht das Leder, dafür aber Fabian Hietzscholdt, der in seinem ersten Pflichtspiel für Zorbau seinen Keeper Matthias Henze zumindest irritiert. "Ein klares Eigentor", wehrt Oliver Hinkelmann mögliche Glückwünsche an seinen Kapitän zum Treffer ab und hat die Lacher auf seiner Seite.

Bei seinem eigenen Treffer gibt es keine Fragen. Hinkelmann verwandelt einen Elfmeter - Vladimir Penev wird von Henze von den Beinen geholt - sicher (34.). Doch zwischen beiden Treffern gibt es eine Schrecksekunde. Auch die Platzherren treffen mit ihrer ersten echten Chance. Max Göhring lässt den auf der Linie verharrenden Schlussmann Daniel Zschiesche keine Abwehrchance. Das ist scheinbar die Arbeit eines coolen Torjägers. "Das bin ich nicht. Im ganzen vergangenen Jahr habe ich zwei Treffer erzielt", so der Zorbauer, der sich sicher ist, dass der Keeper keine Abwehrchance hat. "Auch wenn er aus dem Kasten stürmt, schiebe ich den Ball vorbei", sagt er selbstbewusst. Trotz des Ausgleichs habe er "nicht wirklich" an die Sensation geglaubt.

Allerdings erst in der zweiten Halbzeit wird der Oberligist vor 122 Zuschauern seiner Favoritenrolle gerecht. Die Kabinenpredigt von Cheftrainer Uwe Ferl hat wohl Wirkung gezeigt. "Dann, nach dem Wechsel, hatten wir gefühlte 75 Prozent Ballbesitz. Wir haben nichts mehr anbrennen lassen. Das war schon professionell", zeigt der Übungsleiter sich versöhnlich. Für die Entscheidung sorgt Penev im dritten Kopfballversuch. Zunächst scheitert er an Henze (60.), dann trifft er nicht (63). Und schließlich sind doch offensichtlich aller guten Dinge drei: Nach einer Flanke von Ladislav Stefke schafft der Angreifer das 3:1 (67.).

Während die Piesteritzer ihre Rückreise mit Autos planen und auf einen attraktiven Gegner in der nächsten Runde hoffen, wächst in Zorbau die Vorfreude auf die neue Saison. Die Kicker erwarten bei den Heimspielen prominenten Besuch: Bernd Bransch. Der Enkel der Fußball-Legende hat am Sonnabend sein erstes Spiel für Zorbau absolviert. Felix Bransch fällt dabei nicht sonderlich auf. Aber bei seinem bisherigen Verein, dem 1. FC Weißenfels, schaute der ostdeutsche Beckenbauer öfters vorbei.

FC Grün-Weiß Piesteritz:

Daniel Zschiesche, Philipp Schlüter, Daniel Gallin, Pawel Wojciechowski, Kevin Gerstmann (82. Florian Freihube), Vladimir Penev, Ladislav Stefke, Tim Körnig, Tim Hebsacker, Benjamin Witt (76. Tobias Klier), Oliver Hinkelmann