Fußball: Saison mit vielen Problemen

22.06.2012 18:59 Uhr | Aktualisiert 24.06.2012 22:14 Uhr
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Christoph Schwab

Christoph Schwab spielte am konstantesten. (FOTO: KANDEL)

Von RALF KANDEL
Der VfB Sangerhausen ist nicht aus der Fußball-Verbandsliga Sachsen-Anhalt abgestiegen, spielt im nächsten Jahr auch noch in der höchsten Spielklasse Sachsen-Anhalt. Und mit dem neuen Präsidenten Gerald Schramm weht jetzt ein frischer Wind durchs Friesenstadion.
SANGERHAUSEN/MZ. 

Die guten Nachrichten zuerst: Der VfB Sangerhausen ist nicht aus der Fußball-Verbandsliga Sachsen-Anhalt abgestiegen, spielt im nächsten Jahr auch noch in der höchsten Spielklasse Sachsen-Anhalt. Und mit dem neuen Präsidenten Gerald Schramm weht jetzt ein frischer Wind durchs Friesenstadion.

Das war es dann aber auch schon mit den positiven Aspekten, Negativ-Schlagzeilen lieferte der VfB dagegen in der Spielserie 2011 / 12 zu Hauf. Der freie Fall der Sangerhäuser nach dem Abstieg aus der Oberliga in der Serie 2007 / 08 ging unvermittelt weiter. Über die Plätze sechs, sieben und elf landeten die Sangerhäuser mittlerweile auf Rang zwölf im Feld der nur 15 Teams. Sieben Siege, aber 15 Niederlagen, kümmerliche 25 Punkte "zieren" das Konto. Sowohl zu Hause, als auch auswärts steht ein negatives Torkonto zu Buche. Ganze elf (!!!!) Treffer erzielten die Sangerhäuser in 14 Partien im heimischen Friesenstadion. Dazu kam ein beängstigender Zuschauer-Schwund. Nicht einmal mehr 100 Unentwegte kamen zu den Spielen, von Zuschauerzahlen wie bei den Kreisligisten Oberröblingen oder Brücken konnten die Verantwortlichen in der Kreisstadt oft nur träumen. Personal-Experimente, die fast schon grotesk waren, sorgten zudem für Diskussionsstoff. So zum Beispiel der Einsatz von Ersatz-Keeper Maik Bemmann als Feldspieler oder einige Partien, in denen Trainer Raik Olbricht nicht ein einziger Feldspieler als Einwechsler zur Verfügung stand. Apropos Trainer. Der Coach war dabei noch die "ärmste Sau im Dorf". Nach den Abgängen von Frank Schneider, Marcus Rauer, André Meyer und weiteren Stammspielern blieben ihm kaum Alternativen. Spieler wie Andrè Reis, Meik Rockstroh oder Micha Haselbacher und andere stiegen schon mit dem VfB II aus der Landesliga ab und wären wohl auch ohne Schützenhilfe aus der "Ersten" im vergangenen Jahr aus der Landesklasse abgestiegen. Für die Verbandsliga reichte ihr Können trotz aller eifriger Bemühungen augenscheinlich nicht. Das sahen die Spieler selbst, und auch Olbricht so. Der Trainer bescheinigte seinen Kickern zwar keinesfalls mangelnden Willen, aber eben mangelndes Können.

Dazu kommt die Tatsache, dass der VfB diesmal mit den Verpflichtungen von Spielern aus dem Ausland fast ausnahmslos daneben lag. Lediglich Igor Prodeljak überzeugte. Erinnert sei dagegen nur an Igor Shevts, der zwar bravourös stürmte, dann aber wegen Visa-Problemen in der Ukraine abtauchte. Oder das Trio an Brasilianern, die ebenso schnell, wie sie auftauchten, wieder verschwanden und meistens nur durch Disziplinlosigkeiten auffielen. Oder die Libanesen um Souleiman, dessen bemerkenswerteste Aktion ein in der 90. Minute beim HFC II verschossener Elfmeter war.

Wenn dann auch noch, wie geschehen, Leistungsträger wie Kapitän Trautmann oder der abwanderungswillige Pascal Ibold in ein "Loch" fallen, war nichts mehr zu retten. Debakel, wie gegen den HFC II, Völpke oder in Ammendorf, beweisen das nachhaltig. Daran ändern auch die "Strohfeuer", wie der Sieg gegen den FC Magdeburg II oder einige Überraschungs-Erfolge auswärts nichts.

Kurzum, die Saison 2011 / 12 war für den VfB eine Spielserie zum Vergessen. Lediglich Christoph Schwab, der sich längst als einer der besten Verbandsliga-Keeper etabliert hat, Kämpfer Lars Timpe und, schon mit Abstrichen Ibold und Trautmann machten ihre Sache überdurchschnittlich. "Christoph Schwab hat sensationell gehalten", so das Extra-Lob des Trainers. Die Jungen, um Christoph Trienke, Lukas Töpfger oder Tom Hetke zu führen gelang ihnen aber auch nicht.

So blieb den Sangerhäusern nur Dank der Insolvenz von Wolfen und dem freiwilligen Abstieg von Kemberg ein Zittern bis zum letzten Spieltag erspart.

Dennoch, für Raik Olbricht war es kein verlorenes Jahr: "Ziel war der Klassenerhalt und den haben wir geschafft. Mit dem Kader, der mir zur Verfügung stand, war einfach nicht mehr drin. Das gilt sowohl qualitativ, als auch quantitativ. Wenn mir einer vor der Saison gesagt hätte, wir werden zwölfter, hätte ich das sofort unterschrieben", sagt er.

Der VfB Sangerhausen ist also mit einem blauen Auge davongekommen. Noch so eine Saison kann sich der Verein allerdings nicht erlauben, dann droht der Abstieg. Das haben die Sangerhäuser mit Präsident Gerald Schramm an der Spitze erkannt und mit der Rückhol-Aktion von Schneider, Rauer, Meyer und den geplanten Transfers für die Serie 2011 / 12 ein Zeichen gesetzt.

Ob Raik Olbricht dann noch Trainer ist?: "Ich gehe davon aus", sagt der Coach.