Fußball: Warum versteckt sich der HFC vor den Fans?

02.07.2012 21:51 Uhr | Aktualisiert 02.07.2012 22:32 Uhr
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Ankunft in Pockau

Der HFC bei der Ankunft in Pockau. (FOTO: WORBSER)

Von Karl Ebert
Der Drittligist HFC bestreitet keinen Test vor heimischem Publikum. Allerdings gibt es dafür durchaus gute Gründe, vor allem wirtschaftliche.
Halle (Saale)/MZ. 

Sven Köhler setzt in dieser Woche im Training ganz besonders auf Spielformen. Angriffskombinationen, Torabschluss - immer wieder und immer wieder. "Wer bei diesen präzisen Eingaben das Tor nicht trifft, macht 20 Liegestütze", weist der Trainer des Drittliga-Aufsteigers Hallescher FC an. Erst nach und nach wird die Gruppe jener Spieler, die ihre Armmuskeln kräftigen müssen, kleiner. Die Präzision nimmt zu.

Das ist auch vonnöten, stehen doch am Dienstag gegen den Fünften der ersten tschechischen Liga, FK Teplice, und am Freitag gegen den FC Erzgebirge Aue die beiden wichtigsten Testpartien für die Rot-Weißen auf dem Programm. "Wir werden zwar auch noch ein wenig wechseln, aber diese beiden Partien dienen schon dem Einspielen einer Stammformation für den Punktspielstart in drei Wochen", sagt Köhler.

FC Fulham wurde heiß gehandelt

Fans, die den Zustand ihrer Rot-Weißen persönlich überprüfen wollen, müssen für diese beiden Spiele nach Großschirma unweit von Freiberg oder nach Grimma reisen. Denn seit Montag ist so gut wie sicher, dass der HFC vor dem Punktspielstart am 21. Juli gegen Kickers Offenbach kein Testspiel im heimischen Erdgas Sportpark austragen wird. "Nach der Absage von Leeds United waren mehrere ausländische Vereine, wie zum Beispiel Besiktas Istanbul oder Bolton Wanderers im Gespräch. Zuletzt wurde der Neunte der englischen Premier League, der FC Fulham, heiß gehandelt", sagt HFC-Manager Ralph Kühne. "Doch bis heute habe ich lediglich eine Absichtserklärung der Engländer vorliegen, aber keinen schriftlichen Spielvertrag. Und die Zeit der logistischen Vorbereitung für solch eine Partie wird jetzt zu knapp."

Während die Drittliga-Rivalen klotzen und ihren Fans noch das eine oder andere ganz besondere Häppchen vor dem Liga-Alltag präsentieren, bleibt der HFC seiner Tradition treu und bestreitet die Generalprobe gegen weitgehend namenlose, unterklassige Mannschaften. Die prominentesten von ihnen waren in der Vergangenheit noch die Zweitligisten FSV Frankfurt und Erzgebirge Aue. Dieses Niveau von Testgegnern bespielt die Köhler-Elf in dieser Woche. Favorit für die Generalprobe am 14. Juli ist jetzt eine Auswärtspartie beim Regionalliga-Aufsteiger VfB Auerbach.

Rein sportlich lässt sich diese Auswahl der Gegner immer begründen. "Das sind in dieser Woche zwei Hochkaräter innerhalb von nur vier Tagen, die uns alles abverlangen werden. Da darf es am letzten Wochenende auch noch einmal ein Regionalligist sein. Zumal wir in Auerbach immer unsere Probleme hatten", sagt Trainer Köhler. Aber er erklärt auch: "Würden wir in dieser Woche nur gegen Meuselwitz oder Plauen spielen, dann hätte ich für die Generalprobe auf einen hochkarätigen Gegner bestanden."

Wirtschaftliche Gründe

Das weiß auch Manager Kühne, denn er und Köhler sprechen solche Dinge in der Regel erst drei Mal miteinander ab, ehe sie sie öffentlich machen. Egal wie, gegen einen prominenten Kontrahenten für die Generalprobe sprechen vor allem wirtschaftliche Gründe. Die Antrittsgage für ein Premier-League-Team, die nach Erfahrungswerten anderer Vereine bei 60 000 bis 70 000 Euro liegt, ist nicht unerschwinglich.

Doch Kühne ist das Risiko zu hoch. "Wir müssen die Kosten für dieses Spiel, und damit meine ich nicht nur die Antrittsgage, sondern auch das Geld für Sicherheitsdienst, Ordner, Sanitäter und Schiedsrichter, ausschließlich über die Zuschauereinnahmen einspielen", erklärt er. "Und wir sind nicht davon überzeugt, dass dieser Kontrahent uns eine Woche vor einem wahrscheinlich ausverkauften Drittliga-Auftakt gegen Kickers Offenbach noch einmal die dafür nötigen 8 000 bis 9 000 Zuschauer in den Erdgas Sportpark zieht."