Tiger Woods ist in der Weltrangliste weiter auf dem Vormarsch. (FOTO: DPA)
Erst gab der Tiger einen wilden Schrei von sich, dann schüttelte er einer Golf-Legende ganz zahm die Hand: Als Tiger Woods seinen Beutezug fortgesetzt und seiner Karriere ein weiteres Erfolgskapitel hinzugefügt hatte, war Jack Nicklaus einer der ersten Gratulanten. Unweit seines Wohnzimmers, auf dem von ihm gestalteten Kurs in Dublin/Ohio, hatte der 72-Jährige auf den letzten Put von Nachfolger Woods gewartet. Dann war es Gewissheit: Seit Sonntagabend stehen die beiden US-Golfer auf einer Stufe.
Woods gewann das Turnier und schloss mit seinem 73. Pro-Tour-Erfolg zu Nicklaus auf. „In diesem jungen Alter mit Jack gleichzuziehen, fühlt sich besonders an“, sagte der 36-Jährige Woods, der bereits zum fünften Mal in Dublin triumphierte: „Wenn ich woanders gewonnen hätte, hätte ich nur mit Jack gleichgezogen. Es aber hier zu schaffen, wo er fast direkt neben mir steht, ist wirklich etwas Besonderes.“
Nicklaus selbst, der seinen 73. Sieg erst mit 46 Jahren erreicht hatte, freute sich mit Woods, wenngleich er nun den zweiten Platz in der Sieg-Statistik hinter US-Legende Sam Snead (82 Pro-Tour-Siege) mit seinem nur halb so alten Nachfolger teilen muss. „Ich habe mir gedacht: Wenn es Tiger schaffen sollte, dann würde ich es gerne hier sehen. Und die Art und Weise, wie er es geschafft hat, war großartig“, sagte Nicklaus. Vor allem vom Wahnsinns-Birdie auf dem Par-3-Loch 16 war er genau wie Protagonist Woods angetan. „Was für ein Schlag. Ich glaube, unter diesen Umständen habe ich niemals zuvor einen besseren gesehen“, sagte Nicklaus. „Es war einer der schwierigsten Schläge überhaupt. Ich habe ihn sanft gespielt und nicht geglaubt, dass er reingeht. Und plötzlich fällt er doch rein“, ergänzte Woods.
Aus über 14 Metern hatte der ehemalige Weltranglisten-Erste den Ball aus dem Rough ins Loch gechippt. Mit einem weiteren Birdie am Schlussloch stellte Woods unter Nicklaus' Augen den Sieg sicher. Mit insgesamt 279 Schlägen lag Woods nach Runde vier auf dem Muirfield-Village-Kurs, auf dem eine Statue von Nicklaus steht, zwei Schläge vor Andres Romero (Argentinien) und Rory Sabbatini (Südafrika). Er wiederholte bei dem mit 6,2 Millionen US-Dollar dotierten Turnier seine Erfolge von 1999, 2000, 2001 und 2009.
Zudem spielte sich Woods mit seinem zweiten Sieg nach der Sexaffäre 2009 in die Favoritenrolle für die US Open in San Francisco (14. bis 17. Juni). „Ich bin begeistert, wie ich den Ball am Wochenende geschlagen habe. Und das wird auch bei den US Open nötig sein“, sagte Woods, der beim zweitältesten der vier Major-Turniere 2008 seinen letzten großen Sieg gefeiert hatte. Es war der 14. Major-Titel seiner Karriere. Mit einem weiteren könnte er in dieser Statistik zumindest den Abstand zu Rekordmann Nicklaus verringern. Der 72-Jährige gewann bis 1986 18 Mal eines der vier großen Turniere.