Ohne Torwarttrainer geht es nicht, nicht jetzt in Pockau und auch schon nicht im Winter-Trainingslager in der Türkei, wie dieses Foto zeigt: Jens Adler mit Ersatz-Keeper Jürgen Rittenauer und Stamm-Torwart Darko Horvat. (FOTO: WORBSER)
Erst fliegt Darko Horvat von links nach rechts durch das Tor und wieder zurück. Nach einem schnellen Wechsel ist dann Jürgen Rittenauer dran und schließlich auch Pascal Nagel. Das geht drei bis vier Mal so, dann ist kurz Pause. Zeit zum Schweiß abwischen und zum Trinken. Alle drei ringen nach Luft. Doch schon wartet die nächste Übung auf das Trio. Mit dem Rücken zum Schützen ins Tor stellen und auf Zuruf umdrehen und den Ball abwehren.
Jens Adler lässt den drei Torhütern des Drittliga-Aufsteigers Hallescher FC keine Ruhe. Während die anderen Spieler im Stationsbetrieb ihre Wendigkeit unter Beweis stellen müssen oder kleine Spielformen proben, übt Adler etwas abseits von der Truppe mit den Torleuten. Während der einen Woche im Trainingslager in Pockau hat er etwas mehr zu tun, denn zu Horvat und Rittenauer kam noch Testkandidat Nagel aus Hannover. Für Adler kein Problem. "Normalerweise ist es gut, wenn drei Torhüter zum Team gehören. Zwei können dann immer die Spielformen mit der Mannschaft trainieren, während ich mir den dritten vornehme", erzählt der 47-Jährige.
Seit mehr als zehn Jahren ist der Ex-Keeper des HFC nun schon Torwarttrainer im Ehrenamt bei seinem Klub, für den er in seiner aktiven Zeit 198 Punktspiele bestritten hat. Für das Trainingslager musste Adler extra Urlaub nehmen. Ansonsten arbeitet er als Anlagenfahrer in Amsdorf. Jeden Tag fährt er von Halle mit dem Fahrrad die 20 Kilometer hin und auch wieder zurück. Zweimal in der Woche geht er zudem ins Fitness-Studio. "Wegen der Muckis", sagt er und muss dabei lachen. "Nein, aber ich will den Jungs ab und zu auch noch etwas vormachen. Da kann ich nicht mit Bierwanne vor ihnen stehen."
Adler denkt kurz nach und sagt: "Eigentlich bin ich ja bekloppt. Erst gehe ich acht Stunden in die Schicht und dann noch zwei- bis dreimal die Woche zwei Stunden zum Torwarttraining. Aber was macht man nicht alles für seinen Verein? Es macht mir auch Spaß."
Für ein paar Euro Aufwandsentschädigung im Monat macht Adler den Job. Ohne zu Jammern. Obwohl er natürlich weiß, dass andere schon in der Regionalliga ihr Geld damit verdienen. Der ehemalige Ligarivale RB Leipzig beschäftigt mit Perry Bräutigam einen hauptamtlichen Torwarttrainer. "Aber das sind Ausnahmen. Bei vielen Mannschaften selbst in der dritten Liga läuft das so wie bei uns. Ich habe die Arbeit eines Torwarttrainers in meiner Zweitligazeit bei Hertha BSC schätzen gelernt", sagt er.
Die HFC-Torhüter wie auch Trainer Sven Köhler loben Adlers Arbeit. Immerhin arbeiten sie mit einem Nationalspieler zusammen, dem letzten, den die DDR hervorgebracht hat. Zur Erinnerung: Im letzten Länderspiel gegen Belgien wurde Adler vom damaligen Auswahltrainer Eduard Geyer drei Minuten vor dem Ende eingewechselt.
Adler bringt also Know-how mit. Und das lobt auch Stamm-Keeper Darko Horvat. "Ich bin jetzt 39 Jahre alt. Ich habe bestimmt viel Erfahrung, aber ohne spezielles Torwarttraining ging es schon in der Regionalliga nicht. Und in der dritten Liga ist das noch viel wichtiger", sagt er. "Die Bewegungen eines Torwarts sind ganz andere als bei Feldspielern."
Trainer Köhler geht sogar noch weiter. "Dass Darko Horvat seit er bei uns ist diese beständig guten Leistungen bringt, ist das große Verdienst von Jens Adler. Und auch Jürgen Rittenauer hat von Adler schon viel gelernt", sagt Köhler. "Sicher könnten auch ich und Dieter Strozniak speziell mit den Torhütern üben, aber ein ehemaliger Top-Torwart weiß doch viel besser, worauf es ankommt."
Am Samstag um 18 Uhr bestreitet der HFC sein einziges Testspiel im Verlauf des Trainingslagers gegen den Aufsteiger zur Regionalliga Süd, Bayern Hof. Dann wird Köhler auch einen offensiven Mittelfeldspieler testen. Erich Sautner ist 20 Jahre alt und steht noch beim SC Freiburg unter Vertrag. Zweitligist SC Paderborn wollte Sautner verpflichten, aber die Breisgauer wollen ihn nur ausleihen. "Eine interessante Konstellation", sagt HFC-Manager Ralph Kühne. "Er soll in einem Nachwuchsländerspiel auf der linken Außenbahn eine starke Leistung geboten haben."