Spätestens seit dem Abschlusstraining gestern ist klar: Die Spieler des HFC wissen, wo im Erdgas-Sportpark die Tore stehen. (FOTO: ANDREAS LÖFFLER)
Der Satz ist einige Male gefallen. "Jungs, die hauen wir weg", hat Maik Wagefeld immer wieder gerufen. Eine Anfeuerung für seine Mitspieler am Freitag im Abschlusstraining zum Abschlussspiel. Die Ausgangslage im Aufstiegskampf ist klar: Der HFC ist Tabellenführer. Und er muss am Samstag gegen RB Leipzig mindestens genauso viele Punkte holen wie Holstein Kiel im zeitgleichen Duell beim VfL Wolfsburg II.
Weil am Samstag Fakten geschaffen werden, hat die MZ noch einmal im Kaffeesatz gelesen. Und dabei ist klar geworden. "Jungs, die haut ihr weg." Denn es gibt sechs - nicht ganz ernst gemeinte - Gründe für einen Sieg gegen die Rasenballer.
Ein ausverkauftes Haus mit echten Fans
Alle 15 000 Tickets für das Spiel am Samstag sind vergriffen. Es ist das erste ausverkaufte Spiel im Erdgas Sportpark seit der Stadioneröffnung. Mit Betonung auf ausverKAUFt. Denn anders als der Gegner wird der HFC am Samstag nur von echten Anhängern unterstützt, die unbedingt und mit ganzem Fan-Herz dabei sein wollen, und nicht von tausenden Zuschauern, die mal vorbeikommen, weil sie ihre Karte netterweise geschenkt bekommen haben. Die Atmosphäre wird also ihren Dienst tun - womit wir bei Punkt zwei sind...
Im Erdgas-Sportpark kann ein Gast nicht gewinnen
Natürlich ist RB Leipzig die auswärtsstärkste Mannschaft der laufenden Saison. Doch was zählt das? Der HFC hat im eigenen Stadion erst ein Spiel liegen gelassen. Und mit so viel Heimstärke kann RB nicht umgehen. Es gibt nur ein Team, das zu Hause - bei allerdings einem Spiel mehr - noch mehr Punkte gesammelt hat als die Hallenser: Holstein Kiel, das RB im eigenen Stadion die Grenzen aufgezeigt hat.
Der Torwart, der den Aufstieg festhält
Gibt es nicht dieses ungeschrieben Gesetz, wonach eine Saison immer so aufhört, wie sie angefangen hat? Nun gut, vielleicht haben wir uns das jetzt auch nur ausgedacht. Aber die Vorstellung ist zu gut. Am ersten Spieltag hatte der HFC schon einmal einen Aufstiegskonkurrenten zu Gast. Die Rot-Weißen gewannen 1:0 gegen Holstein Kiel, weil Darko Horvat einen Foulelfmeter abwehrte. So wird es wieder kommen. Der HFC hat einen Torwart, der den Aufstieg festhält. RB hat die Chance vorige Woche verspielt - wegen eines dicken Patzers von Torwart Pascal Borel, der zum 2:2 für Wolfsburg geführt hat.
Das Fußball-Gesetz der Regionalliga
Manche Dinge sind einfach statistisch unausweichlich. So ist es auch mit dem HFC-Aufstieg. Denn seit Einführung der jetzigen Regionalliga-Struktur in der Saison 2008 / 2009 hat es in keiner der drei Staffeln jemals einen Spitzenreiter-Wechsel am letzten Spieltag gegeben. Im Fußball-Gesetz ist festgeschrieben, dass sich das jetzt, da es im nächsten Jahr eine neue Struktur mit fünf Staffeln geben wird, auch nicht mehr ändern soll. Und nicht vergessen: 2009 hat sich der HFC artig an dieses Gesetz gehalten und Holstein Kiel den Vortritt in die dritte Liga gelassen. Es ist doch selbstverständlich, dass jetzt Zeit zum Zurückzahlen ist.
RB ist froh, wenn der HFC weg ist
Für einen Moment könnte man diesen Grund sogar für einen ganz ernsten halten. In dieser Saison gab es nur drei Teams, die um den Aufstieg gekämpft haben: Halle, Leipzig und Kiel. In der kommenden Saison teilt sich die aktuelle Regionalliga Nord in eine Nord- und Oststaffel. Wenn RB den HFC also durchwinkt in die dritte Liga, ist der Verein auf einen Streich beide Konkurrenten für die nächste Saison los, weil Kiel in den Norden wechselt. Und Carl Zeiss Jena wird nach dem Abstieg kein echter Konkurrent für die Bullen. Die RB-Devise lautet also: Mit einer Niederlage aufsteigen - im nächsten Jahr.
In Halle stimmt die Chemie
Zu guter Letzt mal Schluss mit den Scherzen. Sagen Fußballer nicht immer, dass das bessere Team gewinnen möge? Der HFC ist im Vergleich zu RB eine No-Name-Truppe - und trotzdem in der Tabelle vor dem Konkurrenten. Ein klares Indiz, dass die vermeintlich Namenlosen ganz ohne Ex-Bundesliga-Spieler als Team viel besser funktionieren. Und wenn es ein Spiel gegeben hat, das den Beweis dafür erbracht hat, dann jenes am 17. Spieltag: der 1:0-Sieg des HFC bei RB Leipzig - von allen in Halle bis heute als bestes Saisonspiel einsortiert. Wird also Zeit für das allerbeste Saisonspiel.
Der MDR überträgt das Spiel ab 13.30 Uhr live.