Hallescher FC: Das Duell um den Zehner

27.07.2012 20:45 Uhr | Aktualisiert 27.07.2012 21:27 Uhr
HFC-Spieler Telmo Teixeira-Rebello. (FOTO: LÖFFLER) 
Von Jan-Ole Prasse
Der Konkurrenzkampf beim HFC wird härter. Andis Shala will Telmo Teixeira-Rebelo verdrängen.
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Halle (Saale)/MZ. 

"Gut Andis, klasse Andis." Diese Rufe von HFC-Trainer Sven Köhler hallten beim Torschusstraining diese Woche des öfteren über den Platz. Der Adressat war klar: Andis Shala, der einen Ball nach dem anderen im Tor versenkte, mit teilweise traumwandlerischer Sicherheit. Und einer Portion Wut im Bauch. Denn zurzeit ist für ihn kein Platz in der Startelf. Beim ersten Spiel gegen Offenbach stand er gerade einmal 18 Minuten auf dem Platz. "Natürlich war ich angefressen, dass ich nicht von Beginn an gespielt habe", sagt Shala und klingt sauer.

Seine Verbannung auf die Bank war durchaus überraschend. Schließlich hatte er in den Testspielen in der neuen Rolle als "Zehner" überzeugt. Doch Köhler vertraute trotzdem Telmo Teixeira-Rebelo. Doch weil Shala, nicht wirklich aufbegehren will, fügt er pflichtbewusst hinzu: "Es ist für den Trainer aber auch schwer, er hat momentan in der Offensive einfach ein Überangebot."

Zu diesem Überangebot gehört eben auch Shalas Konkurrent Teixeira-Rebelo. Der war seinerseits der große Gewinner der Aufstiegssaison und ist seitdem mit viel Selbstvertrauen ausgestattet. "Ich nehme den Konkurrenzkampf an", sagt der 24-Jährige und schickt gleich eine klare Kampfansage an den Konkurrenten hinterher: "Ich gehe davon aus, dass ich spielen werde."

Das hieße: Shala bliebe wieder nur die Jokerrolle. Und in die will sich der Angreifer keineswegs so einfach fügen, zumal Teixeiras Leistung gegen Offenbach eher mäßig war (Durchschnittsnote 3,7). "Wenn der Trainer mich spielen lässt, dann macht er absolut nichts falsch", stellt Shala denn auch kämpferisch fest. Gegen Offenbach brachte der 23-Jährige nach seiner Einwechslung eben für den Rivalen noch einmal Schwung in die HFC-Offensive.

Platzhirsch hat die Nase vorn

Für das Spiel gegen den KSC wird aber aller Voraussicht nach Teixeira-Rebelo wieder den Vorzug erhalten. "Gegen Offenbach war es am Ende Andis Spiel. Die haben in Unterzahl gespielt und mussten kommen, da hatte er viel Raum", sagte Trainer Sven Köhler. "Aber gegen den KSC wird es eine ganz andere Partie. Die werden es nach dem unglücklichen Unentschieden gegen Heidenheim wissen wollen und gegen uns als Aufsteiger offensiv spielen."

Bei einer solchen Konstellation hat Teixeira-Rebelo viele Vorzüge, die Köhler auch klar benennt: "Telmo hält die Bälle und steckt eher mal durch." Er ist ein besserer Vorlagengeber für Mittelstürmer Nils Pichinot. Shala sei dagegen ein kopfballstarker, kämpferischer Spieler, der von seiner Schnelligkeit lebt. Gegen einen offensiven, aggressiven Gegner ist damit Teixeira-Rebelo die sicherere Lösung.

Shalas Dilemma: Er passt als Spielertyp nicht richtig in das bewährte HFC-System. Die Mannschaft agiert im Angriff in der Regel kombinationssicher und damit langsamer. Gift für die Ambitionen eines schnellen Konterspielers wie Shala. Zudem versucht es der HFC kaum mit hohen Flanken über die Außenpositionen. Wenn sich Toni Lindenhahn, Michael Preuß oder Erich Sautner auf ihrer Seite durchsetzen, dann gehen sie bis zur Grundlinie und spielen den schnellen Flachpass in die Mitte. Da steht Pichinot, der komplettere Stürmer. Shalas Kopfballstärke ist dagegen weniger gefragt.

Shala: "Meine Spiele kommen noch"

Teixeira-Rebelo hingegen ist im langsameren Aufbauspiel besser aufgehoben, gerade wenn es mit einem Steilpass schnell durch die Mitte gehen soll. Nicht von ungefähr fiel der Siegtreffer gegen Offenbach nach einem Pass in den Strafraum aus zentraler Position.

Allen grundsätzlichen Einwenden zum Trotz. Andis Shala will sich auf der Zehner-Position durchsetzen. "Ich sehe mich künftig als hängende Spitze, es ist für mich einfacher, wenn ich nicht ständig mit dem Rücken zum Tor stehe." Mit Köhler hat er vor dem Spiel gegen Offenbach schon über seine unbefriedigende Situation gesprochen. Shala: "Meine Spiele werden kommen. Spiele, in denen der Trainer meine Qualitäten braucht."