Der angeschlagene Steven Ruprecht schiebt Sonderschichten. (FOTO: WORBS)
Über Pockau im Erzgebirge lachte Freitagmorgen die Sonne, als die Kicker des Halleschen FC das frühzeitige Stören des gegnerischen Spielaufbaus probten. Obwohl Trainer Sven Köhler alles haargenau erklärt hatte, hakte es bei den ersten Versuchen. Einigen Spielern war anzumerken, dass am dritten Tag des Camps allmählich die Beine schwer werden. Und wenn es mit der Fitness nicht zum Besten ist, fehlen in der Regel auch ein paar Prozent an der Konzentration.
Einen störte das Ganze überhaupt nicht: Steven Ruprecht. Der Manndecker des Fußball-Drittligisten schob ohnehin eine Sondereinheit mit Physiotherapeut Hans Gottschalt. Dehnen und Strecken mit Medizinball auf der Gymnastikmatte sowie leichte Steigerungsläufe waren für ihn angesagt. Die Adduktoren zwicken wieder einmal. So war Ruprecht am Freitag auch nur Zuschauer, als seine Teamkollegen ihr einziges Testspiel im Trainingslager gegen den Süd-Regionalligisten Bayern Hof bestritten.
Das sogar recht ordentlich. Am Ende stand ein lockerer 3:0-Sieg zu Buche, bei dem 22 HFC-Kicker ran durften. Testkandidat Erich Sautner, ein Wirbelwind aus der Reserve des SC Freiburg, traf zum 1:0 (29. Minute). Die weiteren Treffer gingen auf das Konto von Telmo Teixeira-Rebelo (42.) und Angelo Hauk.
Ruprechts Problem nennen die Spieler und Verantwortlichen beim Halleschen FC scherzhaft das Pockau-Syndrom: Das Trainingslager hat kaum begonnen, schon ist Steven Ruprecht verletzt. Der Betroffene selbst kann darüber gar nicht lachen und wirft manchem Teamkollegen, der ihn belächelt, schon einmal einen bösen Blick oder ernsten Spruch zu. "Es nervt", sagt Ruprecht. "Im letzten Jahr habe ich eine Einheit hier in Pockau geschafft und bin dann zwei Wochen ausgefallen. Dieses Mal war schon nach einer halben Einheit Schluss." Als er sein Lachen wiedergefunden hat, nimmt er es mit Humor: "Vielleicht ist es ja ein gutes Omen. Schließlich sind wir mittlerweile aufgestiegen."
Trainer Köhler schickte den Innenverteidiger am Donnerstag sogar mit dem Auto zu Mannschaftsarzt Thomas Bartels nach Halle zurück. "Der Doc hat sich alles angesehen. Es ist nichts kaputt. Dann hat er mir acht Spritzen verpasst", erzählt Ruprecht. Bartels hat ihn nicht nur behandelt, sondern ihm auch Mut gemacht. "Ich muss nur ein paar Tage kürzertreten, dann geht das wieder."
Wo Ruprecht fehlt, müssen andere einspringen - und die Ersatzleute wittern nun ihre Chance. "Jeder von uns kämpft um einen Stammplatz in der dritten Liga. Das hat nichts mit der Verletzung eines Teamkollegen zu tun. So etwas kann einem schnell selbst einmal passieren", sagt Neuzugang Pierre Becken.
Ihn hat der HFC vom FC Carl Zeiss Jena geholt, um auf Ausfälle in der Innenverteidigung besser reagieren zu können als in der letzten Saison. Als Ruprecht oder Patrick Mouaya da nicht zur Verfügung standen, musste Sören Eismann Feuerwehr spielen.
"Die Gewähr, dass das in der dritten Liga auch so reibungslos klappt, hatten wir aber nicht", sagt HFC-Manager Ralph Kühne. Deshalb holten sie neben Becken auch Philipp Zeiger vom VFC Plauen. Eigentlich als Absicherung für die beiden gesetzten Sechser Maik Wagefeld und Marco Hartmann. Doch im Camp stellt sich heraus: Auch Zeiger kann Innenverteidiger spielen. Genau wie Ruprecht (1,95 Meter groß / 89 Kilogramm schwer) sind auch Becken (1,91 / 85) und Zeiger (1,94 / 85) Typen mit Gardemaßen.
Natürlich ist es Ruprecht nicht entgangen, wie sich seine Konkurrenten um einen Stammplatz in der Viererkette ins Zeug legen. Und prompt kommt auch seine Kampfansage: "Den Stammplatz nimmt mir keiner weg. Ich war letzte Saison sechs Wochen verletzt, bin ausgerechnet gegen RB Leipzig wieder zurückgekommen und war topfit", sagt er und ergänzt: "Ich habe eine leichte Veranlagung zu diesen speziellen Beschwerden. Es wird wohl immer mal wieder zwicken. Aber ich werde lernen, damit umzugehen."