HFC-Talent Kevin Zschimmer ist der beste Torjäger der Bundesliga. (FOTO: LÖFFLER)
Die Frage lag nah. Also musste Hagen Schmidt sie ganz am Anfang beantworten: "Kennen Sie eigentlich Nicolas Rayski?" - "Nicht persönlich, nur vom Namen her. Aber er hat sich ein großes Dankeschön verdient."
Aus Sicht von Hagen Schmidt, dem Trainer der A-Junioren des Halleschen FC, ist das eigentlich total untertrieben. Denn Nicolas Rayski hat eine wahre Heldentat vollbracht. Er sorgte in der 85. Minute des Bundesligaspiels der A-Junioren zwischen Union Berlin und dem FC St. Pauli mit seinem Treffer zum 2:2 für die Gäste dafür, dass sich der HFC auf sein viertes Jahr in der Bundesliga freuen darf. Bei einem Berliner Sieg wären die Rot-Weißen in die Regionalliga abgestiegen, weil sie am Sonntag zeitgleich ihr letztes Saisonspiel bei Werder Bremen mit 2:4 verloren.
85 Minuten lang abgestiegen, dann doch noch dem Desaster von der Schippe gesprungen. Schmidt wusste das Zeichen zu verstehen. "Nicht nur in Bremen, sondern über die gesamte Saison bin ich um einige Jahre älter geworden", sagt er. "Wir sind in 26 Spielen nie richtig von den Abstiegsplätzen weggekommen. Wir müssen dieses Ergebnis als einen Schuss vor den Bug verstehen und uns nächstes Jahr wieder rechtzeitig in Sicherheit bringen."
Profis brauchen guten Unterbau
Tatsächlich ist der Klassenerhalt von elementarer Bedeutung für den ganzen Verein. Gerade nach dem Drittliga-Aufstieg der ersten Mannschaft ist es wichtig, dass der HFC auf eine Leistungspyramide vertrauen kann. Heißt: Auf einen Unterbau, der es dem Verein erlaubt, in den nächsten Jahren immer mehr Spieler für die Männermannschaft zu entwickeln.
Die A-Junioren sind dabei ein wichtiger, gleichwohl nicht der einzige Baustein. "Der Aufstieg unserer ersten Mannschaft war nicht planbar. Die Saison-Strategie dahinter hatten wir aber klar festgelegt", erklärt HFC-Präsident Michael Schädlich. "Im Falle eines Drittliga-Aufstiegs sollte auch unsere zweite Mannschaft den Sprung in die Oberliga anpeilen, um den Abstand nicht zu groß werden zu lassen. Für die A-Junioren war das Ziel Klassenerhalt und für die B-Junioren der Regionalliga-Aufstieg. Dass das jetzt wirklich innerhalb eines Spieljahres alles in Erfüllung gehen könnte, ist ein Traum."
Und der ist auch dank der U 23 inzwischen mehr als greifbar. Die Mannschaft trennt nur noch ein Sieg aus den letzten beiden Verbandsliga-Partien von der nächsthöheren Spielklasse. Marcel Trojandt und Benjamin Knaack sorgten mit ihren Treffern zum 2:0-Erfolg beim Haldensleber SC dafür, dass bereits am Sonnabend nach dem Duell mit Verfolger Preussen Magdeburg wieder gefeiert werden kann.
Und mehr noch: Die B-Junioren sicherten sich am Sonnabend mit einem 9:1-Erfolg bei der JSG Union Dessau / Dessau 05 den Landesmeistertitel und müssen ab 18. Juni in zwei Aufstiegsspielen gegen den Nordberliner SC bestehen. "Wenn wir diese beiden Vorhaben noch verwirklichen können, dann haben wir als Verein eine Saison geschafft, die für unsere Bedingungen nicht besser geht", sagt Schmidt.
Mit dem Drittliga-Aufstieg, sprich der Rückkehr in den bezahlten Fußball, und dem Bundesliga-Klassenerhalt haben Männer und A-Junioren des Clubs zwei Grundvoraussetzungen erfüllt, dass der Verein bereits seit langem angedachte Ziele nun auch wirklich verfolgen kann. "Als Drittligist sollte es unser erstes Ziel sein, den Status eines vom Deutschen Fußball-Bund lizenzierten Leistungszentrums zu erreichen", sagt Schmidt. Auch er selbst wird dafür noch Leistung bringen müssen. Gleich nach dem Abpfiff in Bremen fuhr Schmidt in die Sportschule Hennef, wo seine zehnmonatige Ausbildung zum Fußball-Lehrer beginnt. Gemeinsam mit den Ex-Profis Jörg Böhme, Otto Addo und Alexander Schur.
Drei Junioren auf dem Zettel
HFC-Präsident Schädlich will künftig pro Jahr zwei bis drei Spieler aus dem Kreis der A-Junioren und der U 23 in die dritte Liga bringen. "Die Trainer Sven Köhler und Hagen Schmidt sind Typen, die so etwas schaffen können", sagt Schädlich. Die Namen der Junioren Dennis Carl, Dustin Scheibe und Kevin Zschimmer hat Manager Ralph Kühne lange auf dem Zettel.
Auch die Zeiten, als wie im Vorjahr gleich ein komplettes A-Junioren-Team weglief, scheinen vorbei. Und das obwohl ein ganzes Dutzend Spieler in den Männerbereich wechselt. "Wir werden jetzt in die Gespräche einsteigen. Bislang will keiner weg. Wir haben ja auch mehr anzubieten als vor zwölf Monaten. Die Oberliga ist schon eine Spielklasse, die die Jungs als Sprungbrett lockt ", sagt Schmidt.