Hallescher FC: Die Besten sind auch die Fairsten

08.05.2012 21:27 Uhr | Aktualisiert 08.05.2012 21:43 Uhr
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Sören Eismann

Verteidiger Sören Eismann ist mit neun Gelben Karten in dieser Saison der Rekordhalter beim Halleschen FC. (ARCHIVFOTO: LÖFFLER)

Von Karl Ebert
Kein Regionalligist hat so wenig Karten bekommen wie der Hallesche FC. Die Fairplay-Tabelle der Regionalliga Nord weist den HFC als Spitzenreiter aus mit 47 Punkten für 47 Gelbe Karten.
Halle (Saale)/MZ. 

Sven Köhler saß auf einem Turn-Schemel. Mal blickte er auf seine Stoppuhr, dann schaute er wieder lächelnd in die Runde. Der Trainer des Fußball-Regionalligisten Hallescher FC schien Spaß daran zu haben, wie seine Spieler beim Krafttraining in der Sporthalle Brandberge schwitzten. Eine Einheit, die Fußballer nicht mögen, "die aber einmal pro Woche sein muss, wenn sie 34 Spieltage fit sein wollen", wie Köhler sagte.

Seine Männer sind fit. Und so merkwürdig das klingen mag, ein Indiz dafür ist die Fairplay-Tabelle der Regionalliga Nord. Diese weist den HFC als Spitzenreiter aus mit 47 Punkten für 47 Gelbe Karten. Sollte das Team am Sonnabend mit einem Sieg beim ZFC Meuselwitz den Aufstieg in die dritte Liga schaffen, dann setzt es eine Tradition fort. Seit der Premiere der Liga 2008 / 09 würde dann zum dritten Mal jene Mannschaft aufsteigen, die auch in der Fairplay-Wertung auf Platz eins lag. Einzig der SV Babelsberg war 2009 / 10 nur Fairplay-Zweiter. Der HFC wäre sogar das erste Team, dem dies ohne einen Platzverweis gelingen könnte.

Nur vier gesperrte Spieler

Fair und erfolgreich hängt also offenkundig zusammen. Und Fitness ist durchaus ein wichtiger Faktor dafür. Spieler, die körperlich in Topverfassung sind und den Gegnern die Bälle ablaufen können, müssen weniger zu unlauteren Mitteln greifen, riskieren weniger Verwarnungen oder Platzverweise.

Doch bei der Suche nach Gründen kommt noch mehr Einleuchtendes zusammen. "Eine Mannschaft, die kaum gesperrte Spieler ersetzen muss, hat im Kader kaum Wechsel und kann eine Stamm-Elf einspielen", sagt HFC-Trainer Köhler. "Gerade bei unserem kleinen Kader von 18 Feldspielern, wo jede Verletzung ins Kontor schlägt, war es wichtig, dass mit Marco Hartmann, Maik Wagefeld, Sören Eismann und Angelo Hauk nur vier Spieler einmal ein Spiel wegen fünf Gelber Karten aussetzen mussten." Eine Saison muss aber nicht so optimal laufen, gibt Köhler zu bedenken. "Wenn wir Letzter wären und im Fairplay führen würden, hätten wir auch etwas falsch gemacht."

Hierarchie im Team muss stimmen

Gerd Schädlich, der den Chemnitzer FC letzte Saison als Trainer in die dritte Liga geführt hat, lag mit seiner Elf in der Fairplay-Wertung ebenfalls vorn. Auch seine Begründung leuchtet ein. "Wenn eine Serie gut läuft, dann treten die Spieler souveräner und gelassener auf. Die Folge sind weniger Verwarnungen für Reklamieren oder Beschimpfungen", sagt er. "Auch die Anzahl der Karten für taktische Fouls, mit denen routinierte Spieler ihr Team gern einmal aufrütteln, nimmt dann ab."

Wichtig ist auch, dass die Hierarchie in der Mannschaft stimmt. Das heißt, wenn ein Pfiff des Referees diskutiert wird, muss klar sein, wer das macht. "Wenn sich ein 19-jähriger Spieler aufregt, hat der schneller die Gelbe Karte, als wenn ein Maik Wagefeld kommt, den die Unparteiischen lange kennen und akzeptieren", sagt Köhler.

Kleiner negativer Nebeneffekt der Fairness. Der Mannschaftskasse des HFC hat die Saison nicht gutgetan. "Foulspiele kommen vor, die werden nicht bezahlt, nur Unsportlichkeiten", so HFC-Co-Trainer Dieter Strozniak. Davon gab es in dieser Saison keine.