Hallescher FC: Die Helden im Hintergrund

17.04.2012 22:35 Uhr | Aktualisiert 17.04.2012 22:48 Uhr
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Pyhsiotherapie

Pyhsiotherapeut Hans Gottschalt behandelt Jan Benes (links), sein Kollege Walter Moissejenko betreut Telmo Teixeira-Rebelo (im Hintergrund). (FOTO: A. LÖFFLER)

Von Karl Ebert
Der HFC kann sich mit seinem Mini-Kader im Aufstiegskampf keine Ausfälle leisten. Ärzte und Physiotherapeuten legen deshalb Sonderschichten ein.
Halle (Saale)/MZ. 

Hans Gottschalt eilt durch den HFC-Mannschaftstrakt im Erdgas-Sportpark. Der Physiotherapeut des Fußball-Regionalligisten wirkt ein wenig gehetzt. "Ich muss der kleinen Lady erst den Fernseher einschalten. Dann habe ich Zeit für euch", ruft er. Die kleine Lady ist Coralie, die Tochter von Spieler Patrick Mouaya, der draußen gerade seine Trainingsrunden dreht und zu den Sorgenkindern von Gottschalt gehört. Denn wenig später steht fest: Seine Bemühungen waren dieses Mal umsonst. Mouaya muss wegen einer Zerrung am Mittwoch in Halberstadt zuschauen.

Im ersten Moment ärgert es Gottschalt, wenn ein Spieler nicht wieder rechtzeitig fit wird. Doch dann sagt er: "Lieber ein Spiel ausgesetzt, ehe der Muskel ganz reißt und die Pause vier Wochen lang wird. Dann machen wir eben für Plauen am Sonntag einen neuen Anlauf."

Die Spieler hören auf ihre medizinische Abteilung. Was Mannschaftsarzt Thomas Bartels, Physiotherapeuten-Chef Jens Neumann, Gottschalt und Walter Moissejenko sagen, ist für die Fußballer Gesetz. Dafür sind die Mediziner auch rund um die Uhr für die Spieler da. Vor allem jetzt, in der Zeit der englischen Wochen mit Spielen im Drei-Tage-Rhythmus. "In den letzten beiden Wochen hätte ich keine Zeit gehabt, so zwischendurch mal Fragen von Journalisten zu beantworten. Da sind die Massage-Bänke gar nicht leer geworden. Einige Tage hätten 48 Stunden haben können und wir wären kaum fertig geworden", erzählt Gottschalt. Dabei ist egal, ob es sich um einen Wochen- oder Feiertag handelt. "Ostermontag, am Tag nach dem Landespokalduell in Magdeburg, hatte ich drei Stunden eingeplant. Am Ende bin ich nach sieben Stunden aus dem Sportpark nach Hause gefahren."

Die Arbeit geht auch bei den Physiotherapeuten an die Substanz. Doch sie fühlen sich zugehörig zum Team. In Zeiten der Aufstiegs-Euphorie legen halt alle noch eine Schippe drauf. Denn für Gottschalt bedeutet aus dem Sportpark fahren noch lange nicht Feierabend. "Manche Spieler kommen bereits lange vor dem Training zu uns. Mit anderen treffe ich mich nach den Einheiten auch noch einmal am Abend im Fitnessraum des Erlebnisbades Maya Mare, wo wir ganz abgeschieden arbeiten und angeschlagene Gelenke gezielt belasten und auch behandeln können", sagt er. Gleiches trifft auf Bartels und Neumann zu, die spezielle Fälle auch dann noch in ihren Praxen behandeln, wenn draußen längst die Straßenlaternen leuchten.

Trainer Sven Köhler schwört Stein und Bein auf das Team um Doc Bartels. "Ohne diese Rundum-Betreuung wäre das Unternehmen Drittliga-Aufstieg nicht möglich", sagt er. "Es grenzt schon fast an ein Wunder, dass wir mit unserem kleinen Kader ausgerechnet in den englischen Wochen die Tabellenführung erkämpft haben. Da haben alle um Bartels ihren Anteil dran."

Gottschalt hört das Lob des Trainers. Ihm und seinem Kollegen Moissejenko gehen die Worte runter wie Öl. Ein Lächeln huscht über ihre Lippen. Doch lange freuen können sie sich darüber gar nicht, denn schon liegen nach dem gerade beendeten Training mit Jan Benes und Telmo Teixeira-Rebelo die nächsten beiden Spieler auf den Massage-Bänken.

Auch wenn es für Mouaya dieses Mal nicht gereicht hat, mit ihren heilenden Händen vollbringen die Physiotherapeuten manchmal kleine Wunder. So wie bei Anton Müller und Teixeira-Rebelo. Beide drohten für das Landesderby gegen den 1. FC Magdeburg auszufallen. Müller hatte muskuläre Probleme, Teixeira-Rebelo spürte am Tag vor dem Spiel seine rechte Wade nicht mehr. Am Ende waren beide fit, auch wenn nur Teixeira-Rebelo spielte. Wenige Minuten nach dem Tor zum 3:0 holte Köhler den enttäuscht dreinblickenden Spielmacher vom Platz. Nur zur Schonung. Auch die Trainer müssen bei der Rundum-Betreuung mitspielen.

Weitere Informationen zum HFC unter: www.mz-web.de/hfc