Als alles schon vorbei war, übernahm der Chef persönlich die Hilfsarbeit als Balljunge. "Jeder noch zehn Minuten individuell beschäftigen", hatte HFC-Trainer Sven Köhler seinen Spielern zugerufen. Und während sich die Hälfte an Lockerungs- und Dehnübungen machte, schlugen andere noch ein paar Flanken oder probten Freistöße. Wie Erich Sautner. "Das ist ganz schön dreist, den Trainer deine Bälle einsammeln zu lassen", rief Kapitän Maik Wagefeld dem Flügelflitzer im Spaß zu. Doch der konterte: "Meine Bälle liegen im Netz, Käpt'n. Das müssen eure Bälle sein."
Der Neuzugang des Fußball-Drittligisten strahlt vor dem heutigen Ostderby gegen Rot-Weiß Erfurt Selbstbewusstsein aus. Dabei hat er in den ersten beiden Punktspielen gerade einmal 15 Minuten mitmachen dürfen. Doch die Zeichen stehen auf Wechsel, stehen darauf, dass er gegen die Thüringer eine Chance von Beginn an bekommen wird. "Ich mache mich nicht verrückt. Der Trainer wird das morgen 90 Minuten vor dem Spiel entscheiden. Und dann ist es eben so oder nicht", sagt Sautner.
Sven Köhler macht ihm indirekt Hoffnung. "Es fehlt uns bislang an Durchschlagskraft. Und in unserer Offensive hat noch kein Spieler solch starke Leistungen angeboten, dass er gesetzt ist."
Ein Flügelflitzer fehlt
Der Trainer vergab gestern nur acht blaue Leibchen. Die sind ein deutliches Indiz dafür, wer im Spiel beginnen wird. Aber es standen ja auch nur 16 Feldspieler auf dem Platz. Doch die Tatsache, dass unter den Blauen ein Zehner und ein Mann für die Außenbahn fehlten, ließ erahnen, welche Positionen für Köhler noch vakant waren.
Manager Ralph Kühne hatte unter der Woche eine Besetzung der linken Seite mit Nico Kanitz in der Abwehr und Erich Sautner davor als nur schwer umsetzbar bezeichnet. In Anspielung auf die Körpergröße der beiden von nur 1,69 Metern meinte Kühne in der Bild-Zeitung wahrscheinlich nicht ganz ernst: "Wir können Sautner nicht vor Kanitz spielen lassen. Die beiden sind doch insgesamt nur so groß, wie ein Spieler des Gegners." Aber nach den Eindrücken im Training gestern ist der Aufstand der Zwerge heute sehr wahrscheinlich.
Nico Kanitz kann mit allen Varianten leben. "Mir ist egal, wer vor mir spielt. Ich werde mich mit jedem Mitspieler arrangieren", sagt er. "Für mich ist wichtig, dass ich wieder eine Topleistung bringe und meine beiden letzten Spiele bestätigen kann." Und auch Sautner findet nichts daran, dass die Erfurter Gegenspieler auf dieser Seite - Igor Jovanovic (1,86 Meter), Kevin Möhwald (1,83 Meter) und Mijo Tunjic (1,88 Meter) - allesamt größer sind. "Nico und ich spielen lange genug Fußball. Wir mussten uns schon oft auf solche Konstellationen einstellen", erklärt er. Sautner verlässt sich ganz auf den Trainer. "Denn die Taktik wird er so basteln, dass wir auf hohe Bälle reagieren können. Am besten, wir spielen so, dass der Gegner nicht zu Flanken kommt."
Auch Köhler muss über die Bemerkung seines Managers lächeln. "Ich weiß nicht, in welchem Zusammenhang Ralph Kühne das gesagt hat. Deshalb würde ich da vorsichtig sein", sagt er. "Wenn wir solche Besetzungen nicht planen würden, hätten wir die Spieler doch gar nicht geholt." Und der Trainer hält weiter dagegen: "Wenn Nico Kanitz und Toni Lindenhahn auf der linken Seite zusammenspielen, haben wir auch nur sechs Zentimeter Körpergröße mehr auf dem Platz. Und die beiden haben oft bewiesen, dass sie das können."
Köhler: "Wir wären noch variabler"
Direkt auf den Einsatz Sautners von Beginn an angesprochen, sagt der Trainer: "Es ist eine denkbare Variante. Mit Sautner und Lindenhahn wären wir noch einen Tick variabler. Die beiden können auf beiden Seiten spielen und würden durch mehrmalige Wechsel auch Überraschungen schaffen." Mit Dennis Mast oder Michael Preuß funktionieren diese Wechsel nicht. Da muss sich Lindenhahn anpassen. Aber die beiden Letztgenannten hatten bereits ihre Chancen gegen Offenbach und Karlsruhe. Für einen Stammplatz in der Offensive reichte ihre Leistung nicht, wie Köhler eingangs bestätigte. Also spricht doch alles für Sautner.
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