Hallescher FC: Ein Verein an Krücken

01.08.2012 22:17 Uhr | Aktualisiert 01.08.2012 22:22 Uhr
Der verletzte Sören Eismann an der Seitenlinie. Nun ist er zurück im Training. (FOTO: WORBSER) 
Von Jan-Ole Prasse
Das Lazarett des Halleschen FC weitet sich von der Abwehr auf den Sturm aus. Andis Shala wird gegen Erfurt nicht spielen können, Nils Pichinot ist angeschlagen.
Drucken per Mail
Halle (Saale)/MZ. 

Einer stand gestern beim Training des Halleschen FC im Mittelpunkt, von dem sich der Verein eigentlich wünscht, dass er beschäftigungslos ist. Physiotherapeut Hans Gottschalt musste während des halbstündigen Trainingsspiels gleich drei Verletzte behandeln. Die Stürmer Andis Shala und Nils Pichinot humpelten im Trainingsspiel beinah zeitgleich mit Muskelproblemen vom Platz. Nur kurze Zeit später folgte Marco Hartmann mit einer blutenden Platzwunde am Kopf. Alle drei musste Gottschalt nach kurzer Behandlung in Eigenregie zu Mannschaftsarzt Martin Pyschik schicken, der Urlaubsvertretung von Thomas Bartels. "Und eigentlich hatte ich ihm heute Morgen noch gesagt, dass alle fit sind", erklärte Gottschalt.

Was zunächst nur nach einer kleinen Episode klang, stellte sich am frühen Nachmittag als ernsteres Problem für den HFC heraus. "Ich habe eine Zerrung im Oberschenkel und werde wohl am Sonnabend nicht mitmachen können", sagte Shala enttäuscht. Gerade hatte er sich im letzten Spiel gegen Karlsruhe in die Startelf gekämpft und Telmo Teixeira-Rebelo von der Zehner-Position verdrängt.

Sauer auf jemanden konnte er aber nicht sein. "Es war ohne Fremdeinwirkung, ich bin kurz angetreten und habe dann gemerkt, dass der Muskel von Minute zu Minute fester wurde." Die nächsten zwei Tage hat Pyschik ihm Ruhe verschrieben. "Natürlich ist das bitter, aber ich bin froh, dass es nichts wirklich Ernstes ist, das mich wochenlang zurückwirft", so Shala.

Damit hat das HFC-Lazarett für das kommende Heimspiel gegen Erfurt aber nach der Abwehr, hier gehen Sören Eismann und Pierre Becken schon auf Krücken, nun auch den Angriff erreicht. Denn Mittelstürmer Pichinot ist ebenfalls angeschlagen. "Ich habe schon gegen Karlsruhe einen Schlag auf den Oberschenkel bekommen und jetzt noch einmal auf die gleiche Stelle", sagte der 22-Jährige. Nach der ärztlichen Untersuchung gab es erstmal eine Teilentwarnung. "Es ist alles halb so wild, ich kann die nächsten Tage ganz normal im Training mitmachen", so Pichinot. Ein erneuter Schlag auf die gleiche Stelle könne aber seinen Einsatz am Sonnabend gefährden.

In diesem Fall würde sich nach der Abwehr auch der Sturm von selbst aufstellen. Übrig bliebe auf dieser Position einzig Angelo Hauk, der in den bisherigen zwei Spielen gerade einmal 34 Minuten zum Einsatz kam. Schon nach drei Spieltagen könnte damit der kleinste Kader der dritten Liga an seine Grenzen stoßen.

Immerhin: Von Marco Hartmann, dem dritten Verletzten des Trainingsspiels, gab es gestern doch noch gute Nachrichten. "Alles nicht so schlimm, das passiert immer mal im Training. Mein Einsatz gegen Erfurt ist absolut nicht gefährdet", sagte der bisher einzige HFC-Torschütze. Er trug ein dickes Pflaster über dem linken Auge. Hartmann war zuvor mit Innenverteidiger Patrick Mouaya im Kopfballduell zusammengestoßen.

Gute Signale kommen unterdessen von den verletzten Verteidigern Pierre Becken und Sören Eismann. Becken hat seine Operation nach dem Mittelfußbruch gut überstanden. "Der Gips ist seit einer Woche ab, ich mache jetzt jeden Tag Reha." Dazu gehöre vor allem Krafttraining für den Oberkörper. "Ich muss darauf achten, dass ich nicht vollkommen außer Form komme." Ansonsten muss er den Fuß den restlichen Tag hochlegen. Olympia hat damit einen prominenten Zuschauer mehr. "Eigentlich wollte ich mir nur Schwimmen anschauen, aber jetzt verfolge ich unfreiwillig alle Wettkämpfe", meint der 24-Jährige.

Auch bei Sören Eismann bessert sich der Innenbandanriss langsam. Zumindest kam er um eine Operation herum. Der 24-Jährige trägt stattdessen Tag und Nacht eine Schiene, damit das Band wieder zusammenwachsen kann.

Durch die Verletzungssorgen wird der angekündigte Transfer auf der Rechtsverteidiger-Position immer dringender. Dennoch konnte der HFC bisher noch keinen Vollzug melden. "Wir sind mit zwei, drei Spielern im Gespräch", sagte Trainer Sven Köhler nur. Also heißt es im Training aufpassen, dass keine weiteren Ausfälle dazukommen. Gestern Nachmittag machte Gottschalt Entspannungstraining mit der Mannschaft.