Hallescher FC II: Oberliga - was soll das?

08.06.2012 22:51 Uhr | Aktualisiert 08.06.2012 22:55 Uhr
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Preussen-Trainer Dirk Hannemann

Preussen-Trainer Dirk Hannemann hätte sich einen zweiten Oberliga-Aufsteiger aus Sachsen-Anhalt gewünscht. (FOTO: IMAGO)

Von Karl Ebert
Vor dem Verbandsliga-Gipfel HFC II gegen Preussen erklärt Landeschef Werner Georg den Verzicht auf einen zweiten Aufsteiger. Seine Kritik ist heftig.
Halle (Saale)/MZ. 

Zwanzig Jahre nachdem er das Trikot des Halleschen FC ausgezogen hat, kehrt Dirk Hannemann heute an seine einstige Wirkungsstätte zurück. Nur mit einem Unterschied. Heute will er mit den Rot-Weißen nichts gewinnen, sondern ihnen etwas streitig machen. Und das ist die Fußball-Landesmeisterschaft. Nur mit einem Sieg beim Spitzenreiter HFC II können sich der Trainer und sein Team von Preussen Magdeburg die letzte Chance erhalten. "Der HFC hat mit dem Drittliga-Aufstieg eine tolle Leistung vollbracht - mein Glückwunsch. Aber mein Herz schlägt mittlerweile blau-weiß", sagt der ehemalige HFC-Mittelfeldspieler.

Hannemann kommt mit einer richtigen Portion Wut im Bauch zu diesem Endspiel. Denn eigentlich hätte es keines mehr sein müssen. Wenn der Fußball-Landesverband im Mai das Angebot des Nordostdeutschen Verbandes (NOFV) angenommen und sich für einen zweiten Aufsteiger in die Oberliga entschieden hätte. Dann wäre die HFC-Reserve bereits durch und die Preussen so gut wie. "Das ist einfach schade. Sachsen-Anhalt verwaist auf der Fußball-Landkarte und der Verband trifft solche Entscheidungen, die nicht nachvollziehbar sind", sagt Hannemann.

Er fühlt sich vom Landesverband schlecht vertreten. "Der Verband soll seine Mannschaften fördern. Das ist nicht der Fall. Wir bekommen immer wieder Steine in den Weg gelegt. Die Funktionäre sollten verstärkt das Gespräch mit den Vereinen suchen und nicht nur beim Staffeltag auftreten."

Landespräsident widerspricht

Das will Werner Georg, der Präsident des Landesverbandes so nicht stehen lassen. "Wir haben eine Spielordnung, in der steht, dass Auf- und Abstieg vor Beginn einer Saison geregelt sein müssen. Nur daran haben wir uns gehalten", sagt Georg. "Als wir diesen Grundsatz vor fünf Jahren einmal nicht beachtet haben, sind die Vereine gegen den eigenen Verband bis vor Zivilgerichte gezogen. Das brauche ich nicht wieder."

Georg geht in der Aufstiegsdebatte sogar noch einen Schritt weiter. "Wenn ich die Entwicklung der Oberliga sehe, dann muss ich die Vereine Sachsen-Anhalts eigentlich vor einem Aufstieg beschützen", erklärt er. Nach der erneuten Teilung der Regionalligen in fünf Staffeln haben die Oberligen aus seiner Sicht ihre sportliche Bedeutung verloren. "Wenn ich sehe, dass es schon in dieser Saison in Sachen Abstieg um nichts ging und unsere beiden Vereine dann auch noch auf den letzten Tabellenplätzen stehen, muss ich mich ernsthaft fragen, was das soll", so Georg. "Vor fünf Jahren, im Jahr des HFC-Aufstiegs, stellte die Oberliga noch etwas dar. Heute ist sie nur eine Auffüller-Liga."

Was wie eine streitbare These klingt, ist von den Fakten durchaus untermauert. In der laufenden Saison zogen sich mit Borea Dresden, dem 1. FC Gera (beide Staffel Süd), Türkiyemspor Berlin und nun auch noch Germania Schöneiche (beide Staffel Nord) vier Vereine aus der Oberliga zurück. Und auch die jetzige Nachrücker-Regelung droht zur Farce zu werden.

Beispiel Thüringen: Der Verband hat zwei Aufstiegsplätze. Meister Wacker Nordhausen will in die Oberliga, die Verfolger Eintracht Sondershausen und Einheit Rudolstadt nicht. Motor Altenburg als Viertplatzierter wäre bereit, darf aber nicht, weil er die vom NOFV geforderte Anzahl an Nachwuchsteams nicht hat.

Beispiel Mecklenburg-Vorpommern, das nun Sachsen-Anhalts Platz übernommen hat: Meister FC Greifswald will, der Rest nicht. Also steigt der SV Waren 09 als Vierter auf. "Das ist doch ein Witz", sagt Georg.

Sein Vorschlag: "Wir sollten die Oberligen auflösen und die Mannschaften wieder in die höchste Spielklasse der Landesverbände einordnen. Dann müssen sie zwar Aufstiegsspiele zur Regionalliga bestreiten. Aber dort würden sich dann wenigstens die stärksten Teams durchsetzen."

Hannemann hat ein letztes Ziel

Für Dirk Hannemann ist die ganze Diskussion mittlerweile erledigt. "Der Verband hat festgelegt, dass es bei einem Aufsteiger bleibt. Aus. Wenn wir das am Ende nicht sein sollten, ist nicht der Verband daran schuld, sondern wir selbst, weil wir beispielsweise in Amsdorf oder Kemberg einige Punkte leichtfertig liegengelassen haben."

Ein Grund für seine Entlassung soll der wohl verpasste Aufstieg aber nicht gewesen sein. Denn Hannemann sitzt heute zum letzten Mal auf der Trainerbank der Preussen. "Ich war mit unserem Abteilungsleiter zuletzt nicht immer auf einer Wellenlänge. Da hat er mir eben nach vier Jahren den Stuhl vor die Tür gesetzt. Wenn wir in Halle mit einem Sieg auf Platz eins klettern, wird er vielleicht merken, dass das falsch war."

Den Sieg will allerdings auch sein HFC-Kollege Carsten Hänsel. "Wir werden geduldig, aber von Beginn an auf Sieg spielen", kündigt er an. "Das Rezept hat letzte Woche in Haldensleben gut gepasst, als wir mit zwei schnellen Toren in der ersten Halbzeit bereits die Entscheidung herbeiführen konnten."

Und der HFC hält sich auch nicht lange mit Vorreden auf, sondern setzt die Ankündigungen von Nachwuchsleiter Hagen Schmidt in Taten um. Mit Stephane Mvibudulu, Dennis Carl und Bundesliga-Torschützenkönig Kevin Zschimmer rücken heute gleich drei A-Junioren in den Verbandsliga-Kader.