Hallescher FC: Jetzt spricht der Dirigent

24.04.2012 22:45 Uhr | Aktualisiert 24.04.2012 22:51 Uhr
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Maik Wagefeld

Maik Wagefeld hebt auf dem Feld wie ein Dirigent die Arme und gibt Kommandos an die Kollegen. Er ist der Kopf im Mittelfeld des Halleschen FC. (FOTO: ANDREAS LÖFFLER)

Maik Wagefeld, der Kopf im Mittelfeld des Halleschen FC, erklärt die erstaunliche Entwicklung der Mannschaft und den möglichen Aufstieg.
Halle (Saale)/MZ. 

Der Hallesche FC steht kurz vor dem Aufstieg in die dritte Fußball-Liga. Bereits am Freitag kann die Mannschaft im Auswärtsspiel bei Energie Cottbus II einen weiteren wichtigen Schritt tun. Einer der Väter dieses Erfolges ist Maik Wagefeld. Der 31 Jahre alte Mittelfeldspieler kam im letzten Sommer von Dynamo Dresden zum HFC. Mit ihm sprach unser Redakteur Karl Ebert.

Herr Wagefeld, haben Ihre Teamkollegen eigentlich schon einmal bei Ihnen nachgefragt, wie sich ein Aufstieg so anfühlt?

Wagefeld: Nein, das nicht. Aber es stimmt natürlich, dass es schon mein vierter Aufstieg wäre. Ich bin mit Dynamo Dresden von der vierten in die dritte Liga und dann von der dritten in die zweite Bundesliga geklettert. Und mit Hansa Rostock habe ich den Erstliga-Aufstieg erlebt. Solche Erlebnisse haben etwas. Jeder Aufstieg bleibt auf seine besondere Weise im Gedächtnis haften. Es sind unheimlich schöne Gefühlte für einen Sportler.

Hand aufs Herz: Zu wie viel Prozent sind Sie davon überzeugt, dass der HFC am Saisonende tatsächlich ganz oben steht?

Wagefeld: Wenn wir weiter unsere Leistung bringen, dann bin ich zu hundert Prozent davon überzeugt. In den letzten Wochen haben wir uns eine tolle Position erarbeitet. Wir haben alles selbst in der Hand. Aber es sind noch vier Spiele. Und vom Quatschen ist noch niemand aufgestiegen.

Sie sind zu Saisonbeginn neu zum Team gekommen. Der Verein hat sie als Führungsspieler verpflichtet. Fühlen Sie sich auch als solcher?

Wagefeld: Ich halte nichts von solchen Begriffen wie Leader oder Leitwolf. Wichtig war für mich, dass ich in Halle mit Leistung überzeuge. Und das ist mir bisher ganz gut gelungen.

Trotzdem sieht man immer wieder, wie Sie Anweisungen geben, das Spiel dirigieren.

Wagefeld: Es ist nicht außergewöhnlich, wenn Spieler auf zentralen Positionen etwas lautstärker Anweisungen geben. Da sind neben mir auch Darko Horvat oder die Innenverteidiger wie Steven Ruprecht oder Patrick Mouaya.

Wenn Sie Halle einmal mit Ihren früheren Stationen Dresden, Nürnberg oder Rostock vergleichen, was ist anders?

Wagefeld: Hier ist alles ein wenig kleiner, familiärer. Wir haben eine sehr sympathische Truppe. Ich habe mich vom ersten Tag an in Halle wohlgefühlt. Das Umfeld passt, die Bedingungen sind top. Aber etwas steht auch fest: Je höher ein Verein klettert, um so schwerer werden auch die Anforderungen.

Eine Mannschaft wächst aber auch mit oder an ihren Aufgaben. Das war auch in dieser Saison zu beobachten. Wer im Team hat Ihrer Meinung nach den größten Entwicklungssprung gemacht?

Wagefeld: Wir haben uns alle weiterentwickelt. Egal, ob das die jungen Leute sind wie Dennis Wegner oder Dennis Mast. Ich denke an Telmo Teixeira-Rebelo, der schon aussortiert war und mit seiner Rückkehr zu einem eigentlich unverzichtbaren Spieler geworden ist. Das trifft auf alle anderen auch zu. Das beste Beispiel ist doch Darko Horvat. Es ist unglaublich, welche überragende Saison der Mann mit seinen 38 Jahren spielt. Oder nehmen wir Marco Hartmann, auch wenn das eher der ruhige Typ auf dem Platz ist. Auch Angelo Hauk will ich nicht vergessen. Er ist zurückgekommen, hat sich sofort voll reingehangen und leistet nun auch seinen Teil mit wichtigen Toren. Nur so konnten wir als Mannschaft eine so starke Rückrunde spielen.

Stichwort Mannschaft. Ist das der entscheidende Unterschied zur vor der Saison für schier übermächtig erklärten Konkurrenz von Holstein Kiel und RB Leipzig?

Wagefeld: Die Konkurrenz ist übermächtig. Egal, ob man dabei auf die finanziellen Möglichkeiten schaut, die Kiel und Leipzig haben, oder auf die Anzahl des Personals und dessen Qualität. Aber wir sind eine fest verschworene Gemeinschaft. Und wenn die richtig funktioniert, dann kann so ein Unternehmen Aufstieg auch Realität werden. Aber da müssen wirklich alle an einem Strang ziehen, der jüngste Spieler genauso wie die Wäschefrau. Und wenn wir diese Gemeinschaft auch in den letzten vier Wochen so hinbekommen wie bisher, dann können wir aus einer ohnehin schon hervorragenden Saison eine sensationelle machen.

Gab es für Sie im Laufe der Saison ein Schlüsselspiel, einen Moment, der entscheidend war für den weiteren Verlauf?

Wagefeld: Die beiden Niederlagen in Havelse und Wilhelmshaven kamen genau zum richtigen Zeitpunkt. Dort wurde uns allen aufgezeigt, dass es mit einer Art Schlendrian nicht einmal gegen den Tabellenletzten reicht. Aber dass wir diese Situationen bewältigt haben, spricht dafür, dass unser Team eine gewisse Qualität besitzt und gereift ist.

Die Fans feiern Ihre Verpflichtung als Glücksgriff. War umgekehrt Halle auch für Sie einer?

Wagefeld: Ich bin hierher gekommen, um mit dem HFC den Drittliga-Aufstieg nach einem Zweijahres-Plan zu schaffen. Hätte mir im Sommer jemand gesagt, dass wir das bereits im ersten Jahr schaffen, hätte ich mir das sofort schriftlich geben lassen, unterschrieben und mitgenommen. Dass wir uns diese Möglichkeit tatsächlich erarbeitet haben, ist großartig.